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Schlachtensimulator „TABS“ : Willkür mit Walküren

Da muss Odin ein Auge zudrücken: Im Kampf gegen die koboldnasigen Bergmönche haben Walküren das Nachsehen. Bild: Landfall

Der simuliert doch nur: Was man mit dem unernsten, aber „total akkuraten Schlachtensimulator“ TABS so alles anstellen kann.

          Es gab eine Zeit, da konnte die Antwort auf die Frage, ob ein Skorpion gegen eine Vogelspinne (welcher Art, war in beiden Fällen egal) im Kampf Tier gegen Tier gewinnt, eine Freundschaft stark belasten. Löwe und Krokodil waren ebenso heißdiskutierte Sparringspartner. Nur bei Weißer Hai versus Löwe waren sich alle bald einig. Später änderten sich die Kontrahenten, je nachdem, welches „Was-ist-was“-Buch man gerade in der Grundschulbücherei studiert hatte. Ganz egal, ob Wikinger gegen Cowboy, Ritter gegen Samurai – es folgten hitzige Debatten, deren Kern-Argumentation zumeist auf „kann er gar nicht“ contra „kann er wohl“ beruhte. Fernseh-Formate wie „Galileo“, „Welt der Wunder“ oder „Myth-Busters“ haben ganze Sendungen mit solchen Szenarien bestritten; und auch die Filmindustrie („Cowboys versus Aliens“) sowie die Literatur („Robots vs. Fairies“) scheuen diese bildträchtigen Unwahrscheinlichkeiten nicht.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Entwickler des schwedischen „Landfall“-Studios hatten vermutlich mit ähnlichen Schwierigkeiten bei der Lösung solcher kriegsentscheidenden Fragen zu kämpfen und haben deshalb den „Totally Accurate Battlesimulator“ (TABS) erfunden, einen Schlachtensimulator also, mit bestechender Physik und dem Anspruch auf höchste Ergebnisgenauigkeit. Auf dass auch der Streit über Kämpfe zwischen Kontrahenten, die sich (bisher) nie begegnet sind, oder kontrovers diskutierte Siege in epischen Schlachten abermals am Computer und ohne jedes Blutvergießen entschieden werden können. Man wählt die gewünschten Einheiten aus, stellt sie auf, drückt Start, lehnt sich zurück und lässt den Rechner den Rest so „genau“ wie „anschaulich“, nun ja, berechnen.

          Hier kann Zeus gegen die magische Vogelscheuche antreten

          Es lassen sich in TABS zwar bis jetzt keine Tiere gegenüberstellen (mit Ausnahme eines bemalten Mammuts, Schlangenbogenschützen, eines Minotaurus und den Krähen einer besessenen Vogelscheuche), dafür mehr oder minder realistische Einheiten aus den nur lose zusammenhängenden Kategorien „Stammeszeitalter“, „Antike“, „Mittelalter“, „Wikinger“, „Bauern“ und „Dynasty“ (womit eine krude Mischung aus asiatischen Elementen vom „Ninja“ bis zum „Affenkönig“ gemeint ist).

          Als Fraktionen stehen sich wie in den Manövern der Bundeswehr stets Rotland und Blauland gegenüber. Danach muss man sich entscheiden, ob man im Kampagnen-Modus seine Armee in vorgegebenen Szenarien aufstellt, im „Sandbox“-

          Modus eigene Kämpfe entwirft oder historische Schlachten nachstellt. So erfreulich wie bereichernd: Hier kommen auch die übernatürlichen Akteure zum Zuge, kann Zeus gegen die magische Vogelscheuche antreten oder ein Knochenschamane gegen eine Walküre.

          In ersten Tests – wir achten bei jedem Test auf die Balance des jeweiligen Punktwertes der Einheiten auf beiden Seiten – haben wir Götter und göttliche Wesen den Vortritt gelassen, weil diese am längsten dabei sind und diese hypothetischen Kämpfe weniger ideologisch aufgeladen sind. Ergebnis: Zeus (2000 Punkte) verliert in drei von drei Versuchen gegen vier Walküren (je 500 Punkte). Der „Affenkönig“ (2000 Punkte) gewinnt immerhin eine von drei Partien gegen die Lufthoheiten, während die tribalistischen Knochenschamanen (sieben zu je 300 Punkten) nicht den Hauch einer Chance haben.

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