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Erfolg des „Tatort“ : Ohne diese Krimis gehen wir nie ins Bett

Haben gut winken: Jan-Josef Liefers und Axel Prahl im Münsteraner „Tatort“. Bild: WDR/Martin Valentin Menke

Warum ist der „Tatort“ so erfolgreich wie nie? Und weshalb hat er so viele junge Zuschauer? Die Stärke liegt in der Vielfalt, sagen ein Regisseur und der „Tatort“-Koordinator der ARD. An seiner Langeweile aber auch.

          Von diesem Sonntag an schaltet das deutsche Fernsehen wieder auf Krimi: Die „Tatort“-Sommerpause ist vorbei, die Wiederholungen alter Fälle haben ein Ende, was mancher Senderverantwortliche wohl fast bedauert. Denn Wiederholungen kosten wenig und bringen trotzdem bis zu acht Millionen Zuschauer. Das wäre vor zehn Jahren ein Spitzenwert für eine neue Folge gewesen. Heute ist es die erwartete Mindestquote, Fälle mit den Münsteraner Kommissaren Axel Prahl und Jan Josef Liefers kommen auf bis zu dreizehn Millionen Zuschauer.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Wie sind dieser Quotensprung zu erklären und der Umstand, dass viele junge Menschen einschalten? Wobei man daran erinnern muss, dass den „Tatort“ in den siebziger Jahren auch schon mal mehr als 25 Millionen Zuschauer einschalteten, in einer Zeit freilich, in der es nur zwei Programme gab. Was die fast fünfundvierzig Jahre alte Marke „Tatort“ wert ist, sieht man wahrscheinlich am besten bei einem Quotenvergleich mit der anderen großen Krimireihe der ARD, dem „Polizeiruf 110“. Dieser hat zwar oft die besseren Fälle, aber die schlechteren Zuschauerzahlen.

          Die Vielseitigkeit der Krimis

          Der „Tatort“ spielt inzwischen auf allen Kanälen. So schauen sich die Fälle aus Münster nach der Erstausstrahlung im Ersten direkt im Anschluss rund 700.000 beim Digitalableger Eins Festival an, rund zwei Millionen in der Mediathek, für die jungen Zuschauer gibt es einen eigenen Youtube-Kanal mit sechsstelligen Abrufzahlen. Im nächsten Jahr kommt der „Tatort“ – Götz George hatte es in den Achtzigern vorgemacht – mit Til Schweiger ins Kino. Twitter hingegen haben sich die „Tatort“-Zuschauer selbst erobert. Noch vor den Sendern haben sie die Hashtagfähigkeit von „#Tatort“ erkannt. Wofür es wahrscheinlich eine einfache Erklärung gibt. Ist der „Tatort“ in seinem Spannungsverlauf doch in der Regel so beschaffen, dass er Nebenbei-Tätigkeiten durchaus zulässt. Und da die Zuschauer immer multitaskingfähiger werden, ist eine alte Schwäche des Formats - die Langeweile, die im Krimi ein tieferes Tal gräbt als irgendwo sonst - eine neue Stärke für die Twitter-Generation. Allerdings sind die Tweet-Zahlen, verglichen mit den Einschaltquoten beim „Tatort“, nun auch nicht exorbitant. Am erfolgreichsten bei Twitter war die Wiesbaden-Folge „Im Schmerz geboren“ mit mehr als 23.000 Tweets von 7157 Autoren.

          Til Schweiger, der umstrittenste „Tatort“-Kommissar bringt das Format wieder ins Kino.

          Was macht nun ausgerechnet eine Krimireihe zum Erlebnis für alle und treibt die Leute wie sonst nur Sportveranstaltungen scharenweise zum Public Viewing? Das hat sich auch Gebhard Henke, „Tatort“-Koordinator und WDR-Fernsehfilmchef, gefragt und fasst die These eines Soziologen zusammen, der zufolge der „Tatort“ die Gemeinschafts-Lücke schließe, welche die Fußball-WM 2006 hinterlassen hat. Klaus J. Behrendt, der Kommissar Ballauf aus Köln, hat den „Tatort“ einmal direkt mit dem Fußball verglichen: Am Anfang werde eine Hymne gespielt, danach drücke man dem Lieblings-Team die Daumen. Ergänzen kann man noch: Am Ende gibt es meistens ein Elfmeterschießen. Und auch die Personalpolitik beim „Tatort“ erinnert zuweilen an den Profifußball. Der Transfermarkt sorgt für den nötigen Klatsch, schwache Teams werden aus dem Verkehr gezogen, ergraute wie das Duo Leitmayr und Batic durch den Schnellwaschgang mit Dominik Graf geschleudert, harmonieselige Paare wie Odenthal und Kopper bekommen eine junge Karrieristin als Spannungsmoment an die Seite gestellt.

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