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Der Terminator im Fernsehen : Der neue Terminator ist eine Frau

  • -Aktualisiert am

Im Geiste Schwarzeneggers: Lena Headey stemmt sich im Fernsehen gegen das Roboterzeitalter Bild: Warner Bros.

Aus dem Kino-„Terminator“ mit Arnold Schwarzenegger hat Amerikas Fernsehen eine Familienserie gemacht. Sie trägt den irreführenden Titel „Sarah Connor Chronicles“ und läuft bei uns auf Premiere.

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          Auf dem Dach des Parkhauses der Warner Brothers-Studios in Burbank lehnt der junge John Connor an der Ladefläche eines Pickups und diskutiert mit einem – Terminator. Aber es ist kein kantiger Typ mit rotglühenden Augen wie ihn einst Arnold Schwarzenegger verkörperte. Der neue Terminator ist ein zierliches Mädchen, das auf den Namen Cameron hört. Und wir befinden uns auch nicht bei den Dreharbeiten zu einem neuen Kinofilm, sondern einer – wenn man so will – Familienserie, die im Geiste des legendären Schwarzenegger-Terminators ensteht.

          Die jugendliche Schutz-Terminatorin namens Cameron spielt in der Fernsehserie „The Sarah Connor Chronicles“, einem Ableger des verschachtelten Robotermärchens um einen jungen Mann, der von mörderischen Robotern aus einer Zukunft gejagt wird, in der er den menschlichen Widerstand gegen die Diktatur der Maschinen anführen wird.

          Hommage an den Regisseur James Cameron

          Der Name der jungen Terminatrix ist eine Hommage an den Schöpfer der ersten beiden Kino-„Terminators“, James Cameron, vielleicht nicht zuletzt, um den Erfolg eines gewagten Fernsehprojekts zu beschwören, das der Produzent James Middleton monatelang erfolglos von einem Studio zum nächsten getragen hatte. Vielleicht war den Studiobossen der Versuch zu heikel, Camerons Klassiker als Fernsehserie zu verwursten. Womöglich stand Middleton, der mit dem dritten „Terminator“ und „Basic Instinct 2“ an zwei enttäuschenden Fortsetzungen beteiligt war, auch seine Filmografie im Weg. Doch er ließ sich nicht beirren.

          „Sarah Connor ist eine der größten Action-Heldinnen unserer Kultur“, sagt der Mittfünfziger, „sie ist das Herz, das Gefühl, unsere Identifikationsfigur der ,Terminator’-Geschichten. Sie ist verletzlich und resolut zugleich, ein überhöhter Muttertyp, die ihren Sohn ebenso entschlossen beschützt wie sie ihn auf eine Zukunft vorbereitet, die sie ihm nicht wünscht.“ (In Amerika weiß man natürlich nicht, das man hierzulande bei dem Namen „Sarah Connor“ an jemand ganz anderes aus dem Schlagergeschäft denkt.)

          Die Schauspielerin gewöhnt sich ab, zu blinzeln

          Bei Warner Brothers stieß der Produzent Middleton endlich auf Gegenliebe, und mit Josh Friedman als Autor entwarf er eine temporeiche und kluge Geschichte, die von einer kämpferischen Mutter handelt, die mit ihrem pubertierenden Sohn auf der Flucht vor menschengleichen Maschinen aus der Zukunft ist und vom FBI, das sie beschattet, für psychotisch gehalten wird.

          Rekordverdächtige achtzehn Millionen Zuschauer haben in den Vereinigten Staaten das Debüt der Serie verfolgt, die bei uns jetzt auf Premiere zu sehen ist. Es macht die Güte der Serie aus, dass anstelle von Schaueffekten eine vielschichtige Geschichte und hervorragende Darsteller im Vordergrund stehen: Lena Heady, zuletzt als Spartanerkönigin in der Comic-Adaption „300“ zu sehen, verleiht der Figur der Sarah Connor eine ähnliche Mischung aus Verletzlichkeit und Kampfeswillen wie einst Linda Hamilton, und Summer Glau als Cameron formt ihre hypnotische Darstellung eines hochentwickelten Roboters, indem sie sorgfältig alle möglichen menschlichen Alltagsgesten vermeidet – kein Lippenbefeuchten, kein Durch-die Haare-Streichen, kein Umherrutschen auf einem Stuhl. Die Sechsundzwanzigjährige, deren Züge ein wenig an die junge Christina Ricci erinnern, gewöhnte sich sogar an, langsamer zu blinzeln.

          Teenager zwischen zwei Frauen

          Die „Sarah Connor Chronicles“ setzen nach dem Ende des zweiten Terminator-Films im Jahr 1998 an. Sarah lebt mit dem fünfzehnjährigen John im Untergrund, verfolgt von Terminatoren – und beschützt von Johns neuer Schulkameradin Cameron, die sich als „guter“ Terminator entpuppt. Durch einen Zeitsprung retten sie sich ins Jahr 2007, wo die Allgegenwart von Handys und elektronischem Spielzeug Sarah als Vorboten einer maschinenkontrollierten Zukunft erscheint.

          Der Autor Josh Friedman, dessen bislang prominenteste Leistung ein verworfenes Drehbuch zu Steven Spielbergs Remake von „Krieg der Welten“ war, hat für seine Serie ein eigenes erzählerisches Universum geschaffen. Während der erste Teil der Kino-Trilogie sich um eine unscheinbare junge Kellnerin namens Sarah Connor drehte, die über Nacht als künftige Heldenmutter den Kampf gegen Maschinenmenschen aufnehmen muss, und der zweite von der Beziehung des jungen John Connor und einem zum väterlichen Beschützer umgepolten Terminator handelte, gruppiert Friedman seine Figuren um einen Teenager herum, der sich von zwei resoluten Frauen – seiner Mutter und einem weiblichen Roboter – herumkommandieren lassen muss. „Ich wollte ein Äquivalent zu Schwarzeneggers Vaterfigur entwerfen“, sagt Friedman, „ein Mädchen, das einem jungen Mann hilft, sich von seiner Mutter zu emanzipieren.“

          Das geht natürlich nicht ohne Schwierigkeiten ab. Auf das Kommando „Action, please“, fragt Cameron auf dem Parkhausdach neugierig: „War das Riley?“ Eben hat John, so entnehmen wir der vorangegangenen Drehbuchseite, den Anruf eines Mädchens empfangen. „Geht dich nix an!“, schnappt er zurück, und als Cameron nüchtern nachsetzt: „Deine Mutter möchte, dass ich ein Auge auf dich habe“, reißt John der Geduldsfaden. Wütend stapft er davon.

          3,1 Millionen Dollar geben die Produzenten für die Herstellung jeder einzelnen Episode aus. Eine Familienserie im „Terminator“ darf schon etwas kosten.

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