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„4 Blocks“-Star im Porträt : Der Selbstgemachte

Begann auf einer kleinen Bühne im Norden Syriens: der Schauspieler Moussa Sullaiman. Bild: Khalil Suleiman

In der Serie „4 Blocks“ gab Moussa Sullaiman den ruchlosen Clanchef Halim Karami, nun will er wissen, wohin er es als Schauspieler noch bringen kann. Wer ist dieser Spieler und Wanderer?

          9 Min.

          Er braucht nicht viele Worte. In der Fernsehserie „4 Blocks“, die den Kampf des Clanchefs Toni Hamadi (Kida Khodr Ramadan) für ein normales Leben in Deutschland und gegen die Konsequenzen seiner Taten beschreibt, ist Moussa Sullaimans Part eine Nebenrolle. Aber eine entscheidende. Von ihr geht in der zweiten und dritten Staffel der deutsch-libanesischen Familiensaga alles Übel aus: Halim Karami ist hier, was für die amerikanisch-italienische Mafia die Bosse aus dem „alten Land“ sind. Auf dem Bildschirm ist sein Gesicht Stein und der befehlende Blick ebenso hart. Karami lässt unliebsame Statthalter mit einer Garotte entfernen und beschäftigt einen Leibwächterriesen, der ihm das weiße Jackett nur über die Schultern legt. Er opfert Menschenleben wie Schachfiguren. Im Leben von Moussa Sullaiman hingegen war der nächste Zug selten klar. Begonnen hat alles auf einer kleinen Festbühne im Norden Syriens.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Treffen im Omonia („täglich von 8 bis 5 Uhr“), gleich am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Dunkles Holz, Backstein, Mamorimitat, Glücksspielautomaten. Der Kellner trägt Weste. Publikum: Pendler, Gestrandete, Stammgäste und solche, die in den Google-Rezensionen später schreiben, „wurde zwar um 4 Uhr morgens von den Bullen abgeführt, aber lustig war`s“. Sullaiman steht in Lederjacke und Wollpulli lächelnd an der Tür, hält sie auf und hebt den Arm in einer einladenden Geste. Hinsetzen im hinteren Teil des Bistros, zweimal Kaffee.

          Die Augen des Mannes mit den nach hinten gekämmten, schwarzen schulterlangen Haaren, die sich am Hinterkopf lichten, blicken gelassen und verraten wenig über seine Gefühle, wenn er spricht. Nur wenn er konzentriert nach Worten sucht, schnippt er manchmal hektisch mit dem Finger.

          „Wahrscheinlich werden wir dich nicht aufnehmen“

          Sullaiman stammt aus Qamischli im Norden Syriens – jenem nun quasi autonomen Teil, den die Kurden Rojava (Westkurdistan) nennen. Er ist einer jener Schauspieler, die in jüngster Zeit ein diverseres Bild der in Deutschland beheimateten Migrantenfamilien auf den Schirm bringen. Es gab Zeiten, da lastete die unmögliche Repräsentation eines ganzen Bevölkerungsteils in Fernsehdeutschland auf wenigen Schultern: Tayfun Bademsoy, Hilmi Sözer und etwas später Erdogan Atalay. Moussa Sullaiman ist noch nicht so sichtbar wie sein Kollege Kida Khodr Ramadan. Doch ebendas soll sich ja für ihn und andere Schauspieler endlich ändern. Seine Rolle als Karami und überhaupt die Arbeit als Schauspieler, sagt Sullaiman, habe er bisher ohne Agentur bestritten. Wenn er Agenturen kontaktiert habe, sei es oft so gelaufen: „Wahrscheinlich werden wir dich nicht aufnehmen, aber schreib’ doch ’ne Mail.“ Agenturen seien an deutschen Schauspielern interessiert.

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