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Tod im Moskauer Gefängnis : Das Leiden des Sergej Magnizki

Der Tod des Anwalts: Freunde und Verwandte Sergej Magnizkis auf der Beerdigung am 20.11.2009 auf dem Preobraschenskoje Friedhof in Moskau. Bild: dpa

Wurde Sergej Magnizki also doch nicht ermordet? Was der Regisseur Andrej Nekrassow im F.A.Z.-Interview sagt, ist nicht falsch - und doch nicht die ganze Wahrheit.

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          Unser Interview mit dem Autor der Fernsehdokumentation „Der Fall Magnitski“, dem russischen Regisseur Andrej Nekrassow, veranschaulicht vor allem die Eigengesetzlichkeit medialer Prozesse, die sich von der Wirklichkeit ähnlich emanzipieren wie die Finanz- von der Realwirtschaft. In seinem vorerst abgesetzten Film über den Tod des Moskauer Steuerprüfers Sergej Magnizki stellt Nekrassow es als unerwiesen hin, dass dieser in Untersuchungshaft zu Tode gefoltert wurde. Der Umstand, dass Magnizkis seinerzeitiger Klient, der amerikanische Hedgefonds-Manager Bill Browder, diese Geschichte verbreitet, scheint für ihn ein Hauptargument zu sein.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Dabei hat die investigative Moskauer Zeitung „Nowaja Gaseta“ anhand von Briefen und Tagebüchern, die Magnizki in der Haft schrieb, nachgewiesen, dass ihm Trinkwasser verweigert, dass er ständig in andere, immer kleinere, immer dreckigere Zellen verlegt wurde - in der Gefängnissprache nennt man das „Karussell“. Als er dann an Bauchspeicheldrüsenentzündung erkrankte, weigerten sich die Gefängnisärzte, ihm zu helfen. Dass er in der Agonie noch geprügelt worden war, belegten entsprechende Spuren am Leichnam, der den Angehörigen übergeben wurde.

          Dieser Befund stimmt immer

          Nekrassow hat recht, wenn er russische Gefängnisse entsetzlich nennt; das ist aber noch kein Todesurteil. Magnizki wurde jedoch durch eine koordinierte Aktion mehrerer Aufseher umgebracht. Anordnen konnten dies nur der zuständige Fahnder Pawel Karpow und seine Kollegen, zu deren beruflichem Rüstzeug es gehört, mit „fremden Händen“ zu arbeiten. Das Hinterhältige von Nekrassows Argumentation liegt darin, dass er die dokumentierte Geschichte als „Erzählung“ von Browder hinstellt. Die Wahrheit über den Tod von Magnizki ist aber nicht an die Exkulpation Browders gebunden.

          Der Chefredakteur der „Nowaja Gaseta“, Dmitri Muratow, erinnerte erst kürzlich daran, dass Browder in Russland zweifelhafte Geschäfte machte, woran der Staat sich zunächst nicht gestört habe. Was nichts an der Verantwortlichkeit Karpows für den Diebstahl aus der Staatskasse und den Tod Magnizkis ändere, auch wenn eine ministerielle Untersuchung Karpows Unschuld feststellte und als Todesursache bei Magnizki Herzversagen, ein in allen Unrechtssystemen beliebter Befund: Denn er stimmt immer.

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