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Der Schauspieler Frank Giering ist tot : Allein mit sich selbst

  • -Aktualisiert am

Er war ein Mann, der mit dem Leben haderte und an seinen schauspielerischen Qualitäten zweifelte. Doch die waren unbestritten groß. Frank Giering, der einsame Melancholiker unter den deutschen Schauspielern, ist im Alter von 38 Jahren gestorben.

          So viel Einsamkeit hat selten jemand ausgestrahlt. Frank Giering hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er mit dem Leben haderte. Leid, gekränkter Stolz und eine gewisse Lebensuntüchtigkeit haben den Magdeburger, der als Harry Weber in der ZDF-Serie „Der Kriminalist“ einem größeren Publikum bekannt wurde, verzweifeln lassen.

          Als „Fossil“, als „DDR-Überbleibsel“, das aus der Zeit gefallen sei, hat sich Giering noch Anfang dieses Jahres bezeichnet und mit gewisser Koketterie bekannt, das er weder mit dem Computer noch mit dem iPhone etwas anfangen wisse. Er fuhr auch nicht Auto. Er könne und wolle nur eines – schauspielern. Das vermochte der leidenschaftliche Schachstratege in einer Intensität und einem Maß, das es Kollegen immer wieder Bewunderung abnötigte. Gipfelnd in dem, was der junge Robert Stadlober sagte, nachdem der einen Filmpreis erhalten hatte: „Eigentlich möchte ich so spielen können wie Frank Giering. Giering ist Gott.“

          Existentielle Sehnsucht

          Das Talent des Schauspielers blühte verborgen am Staatstheater Cottbus, bis er in Michael Hanekes „Funny Games“ den Psychopathen gab und darauf die Titelrolle des Andreas Baader in dem Film von Christopher Roth. Die Doppelbödigkeit, das Abgründige dieser Figuren war bei Giering gut aufgehoben. Für das ZDF spielte er an der Seite von Christian Berkel bis zuletzt in der Serie „Der Kriminalist“ einen in sich gekehrten Ermittler. Diese Rolle in der zweiten Reihe hatte Giering dankbar angenommen – auch weil er stets an seinen Qualitäten zweifelte. Selbstbewusst genug war er, die Schauspielschule in Potsdam zu verlassen, „weil ich nicht verstand, warum man sich immer wieder wie in der Psychiatrie fühlt.“ Über Alkoholsucht, Entzug und seinen ungestillten Lebenshunger sprach Giering Journalisten gegenüber ganz offen und ungeschützt. In Berlin-Charlottenburg besaß er eine kleine Wohnung, spartanisch eingerichtet, wie eine Zelle. „Oft starre ich das Telefon den ganzen Tag an und frage mich, warum niemand anruft,“ sagte er einmal.

          Viele Schauspieler ergreifen den Beruf, um geliebt zu werden. Für Frank Giering war die unerfüllte Sehnsucht nach Liebe eine existenzielle Frage. Davon zeugen seine Auftritte. Es sind wenige, aber jeder einzelne hakt sich in die Erinnerung. Die Dreharbeiten zu „Der Kriminalist“ müssen nun angehalten werden. Mittendrin.

          Frank Giering starb am Mittwoch im Alter von 38 Jahren in Berlin. Seine Agentur teilte mit, er sei nach bisherigen Erkenntnissen einem Herzversagen erlegen. „Sein Tod macht mich ratlos und traurig“, sagte der Schauspieler Christian Berkel, der mit Giering in der Serie „Der Kriminalist“ spielte, im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung. „Ich habe einen wunderbaren Menschen, einen Freund verloren.“

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