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„Der Richter“ im Ersten : Er rettet sich aus dem Schatten seines Vaters

  • -Aktualisiert am

Unter Druck: Strafverteidiger Hank Palmer (Robert Downey Jr.) hegt gemischte Gefühle für seinen Vater, den angesehenen Richter Joseph Palmer (Robert Duvall). Bild: ARD Degeto/Warner Bros. 2014

Nach einem Verkehrsunfall des Vaters und angesehenen Richters wird Sohn Hank zu seinem Strafverteidiger: Daraus entspinnt sich in „Der Richter“ ein Gerichts- und Familiendrama.

          Der amerikanische Schauspieler Robert Duvall – berühmt durch seine Rolle als Mafia-Anwalt Tom Hagen in der Trilogie „Der Pate“ und den Satz, den er als kriegsverdorbener Surf-Enthusiast Lieutenant Colonel Bill Kilgore in „Apokalypse Now“ sagt („Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen“) – wurde bislang siebenmal für den Oscar nominiert. Ausgezeichnet wurde er schließlich für die beste Hauptrolle im Countrysänger-Drama „Comeback der Liebe“. Die letzte Oscar-Nominierung stammt aus dem Jahr 2015. Duvall verdankte sie dem Vater-Sohn-Drama „Der Richter“. Doch abgesehen von Robert Duvall gibt es nicht sehr viel, das diesen Film unter der Regie von David Dobkin wirklich zusammenhält.

          Duvall spielt den Richter Joseph Palmer, der nach einer Autofahrt, deren Umstände eine Weile im Dunkeln liegen, des Mordes an einem Fußgänger bezichtigt wird. (Familien-)Glück im Unglück: Palmer kommt darüber seinem Sohn, einem Anwalt (Robert Downey Junior), näher. Denn dieser übernimmt den Fall trotz oder gerade wegen der schwierigen Beziehung zum eigenwilligen Vater.

          Doch erst mal macht der Film unmissverständlich klar, dass dieser Anwalt und Sohn, Hank Palmer, ein ausgesprochen unsympathischer Typ ist. Das tut er natürlich, um diese Behauptung bald effektvoll widerlegen zu können: Zu Beginn erfährt der aufgeblasene Star-Anwalt mit dem Selbstbewusstsein eines Rockstars und den obligatorischen Eheproblemen just während einer Gerichtsverhandlung vom Tod seiner Mutter in Indiana. Er bricht die Verhandlung ab, packt seine Koffer und reist in die Provinz, wo er seine beiden Brüder und seinen Vater trifft.

          Viel Zeit für Heimatbilder

          Nun darf die Kamera (Janusz Kaminski) in Rückkehr-in-die-Heimat-Bildern schwelgen und grüne, bis zum Horizont reichende Felder, zeigen. Dann die Kleinstadt Carlinville mit Jeeps, Diner und einem reißenden Fluss. Der Blick auf die amerikanische Flagge charakterisiert das Städtchen als aufrecht-patriotischen Fleck.

          Darin steht „eine der letzten großen Kathedralen in diesem Land“. So theatralisch betitelt Hanks Vater Joseph das örtliche Gerichtsgebäude, in dem er seit 42 Jahren Recht spricht. Und dies tut er nach ehernen Prinzipien: hart und gerecht. Palmers amtsgerichtstaugliche Eigenart, die Verurteilten nicht ohne Standpauke zu entlassen, hat ihm in 42 Amtsjahren, 17 Mordfällen, 434 Fällen von Körperverletzung und über 12000 zivilrechtlichen Prozessen den Respekt der rechtschaffenen Bürger von Carlinville eingebracht – allerdings auch die Missgunst derjenigen, die er verurteilt hat. Das bekommen die drei Söhne des Richters, der aus der Großstadt herbeigeeilte Hank, der seine Jugend samt Metallica-Shirt, Rennrad und Amouren beinahe vergessen hat, sein Bruder Glen (Vincent D’Onofrio) und der geistig etwas hinterherstolpernde Dale (Jeremy Strong) am Abend nach der Beerdigung der Mutter in der Kneipe deutlich zu spüren. Doch bald sitzt der Richter selbst auf der Anklagebank. So rollen die Sheriffs in Palmers Trauerhaus an, und in der „Kathedrale“ wechselt der Richter die Seite.

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          Zu einem wirklich packenden Gerichtsdrama wird der Film nicht. Im Mittelpunkt der Produktion, die in den Zeichnungen der Figuren oft zu beliebig bleibt, steht die herzergreifende, bis in die Teenager-Zeiten zurückreichende Geschichte des Zerwürfnisses zwischen Vater und Sohn. Sie harrt einer erlösenden Aussprache und Liebeserklärung. Solche Liebeserklärungen sind in den späten Jahren, in denen Eltern sterbenskrank werden und hilfebedürftig, Zeiten, in denen auch die Söhne schon längst wieder Väter geworden sind, Dinge, die keinem wirklich leicht über die Lippen gehen. Doch die irritierend leicht aufgelöste Szene, in der Hank seinem leidenden Vater auf die Beine hilft, dürfte eine von jenen Szenen sein, die Robert Duvall die Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller des Jahres 2015 eingebracht haben. Der Oscar ging trotzdem nicht an ihn, sondern an Jonathan Kimble Simmons, der als Bandleader in „Whiplash“ groß aufgespielt hatte.

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