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Sender GBNews gestartet : Britischer Senderstolz

Sein neuer Sender bekommt Aufmerksamkeit reichlich: Andrew Neil von GB News. Bild: dpa

In Großbritannien ist der Sender GBNews gestartet. Er versteht sich als konservatives Gegenstück zur BBC und will gegen die Eliten Stellung beziehen. Wie sieht das aus?

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          „Der Name gibt das Stichwort“, verriet Andrew Neil am Sonntagabend beim Start des neuen, konservativen, kommerziellen Nachrichtensenders GB News, der sich wie Boris Johnson und die Brexit-Kampagne betont gegen die großstädtische Elite stemmt. Mit dem ersten von mehreren Hieben gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber BBC erklärte Neil, Vorsitzender von GB News, in einer Art Ansprache an die Nation, der Sender wisse, wofür das „B“ in seinem Namen stehe. Damit gesellte sich der ehemalige Adlatus von Rupert Murdoch und jetzige Chairman der konservativen Wochenzeitschrift Spectator zu den Kritikern der BBC, die behaupten, der abgekürzte Name der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt bedeute „Biased Broadcasting Corporation“ – „Voreingenommene Rundfunkanstalt“.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Neils Hinweis auf die Aussagekraft des Buchstabens B war überflüssig. Das dem Union Jack entlehnte Logo und die ständige Präsenz der Nationalfarben Rot, Blau, Weiß unterstreichen die Botschaft, dass dieses neue Unterfangen im Gegensatz zu der als defätistisch empfundenen BBC „stolz ist, britisch zu sein“. Eine Stunde lang stellte Neil das Konzept und die wichtigsten Moderatoren vor, die der täglich von sechs Uhr morgens bis Mitternacht sendende Kanal unter anderem von der BBC, vom Nachrichtenanbieter ITN, bei der Presse sowie von Sky News abgeworben hat, an dessen Start vor fünfunddreißig Jahren Neil, damals noch Chefredakteur von Murdochs Sunday Times, ebenfalls mitwirkte. GB News wolle kein weiterer „Echoraum der hauptstädtischen Mentalität“ sein, die bereits große Teile der Medien beherrsche, sondern den vorherrschenden Diskurs mit „Charakter, Flair, Gesinnung und Meinung“ kritisch hinterfragen. Der Sender richte sich an diejenigen in den abgehängten Regionen jenseits der „Medienblase von Westminster“, deren Anliegen übersehen würden. „Wir stehen ungeniert auf der Seite der Ungehörten“, proklamierte die Unternehmerin Michelle Dewberry, einst Siegerin der Reality-Show „The Apprentice“ und Kandidatin für die Brexit-Partei bei der Parlamentswahl von 2017. Nun gehört sie zu den Gesichtern von GB News, die, so Neil, sich der Anliegen der allgemeinen Bevölkerung annähmen, nicht der hochnäsigen Elite, der Privilegierten oder „ahistorischer Studenten in Oxford“.

          „Wokeness“ und „Cancel Culture“ stehen ganz oben auf der GB-News-Agenda. Die Teilnehmer der von dem ehemaligen Sun-Kolumnisten Dan Wootton moderierten Abendsendung werden täglich aufgefordert, einen Nationaldeppen zu nominierten. In der ersten Sendung fiel die fragwürdige Ehre der Labour-Politikerin Angela Rayner für einen Tweet zu, in dem sie die Fußballfans des Rassismus bezichtigte, die gebuht hatten, als die britische Nationalmannschaft in symbolischer Solidarität mit der Black-Lives-Matter-Bewegung kniete.

          Umfragen haben ermittelt, dass besonders jetzt, da die BBC unter Beschuss steht, eine weniger linkslastige Fernsehberichterstattung gefragt sei. Rupert Murdoch hegte ebenfalls Pläne für einen neuen Sender. Eine Zeit lang soll er sogar mit dem Gedanken gespielt haben, sich an GB News zu beteiligen. Doch kam der britische Arm seines Konzerns zu dem Schluss, ein linearer Nachrichtenkanal sei nicht rentabel. Das Startkapital von GB News von sechzig Millionen Pfund kommt weitgehend von dem amerikanischen Medienunternehmen Discovery, von der in Dubai ansässigen Investitionsfirma Legatum und dem Kapitalanleger Paul Marshall, der auch die Brexit-Kampagne unterstützt hat. Die jährlichen Kosten des durch Werbung finanzierten Sendern werden auf 25 Millionen Pfund veranschlagt. Neil legt Wert auf die Feststellung, dass GB News keine Neuauflage von Murdochs oft der Verbreitung von Fake News beschuldigtem Sender Fox News sei. Die 140 Mitarbeiter hätten sich vertraglich verpflichten müssen, die höchsten journalistischen Maßstäbe aufrechtzuerhalten.

          Der Ticker meldet unten am Bildschirm neueste Entwicklungen, doch versteht sich GB News nicht als Nonstop-Nachrichtensender. Der Kanal liefert eher eine Nonstop-Talkshow im Boulevardstil. Beim durch technische Mängel beeinträchtigten Debüt erreichte der Sender 164 000 Zuschauer, 107 000 mehr als Sky News und 32 000 mehr als BBC News. Noch ist es zu früh, zu sagen, ob die BBC den Tag bereuen wird, an dem sie mit Andrew Neil einen ihrer besten Moderatoren verlor. Der populistische Ton von GB News indes macht bewusst, was man an der BBC hat.

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