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„Stern“-Bericht über Uli Hoeneß : Gab es keinen Deal?

  • -Aktualisiert am

Gab es einen Deal zwischen Uli Hoeneß und dem Münchner Gericht? Der „Stern“ darf darüber nicht mehr spekulieren. Bild: AP

Nach dem Turbo-Prozess gegen Uli Hoeneß hatten einige Medien vermutet, es könnte Verabredungen zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gegeben haben. Warum wurde ausgerechnet dem „Stern“ diese Spekulation jetzt gerichtlich untersagt?

          Manchmal ist es schon verboten, Fragen zu stellen - jedenfalls wenn es nach der Ansicht der Hamburger Presserichter geht. Der „Stern“ hat sich beim Landgericht der Hansestadt wieder eine einstweilige Verfügung eingefangen. Falls diese Eilentscheidung nicht noch in einer höheren Instanz gekippt wird, darf die Zeitschrift über das Strafverfahren gegen Ex-Fußballpräsident Uli Hoeneß einen Satz aus einem Editorial ihres Chefredakteurs Dominik Wichmann nicht wiederholen.

          Wichmann hatte Ende März - nachdem sowohl Hoeneß als auch die Staatsanwaltschaft auf eine Revision gegen seine Verurteilung zu einer Haftstrafe verzichtet hatten - geschrieben: „Dieser Verzicht legt einen Verdacht nahe: Kann es sein, dass hinter der Entscheidung des Münchner Gerichts ein sogenannter Deal steht, also eine stillschweigende Verabredung über den Verlauf und das Verfahren?“ Verboten wurde außerdem die (weiter gehende) Überschrift: „Ein Deal für Hoeneß“.

          Nebelkerzen auf Nebenkriegsschauplätzen

          Bemerkenswert daran ist: Ähnliche Vermutungen wurden nach dem Turboprozess von nur vier Verhandlungstagen, der trotz des kurzfristigen Nachreichens von rund 70 000 Dokumenten nicht einmal verschoben wurde, von vielen Menschen und von etlichen Medien geäußert. In einem Gastbeitrag für die F.A.Z. vermutete ein namhafter Strafverteidiger hierbei in ganz ähnlichen Worten ein Beispiel für ein neues Phänomen in Wirtschaftsstrafprozessen - einen „unausgesprochenen Konsens“ und eine „Verständigung jenseits des Deals“. Mehr noch: Nach Informationen der F.A.Z. war zwar nicht das Urteil, aber doch immerhin der Verzicht auf Rechtsmittel tatsächlich zwischen Anklagebehörde und Verteidigung verabredet.

          Die Justitiarin des Verlags Gruner + Jahr, Kirsten von Hutten, vermutet hinter dem Vorstoß von Hoeneß’ Presseanwalt daher „Nebelkerzen“. „Da werden Nebenkriegsschauplätze ausgesucht, um kleine Etappensiege zu feiern“, sagte sie der F.A.Z.. Immerhin wandere Hoeneß bald ins Gefängnis - „und unsere Recherchen haben nicht unbeträchtlich dazu beigetragen“.

          Verbote im Schnellverfahren

          Kürzlich hatten die Hamburger Richter schon vier weitere Äußerungen des Magazins verboten. Dabei berief es sich auf einen ungenannten Informanten, der angeblich bei der Bank Vontobel arbeitete. Nach dessen Angaben soll der Fußballmanager und Wurstfabrikant noch höhere Summen auf Schweizer Konten besessen haben. Auch hatte der „Stern“ über einen Zusammenhang mit Sponsorengeschäften des FC Bayern und über Steuertricks beim Leerverkauf von Aktien spekuliert. Hoeneß bestreitet all dies.

          Der Verlag prüft, ob er Widerspruch gegen die neue Gerichtsentscheidung einlegt. Die Sitten im Presserecht sind rauh - insbesondere in Hamburg und weil sich jeder Kläger wegen des „fliegenden Gerichtsstands“ selbst aussuchen kann, vor welchem Gericht er ein Medium verklagt. Verbote werden im Schnellverfahren verhängt und meist, ohne die Journalisten oder ihre Anwälte vorher zu hören. Die Juristen des „Stern“ wissen deshalb nicht einmal, auf welche Argumente sich das Gericht gestützt hat. Die Antragsschrift des Hoeneß-Anwalts, in der sie das nachlesen können, ist ihnen noch gar nicht zugestellt worden.

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