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Fernsehfilm „Am Ruder“ im ZDF : Die Bank zahlt alles

  • -Aktualisiert am

Da treffen sich die beiden Richtigen: Zwischen Michael (Wotan Wilke Möhring) und Nina (Julia Koschitz) geht es nur anfangs feindselig zu. Bild: ZDF und Volker Roloff

Eine Frau, ein Mann, eine Geiselnahme: Im Film „Am Ruder“ treffen sich zwei Verlierer in der Bank. Ihre Lage scheint aussichtslos. Oder haben sie am Ende doch etwas zu gewinnen?

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          Der viel zu früh verstorbene Frankfurter Schriftsteller Jakob Arjouni war ein Spezialist für Helden in Schwierigkeiten. Posthum könnte man mit den Figuren seiner Romane eine kleine, feine Galerie der Straßenschlauen zusammenhängen. Im Zentrum stünde selbstverständlich der Detektiv Kemal Kayankaya, dessen Geschichte mit dem Krimi „Happy Birthday, Türke“ begann. Bei den Nebenwerken wäre Michael Schröder gut aufgehoben, der unfassbar gedemütigte Mann aus der Kurzgeschichte „Das Innere“, die das ZDF nun unter dem Titel „Am Ruder“ verfilmt hat.

          Michael Schröder, gespielt von Wotan Wilke Möhring, war ein gefeierter Ruderchampion, taugt nun aber als Personifikation von „Murphy’s Law“. Von gloriosen Zeiten zeugen die Pokale in seinem Büro. Der Glanz ist ab, in seinem schlecht besuchten Fitnessstudio klebt der Kuckuck an den Geräten, und der Trainer bringt die paar Bewegungslegastheniker, die allesamt die Krankenkasse geschickt zu haben scheint, mit müder Vorturnermiene und abgedroschenen Sprüchen kaum auf Trab.

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          Vergeblich versucht er, den Verleger Auerbach zu erreichen, um ihm sein Manuskript für ein angeblich völlig neues, auf den Prinzipien der Ruderstrategie basierendes Fitnesskonzept anzudienen. In der kostspieligen Villa empfängt Ehefrau Elisabeth (Inga Birkenfeld), adelig-dünkelige Erfolgsanwältin, den Hausfreund Cornelius (Godehard Giese) zum lautstarken Sex, während Schröder in seinem Zimmer fernsieht und sich die Ohren zuhält. Gerade erst hat seine Frau bei der Bank einen Kredit für ihn ausgehandelt, um das Studio zu retten. Kann ein Mann tiefer sinken als dieser Ex-Athlet und Tagträumer? Don Quichote, Wladimir oder Estragon – die literarische Referenz kann man sich aussuchen. Loser träfe es auch.

          Aber tiefer geht es immer bei Arjouni, vor allem in dieser clever konstruierten Geschichte, die im Fernsehfilm leider viel von ihrer kompakten Raffinesse verliert (Buch Alexandra Maxeiner, Regie und Buch Stephan Wagner, Kamera Thomas Benesch). Der Abstieg zieht sich. Als einzige Geisel bleibt Schröder bei einem Überfall in der Bank zurück. Er wird gefesselt, macht sich vor Angst in die Hose, darf unter Aufsicht seine Kleidung auswaschen und sitzt fortan mit nacktem Hinterteil auf dem Bürostuhl.

          Fernsehtrailer : „Am Ruder“

          Er weint, bis es der Geiselnehmerin Nina (Julia Koschitz) zu bunt wird, die sich inzwischen mit dem Kundengeschenkchampagner betrinkt. Draußen deuten die Staatsanwältin Marlin Duve (Thelma Buabeng), der SEK-Einsatzleiter Jens Goede (Dirk Borchardt), Polizist Timo Hartmann (Rainer Piwek) und der eitle Polizeipsychologe Enrico Brunnemeyer (Simon Licht) die Unberechenbarkeit zweier Verlierer als ausgeklügelten Plan. Drinnen entwickeln Geiselnehmerin und Geisel Bonni-und-Clyde-Phantasien und halten sich am Plakat des „Mädchens mit dem Perlenohrgehänge“ von Jan Vermeer auf (der Filialleiter soll ein Schöngeist sein). Draußen doziert Brunnemeyer über das Stockholm-Syndrom und die psychische Stabilität von Gefangenen.

          Als Kurzgeschichte brilliert die kleine amoralische Moritat mit überraschendem Finale vor allem wegen Arjounis Lakonik, der Film kriegt die konzentrierte Kurvenlage nicht so recht hin. Möhring gibt seinem Helden von der allertraurigsten Gestalt zwar lauter unterschiedlich bemitleidenswerte Züge, während Ninas Schicksal nur angedeutet wird und Julia Koschitz so wenig mehr bleibt, als verschiedene Grade der Betrunkenheit zu spielen. Durchweg scheint auf, dass die Figuren Literatur sind, ausgedachte Gestalten im Dienst der Konstruktion. Ein paar gelungene Überzeichnungen, die eine oder andere entlarvende Spitze machen nicht wett, dass Tiefe und Tempo fehlen. Ein auf die Strecke langweiliges Geiseldrama – schade drum oder vielleicht schon wieder ein Kunststück.

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