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TV-Film „Der Andere“ : Drei Mann unter einem Dach

  • -Aktualisiert am

Finden Gemeinsamkeiten: Willi (Jesper Christensen) und Nama (Nama Traore). Bild: ZDF und Anne Wilk

In dem ZDF-Film „Der Andere“ erzählt Regisseurin Feo Aladag von Flucht, Vertreibung und Familie. Ohne Pathos schildert sie, wie etwas zusammen wächst, was zunächst nicht zusammenzupassen scheint.

          Feo Aladags Fernsehfilm „Der Andere“ verbindet zwei Familiengeschichten und lässt daraus eine dritte entstehen. Bis in kleinere Nebenrollen hinein ist er prominent besetzt, was wohl mit seinem Anliegen und dessen pathosfreier Umsetzung zu tun hat. Nama (Nama Traore) kommt als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Mali in Berlin an, zu einer Zeit, in der die freundlichen Empfangskomitees mit klatschenden Bürgern schon Vergangenheit sind. Jetzt haben die Polizisten Mengen von Menschen aufzunehmen und ihre Verteilung abzuwickeln. Der Frust der Beamten ist groß. Niemand hat Papiere, keiner spricht eine gemeinsame Sprache, jeder der Ängstlichen und Aufgeregten will möglichst umstandslos ein Dach über dem Kopf.

          Notwendige Bürokratie trifft auf nicht selten zu Tode erschöpfte, aufgeregte Menschen am Rande der Panik. Die Kamerafrau Judith Kaufmann fängt die Hektik und den Versuch der Polizisten, Ordnung zu schaffen, in trotz aller Nähe nüchternen Bildern ein. Der Kontrast zu den Eingangsszenen, in denen Nama als Junge in Afrika unbeschwert Fußball spielte, mit der Familie im Kreis um das Essen saß und von der beruhigend summenden Mutter zärtlich gekrault wurde, ist frappierend. Nirgends aber, und das ist eine der Stärken dieses Flüchtlingsdramas, wirken die Bilder einer glücklicheren Vergangenheit süßlich oder manipulierend. Sie zeigen den Verlust. Heimat und Familie, das ist eine unerschütterliche Voraussetzung dieses Films, gibt keiner leichtfertig auf. Die Produzentin und Regisseurin Feo Aladag, die auch das Drehbuch verfasst hat, bleibt dabei sachlich, obwohl es die Vorstellung des in der Familie geteilten Glücks - und Leids - ist, die ihren Film stabilisiert.

          Eine Familientragödie nach der anderen

          Der Polizist Stefan (Milan Peschel) arbeitet mit seiner Kollegin Lena (Alwara Höfels) in der Abwicklung der in Berlin Ankommenden. Man kann Stefan einen resignierten Menschen nennen. Doch nicht nur seine Arbeit hat ihn verbittert gemacht. Eine Familientragödie, bei der seine kleine Tochter starb und für die er seinen Vater Willi (Jesper Christensen) verantwortlich macht, hat ihn in den inneren Rückzug getrieben.

          Nama, zunächst in das Jugend-Hostel von Susanne (Katja Riemann) gebracht, lernt Willi in einer Kirche kennen. Anfangs verläuft die Begegnung ruppig, aber der Ältere erkennt in Nama einen verlorenen Sohn und den Spiegel seiner selbst. 1943 als Vierjähriger bei der Verschickung nach Dänemark von seiner Mutter getrennt, die er nie wiedergesehen hat, versteht er etwas vom Verlust der Geborgenheit. Im Hostel darf Nama nicht bleiben, weil der Arzt (Anian Zollner) bezweifelt, dass er minderjährig ist. Willi, dessen Mitbewohnerin Erna (Ursula Karrusseit) den schwarzen Gast bei der Seniorenheimleitung meldet, zieht kurzerhand mit Nama zu Stefan. Flüchtlinge? Ja, sicher. Aber doch nicht in dieser gediegenen Wohngegend! Sagen jedenfalls manche, lässt Nachbar Jens (Jörg Schüttauf) Stefan, der selbst alles andere als begeistert ist, in aller gespielten Offenherzigkeit wissen. Die Situation eskaliert bedrohlich.

          Flüchtlingshelfer: Der Polizeibeamte Stefan (Milan Peschel) nimmt am Bahnsteig eine geflüchtete Familie in Empfang.

          „Der Andere“ vermeidet die Klischees, indem er das Einzelschicksal in den Mittelpunkt stellt. Er vermeidet das Typisierende, ohne auf Allgemeines zu verzichten. Weder kennt er „edle Wilde“ noch schlechte Väter an sich. Einzig die Vorstellung der nährenden Mutter ist grundpositiv besetzt. Bezeichnend aber ist, dass es diese Figur nur als Sehnsuchtsvorstellung gibt. In ihrer Abwesenheit müssen Stefan, Willi und Nama verstehen, wie man miteinander Familie ist. Ausgang ungewiss.

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