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Vatikan-Pressechef Ruffini : Bitte keine neuen Skandale

Der neue Kommunikationschef im Vatikan: Paolo Ruffini. Bild: Imago

Ein Laie im Vatikan soll für bessere Presse sorgen: Papst Franziskus ernennt den Journalisten Paolo Ruffini zum PR-Chef. Der Vorgänger hatte nach einer Panne den Hut nehmen müssen.

          3 Min.

          Mit seiner großangelegten Reform der Römischen Kurie hat Papst Franziskus bisher wenig Glück gehabt. Der von ihm berufene Rat der neun Kardinäle (K9), zu dem auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx gehört, kommt mit seiner Arbeit nur langsam voran. Der für die Durchleuchtung und Entflechtung des undurchsichtigen Finanzgestrüpps im Vatikan zuständige Kardinal George Pell sitzt in Australien fest, weil er sich dort wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs vor Gericht verantworten muss. Derweil ruht Pells wichtiges Amt in Rom. Kardinal Francisco Errázuriz, Erzbischof von Santiago, ist wegen des monumentalen Missbrauchsskandals in der chilenischen Kirche längst untragbar. Er kann sich im K9 nur halten, weil er ein langjähriger Weggefährte des Papstes aus Argentinien ist. Der honduranische Kardinal Óscar Maradiaga sieht sich in seiner Erzdiözese Tegucigalpa dem Vorwurf der Bestechlichkeit und der finanziellen Untreue ausgesetzt. Er weist die Anschuldigungen zurück – und bleibt im K9, dem wichtigsten Beratergremium des Papstes bei der lahmenden Kurienreform.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auch mit der Schaffung des Sekretariats für Kommunikation hat sich der Papst offenbar vergriffen. Das dritte Sekretariat – neben jenen für diplomatische Beziehungen und für Wirtschaftsfragen – hatte Franziskus im Juni 2015 mit dem Ziel eingerichtet, die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans unter einem organisatorischen Dach zu vereinen. Damit signalisierte der Papst, dass der Heilige Stuhl die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit deutlich höher bewertete als ehedem. Doch Ende Juni hat Franziskus das Sekretariat für Kommunikation zu einem Dikasterium und damit zu einem nicht mehr ganz so exponierten Kurienamt „degradiert“.

          Mag sein, dass dies auch eine Reaktion auf einen handfesten Skandal im Kommunikationssekretariat war. Dessen Leiter, der italienische Priester Dario Viganò, war dabei ertappt worden, wie er einen persönlichen Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an ihn offenbar ohne dessen Einwilligung erstens veröffentlichte und das Schreiben zweitens auf plumpe Weise manipulierte. In dem Schreiben lobt Benedikt seinen Nachfolger Franziskus als „Mann tiefer philosophischer und theologischer Bildung“ und hebt die „innere Kontinuität zwischen den beiden Pontifikaten“ hervor. Zugleich kritisiert Benedikt in seinem Schreiben aber auch ausdrücklich den deutschen Theologen Peter Hünermann, den Viganò als Autor eines Büchleins über Franziskus aus Anlass des fünften Jahrestages von dessen Papstwahl hatte gewinnen können. Hünermann sei ein Initiator antipäpstlicher Kampagnen gewesen, schilt Benedikt, und deshalb sehe er sich nicht in der Lage, der Bitte Viganòs um ein Vorwort nachzukommen.

          Viganò hatte aus dem persönlichen Schreiben Benedikts zunächst nur die Passagen verlesen und publiziert, in welchen sich der emeritierte Papst positiv über seinen Nachfolger äußert. Zudem hatte er ein Foto des Briefes digital so bearbeiten lassen, dass lediglich die Lobpassagen, nicht aber die kritischen Abschnitte zu erkennen waren. Nach einigem Gezerre musste Viganò schließlich den ganzen, durchaus kritischen Brief Benedikts veröffentlichen und sich für seine plumpe Fotomanipulation entschuldigen. Am 19. März bot Viganò seinen Rücktritt an, den der Papst zwei Tage später annahm. Zugleich ernannte Franziskus seinen gefallenen Schützling zum ständigen „Berater“ für das Kommunikationssekretariat: Viganò fiel, aber er fiel weich.

          Mehr als drei Monate dauerte es, bis der Papst den neuen Chef seiner Kommunikationsabteilung vorstellte. Es ist der 1956 in Palermo auf Sizilien geborene italienische Fernsehjournalist Paolo Ruffini. Ruffini, der verheiratet ist, wird von September an als erster Laie das gesamte Kommunikationswesen des Vatikans leiten. Seine Laufbahn begann er bei der linksliberalen Tageszeitung „Il Messaggero“; derzeit ist er Leiter des Senders „TV 2000“, der von der italienischen Bischofskonferenz betrieben wird. Wie er die Reformen im Dikasterium für Kommunikation weiter vorantreiben und die verschiedenen Plattformen – vom Radio über das Fernsehen, die Zeitung „L’Osservatore Romano“ und den Vatikan-Verlag bis zu den sozialen Medien – besser miteinander verknüpfen will, hat er noch nicht gesagt. Er vertraue bei seiner neuen großen Aufgabe „auf die Gnade Gottes“, sagte Ruffini den „Vatican News“, die ebenfalls zum Kommunikationskonglomerat des Heiligen Stuhls gehören. Seinem kritischen journalistischen Sachverstand sollte er – anders als sein Amtsvorgänger – auch vertrauen.

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