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Sky-Chef Brian Sullivan : Wissen Sie, wie viele Fernsehserien in Amerika floppen?

  • Aktualisiert am

Glauben Sie, die europäischen Sender und Produzenten kriegen je Serien wie die Amerikaner, wie HBO, hin?

Ich denke, das deutsche Fernsehen ist großartig und macht sich ab und zu ein wenig zu klein. Das amerikanische Fernsehen war sehr lange bei weitem nicht so gut wie heute. Erinnern Sie sich doch bitte an die Zeiten von „Denver“ und „Dallas“. Wir haben erst seit rund zehn Jahren Erfolgsserien wie „CSI“, „NCIS“ oder „Law & Order“. Und wer hatte schon ein Jahrzehnt vorher eine weltweit einzigartige Qualitätsreihe, die auch noch dazu die meisten Zuschauer findet? Die ARD mit dem „Tatort“.

Sie haben Verträge mit dem amerikanischen Qualitätssender HBO, die Ihnen alle dessen Stücke sichern. Ohne die kommen Sie nicht aus.

Wir haben den Vertrag für den Rest des Jahrzehnts verlängert - bis 2020. Daran können Sie erkennen, welchen Wert wir auf die Zusammenarbeit legen.

Das zeugt von großem Vertrauen oder - großer Abhängigkeit. Was machen Sie, wenn HBO mal richtig abschmiert?

Es wird auch einmal etwas schiefgehen. Wenn Sie die HBO-Leute fragen, werden sie Ihnen sagen: Aber klar, das passiert. Wissen Sie, wie viele Serien in Amerika floppen? 83 Prozent! Aber ich kenne keinen anderen Produzenten, der so konstant so hochklassiges Fernsehen produziert wie HBO.

83 Prozent? Dann sehen wir nur die restlichen siebzehn.

Fernsehen zu machen sieht leicht aus - wenn es denn gelingt. Ist es aber nicht. Aber wenn wir auf die Erfolgsgeschichte von HBO blicken, zeigt sich: Einen besseren Partner für Filme und Serien gibt es für uns nicht.

Wie wichtig ist für Sky der Sport, ist der Fußball, ist, dass der FC Bayern alle Endspiele gewinnt?

Welche Meisterschaft gewinnen die nicht? Deutscher Meister, Pokalsieger, davor die Champions League.

Schon, aber der Fußball ist unfassbar teuer. 485 Millionen Euro zahlen Sie pro Jahr. Zahlt sich das aus?

Ja, es rentiert sich. Fußball gehört zu unserer DNA und ist wichtig für uns, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Investitionen ausgeglichen bleiben, damit wir unsere Partnerschaft auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen können. Aktuell haben wir eine gute Balance zwischen Fußball, anderen Sportarten, Filmen und unserem Serienangebot.

Als Sie 2010 nach Deutschland gekommen sind, dürften Sie gewusst haben, dass sich Ihre Vorgänger die Zähne daran ausgebissen haben, den Deutschen Pay TV nahezubringen.

Ich habe mich vorher lieber nicht so genau informiert (lacht). Fünfzehn Jahre lang habe ich mich um den britischen Markt gekümmert. Als ich hierherkam, war das schon eine Art Blind Date. Aber es klang einfach spannend.

Was macht Sky heute anders als noch vor ein paar Jahren?

Wir haben die Ansprache an unsere Kunden verbessert. Zuerst hat niemand geglaubt, dass wir je drei Millionen Abonnenten haben würden.

Jetzt sind es fast vier Millionen.

Wir sind auf gutem Wege dorthin. Gestern erlebten wir einen historischen Moment in der Sky-Geschichte. Wir haben zum ersten Mal ein positives Nettoergebnis verkündet. Ohne Zweifel, ein gutes Gefühl. Zu Ihrer Frage: Früher hatte Sky zu wenig Raum, eine zu geringe finanzielle Basis und zu wenig Ressourcen. Das haben wir geändert, wir haben viel investiert, wir haben unsere Kundencenter aufgemöbelt, wir haben in mobile Dienste investiert und - um auf das Entscheidende hinzuweisen: Wir haben ein Programm, für das die Kunden gerne etwas bezahlen. Und, noch etwas: Wir haben die nötige Zeit. Trödeln dürfen wir natürlich nicht. Den jetzigen Stand haben wir übrigens mit dem Team erreicht, das schon da war, bevor ich anfing. Wir haben einfach unsere Kräfte freigesetzt. Man muss sich eben auf den stetigen Wandel einstellen. Nur wer den Wandel begrüßt, kann erfolgreich sein. Wer ihn ignoriert oder bekämpft, geht unter. Das gilt nicht nur für uns, sondern selbstverständlich für alle Branchen und Industrien, die der digitale Wandel herausfordert.

Davon kann die Presse ein Lied singen.

Stimmt wohl. Aber ich sage Ihnen eines, auch angesichts der Herausforderungen durch die Spielregeln der digitalen Ökonomie: Wenn ich noch einmal am Anfang meiner Karriere stünde, würde ich Lehrer oder Journalist werden wollen.

Sollte das eine Schmeichelei sein?

Von wegen. Wer will sich eine Welt vorstellen, in der unsere Kinder ohne unabhängigen Journalismus aufwachsen? Ich nicht.

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„Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

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