https://www.faz.net/-gqz-84maf

„Spiegel“ muss sparen : Das Magazin und das Minus

Auf Sparkurs: Beim „Spiegel“ steht von nun an die „Agenda 2018“ auf dem Programm. Bild: Henning Bode

Schlechte Nachrichten für den „Spiegel“, die nicht im „Spiegel“ stehen: Der Verlag muss „dauerhaft“ einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen. Es sollen Stellen abgebaut werden. Das könnte auch die Redaktion treffen.

          2 Min.

          Der neue Geschäftsführer Thomas Hass hatte für die Mitarbeiter des „Spiegel“ am Mittwoch keine guten Nachrichten. Er trug vor, „mit welchem Programm der langfristige wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens und damit die publizistische Unabhängigkeit des ,Spiegel` gesichert werden sollen“, wie es offiziell heißt. Im Klartext: Der „Spiegel“ muss sparen, fünfzehn Millionen Euro „dauerhaft“, also pro Jahr, von 2017 an. Und es gibt einen Stellenabbau. Das heißt: Es könnte Entlassungen geben.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In welchem Umfang dies zu erwarten ist, konnte Hass den „Spiegel“-Mitarbeitern noch nicht sagen. Dass es zu einem solchen Schritt kommen und der Verlag ins Minus rutschen würde, war seit einiger Zeit absehbar, aber vielleicht beim „Spiegel“ in letzter Konsequenz nicht jedem bewusst.

          Keine roten Zahlen riskieren

          „Wir sind zurzeit noch ein wirtschaftlich solides Unternehmen, das aber – bedingt durch die rückläufige Entwicklung bei Anzeigen und Vertrieb – seit einigen Jahren Erlöse verliert, während unsere Kosten annähernd stabil geblieben sind. So riskieren wir, dass der ,Spiegel' schon bald in die roten Zahlen rutscht. Das dürfen wir nicht akzeptieren", sagte der Geschäftsführer Hass, der seinen Job erst im Februar angetreten hatte und nun bereits kurz nach seinem Antritt Hiobs-Botschaften verbreiten muss. Zuvor war Hass Sprecher der Mitarbeiter KG, des Hauptgesellschafters des „Spiegel“.

          Bis Ende 2016 soll das Umbauprogramm stehen. Sämtliche Arbeitsprozesse und Strukturen sollen geprüft werden. Rund 730 Mitarbeiter hat der„Spiegel“-Verlag zurzeit, der Umsatz lag 2014 bei 285 Millionen Euro, es wurde ein Jahresüberschuss von 25,2 Millionen Euro an die Gesellschafter ausgeschüttet. Diese Gewinn-Ausschüttung wiederum ist das Problem des Verlags, der niemals ausreichende Rücklagen bilden und auch nicht immer so investieren konnte, wie es die Geschäftsführer gerne gesehen hätten. Stattdessen freuten sich die Gesellschafter - also auch die stimmberechtigten Redakteure des Magazins und Verlagsleute, die in der Mitarbeiter KG vertreten sind - über den Jahres-Obolus.

          Dem Programm „Agenda 2018“ haben die Gesellschafter nun gleichwohl alle zugestimmt: die Mitarbeiter-KG (50,5 Prozent der Anteile), der Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) und die Augstein-Erben (24 Prozent), von denen einer - Jakob Augstein - seine Anteile wiederum verkaufen will. Neben striktem Sparen setzt die „Agenda 2018“ jedoch auch positive Zeichen: Die Redaktionen von „Spiegel“, „Spiegel Online“ und „Spiegel TV“, Dokumentation und Verlag arbeiten an fünfzehn Projekten, die für Innovation sorgen sollen. Dazu gehört eine digitale Bezahlstrategie, eine digitale Abendzeitung und ein „Innovation Lab“ als „Zentrum von Kreativität und Erneuerung“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Guten Tag! Joe Biden und Wladimir Putin geben sich in Genf die Hand.

          Gipfel mit Biden und Putin : Monologe zum Dialog

          Joe Biden und Wladimir Putin finden einige freundliche Worte füreinander. Inhaltlich aber gibt es in Genf keine Annäherung. Jetzt sollen Arbeitsgruppen weitersehen.
          Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank Fed

          US-Notenbank : Fed hält trotz Inflationssorgen am Niedrigzins fest

          Die amerikanische Notenbank hat ihre sehr lockere Geldpolitik bestätigt. Der Leitzins bleibe in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings rechnet die Fed für das Jahr 2023 mit einer ersten Anhebung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.