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: Der Sternenjäger

  • -Aktualisiert am

Berühmt durch Schnappschüsse: Ron Galella Bild: Betty Galella

Von Marlon Brando verprügelt, von Jackie Kennedy verklagt, von Andy Warhol verehrt: Ein Besuch bei Ron Galella, dem berüchtigtsten aller Paparazzi.

          7 Min.

          „Bin ich ein Fan?“ Ron Galella steht im cremefarbenen Entree seiner Villa in New Jersey und weiß zum ersten Mal nicht sofort eine Antwort. Am Vortag ist er 76 geworden, immer noch ein stattlicher Mann, groß, breitschultrig, auch wenn ihn die Arthritis leicht in die Knie zwingt. In den Händen hält er ein gerahmtes Schwarzweißfoto. Jackie Kennedy ist darauf zu sehen, in T-Shirt und Jeans. Die Haare wehen ihr ins Gesicht, sie guckt in die Kamera, ein kleines Lächeln umspielt ihren Mund. Es ist sein berühmtestes Bild, kein anderes wurde öfter gedruckt.

          „Honey, bin ich ein Fan?“, ruft er in Richtung Küche. „Nein, du bist kein Fan. Du bist Fotograf, du tust deine Arbeit“, tönt es zurück, die feste, klare Stimme seiner Frau. Er scheint einverstanden. „Nein, ich bin kein Fan“, sagt er. „Ich tue nur meine Arbeit.“ Dann bückt er sich umständlich und legt das Bild zu den anderen, die er am Vormittag vom Rahmenmacher geholt hat. Andy Warhol im Studio 54. Liz Taylor auf einer Yacht. Audrey Hepburn am Flughafen von Paris. Und Jackie, immer wieder Jackie. Mit Sonnenbrille auf der Madison Avenue, mit John-John und Caroline im Central Park, mit Aristoteles Onassis bei einem feierlichen Event.

          Jackie Kennedy war seine Geldquelle

          Es ist die Geschichte einer Liebe. Das erste Mal fotografierte er sie am 19. Mai 1967. Irgendeine Ausstellungseröffnung in New York, eine große Sache, viele Berühmtheiten da, aber die Bilder, auf denen Jackie zu sehen war, verkauften sich am besten. Das zweite Mal fotografierte er sie am 10. Dezember desselben Jahres. Galella muss nicht in einen Kalender gucken, er kennt die Daten auswendig. Er fand sie schön. Sie faszinierte ihn. Man habe nie wissen können, was sie denkt, sagt er. Zwischen 1968 und 1970 fotografierte er sie dann Dutzende Male. Man kann sagen, er teilte sein Leben mit ihr.

          Immer dicht dran an den Stars: Paparazzo Galella
          Immer dicht dran an den Stars: Paparazzo Galella : Bild: AP

          20.000 Dollar brachte sie ihm aufs Jahr verteilt ein, das war die Hälfte seines gesamten Einkommens. Sie wohnte gegenüber vom Central Park, 1040 Fifth Avenue, Ecke 85. Straße. Und so wohnte auch Ron Galella mehr oder weniger dort. Er kam meist schon früh am Morgen mit seinem Wagen aus der Bronx, wo er Miete zahlte, um zur Stelle zu sein, falls sie das Haus verließ. Schon morgens trug er einen dunklen Anzug und Krawatte, um für eventuelle Abendveranstaltungen passend gekleidet zu sein. Seine Nikon steckte in einer Tasche, die keine Fototasche war. So bezog er Posten.

          Regel Nummer 1 für einen guten Paparazzo: Sei ein Detektiv

          „Das Wichtigste ist, die Stars zu finden. Das ist eine physikalische Sache. Du musst das Subjekt sehen, um es fotografieren zu können. Also musst du wissen, wo sie wohnen. Greta Garbo wohnte East 52nd Street, genau neben dem East River, im letzten Haus. Das war bekannt. Wenn du sie kriegen wolltest, musstest du jeden Tag dort sein. Du musstest herumschnüffeln, musstest die Doormen fragen, man darf nicht schüchtern sein. Eines Tages bekam ich einen Tipp. Jemand hatte sie aus dem Rizzoli-Buchladen kommen sehen, Fifth Avenue, 52. Straße. Ich bin, so schnell ich konnte, in ihre Straße. Ich habe mich in einer Telefonzelle versteckt und gewartet. Und tatsächlich, da kam sie und konnte mir nicht entkommen, es war eine Sackgasse, sie hatte keine Chance. Sie hielt sich ein Taschentuch vors Gesicht. Gehen Sie weg, gehen Sie weg, sagte sie. Das war ein guter Tag. Die Garbo war selten.“

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