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Youtube-Kanal „InfraRot“ : Tummelplatz für Putin-Fans

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige Chefredakteur von RT DE, Ivan Rodionov, sendet nun über den YouTube-Kanal InfraRot. Bild: YouTube InfraRot

Auf dem Youtube-Kanal InfraRot sind ehemalige Mitarbeiter von RT DE aktiv. Agiert der russische Sender hier lediglich unter anderem Namen?

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          Auf den ersten Blick könnte es sich um einen der vielen Youtube-Kanäle handeln, auf denen über die deutsche Corona-Politik gelacht wird. Doch hinter dem Kanal „InfraRot Medien – Sicht ins Dunkel“ mit zurzeit rund 14.000 Abonnenten steckt die Firma InfraRot Medien UG, die am 20. August 2021 gegründet wurde und im Handelsregister in Berlin geführt wird. Der Geschäftsführer Ivan Rodionov, der auch selbst vor die Kamera tritt, war von 2014 bis Oktober 2021 beim russischen Sender RT DE tätig – zuerst als Chefredakteur, später laut eigenen Angaben als „Chief Strategy Officer“.

          Auch Jens Zimmer und Arthur Buchholz waren bis Herbst 2021 noch für RT DE tätig. Nun präsentieren sie bei InfraRot Kommentare zur deutschen Politik und den öffentlich-rechtlichen Medien sowie einen gemeinsamen Podcast. Zielgruppe sind laut Kanalbeschreibung „alle, denen der Mainstream-Meinungstunnel zu eng ist“. Vor allem die Beträge von Rodionov haben einen seriösen Anstrich, während Zimmer und Buchholz im Podcast ohne großen Aufwand und Struktur Politiker anhand pauschalisierter Einzelaussagen ins Lächerliche ziehen. Gelegentliche Interviews mit Gästen wie dem impfkritischen Autor Marc Friedrich sind etwas hochwertiger produziert. Der Interviewer Marcus Robbin war ebenfalls bis zum vergangenen Jahr für RT DE tätig. Befürwortern der Corona-Politik wird hier immer wieder blinder Glaube vorgeworfen, auch Beiträge über Corona-Demonstrationen sind zu sehen.

          Im Hinblick auf die Ukraine-Krise suggeriert der Kanal, deutsche Politiker hätten einen Krieg bewusst forciert. Putins rüksichtslose Machtstreben spielt keine Rolle. In den Nutzer-Kommentaren finden sich wüste Beschimpfungen von Politikern, ein Zuschauer erinnert sich an eine Begegnung mit dem Moderator Jens Zimmer bei einer Querdenker-Kundgebung in Dresden. Auf Telegram droht ein Nutzer mit dem Einsatz seiner Schrotflinte.

          Auf Youtube hat InfraRot nun mit einer inhaltlichen Prüfung zu rechnen. Der Kanal verstößt zwar nicht gegen die Richtlinien der Plattform, sagte ein Pressesprecher. Aber schon im Dezember wurde ein Video wegen Corona-Fehlinformationen gelöscht. Manche Beiträge sind nur noch bei Telegram zu sehen, wo die Abonnenten zusätzlich über Corona-Demos und das neue alternative Netzwerk theplattform.net informiert werden. Auch auf der Videoplattform Odysee ist InfraRot vertreten, allerdings nur mit Aufrufen im zwei- bis dreistelligen Bereich.

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