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Der Retter von „Germany’s Next Topmodel“ : Gebt Wolfgang Joop eine eigene Show!

  • -Aktualisiert am

Wie sieht die denn aus?. Der daneben ist Wolfgang Joop Bild: ProSieben

Wer hätte das gedacht? Im Designer und Modemacher Wolfgang Joop steckt ein Entertainer, ein gewitzter, anständiger, überlegter. Seinetwegen lässt sich „Germany’s Next Topmodel“ wieder anschauen. Das ruft nach höheren Aufgaben.

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          Seit vier Wochen sitzt Wolfgang Joop neben Heidi Klum und Thomas Hayo in der Jury von „Germany’s Next Topmodel“, der Castingshow auf Pro Sieben, die eigentlich - so dachte man - eingestampft gehörte. Die letzten beiden Staffeln waren Flops, die Einschaltquoten sanken stetig, die Show war berechenbar und langweilig geworden, eine Abfolge inszenierter Konflikte: Heidi Klum denunzierte die Mädchen vor laufender Kamera, Thomas Hayo tröstete danach cool und träge die heulende Bande, und der ständig wechselnde Dritte im Bunde kam sowieso nie zu Wort.

          Zur neuen Staffel, die Anfang Februar begann, wurde dann der Designer Wolfgang Joop eingewechselt, deutscher Modeschöpfer, Chef des Labels „Wunderkind“. Und man fragte sich: Warum gibt sich jemand wie der für so etwas her? Drei Folgen später fragt man sich nur noch, warum er nicht häufiger, mehr, immer im Fernsehen zu sehen ist. Wolfgang Joop, neunundsechzig Jahre alt, ist wie geschaffen fürs Fernsehen und für diese Sendung.

          Im Grunde hebelte er erst mal sämtliche Vorurteile aus, die man hätte haben können: Joop erhebt sich nicht über seine Kollegen Klum und Hayo, er spielt mit. Aber vor allem schöpft er aus seiner Lebenserfahrung und instruiert sensibel, fast weichherzig die angehenden Models, um ihnen dann aber im nächsten Augenblick schon auch zu sagen, wo vorne ist.

          Er guckt hin, hört zu, verweilt in den Gesichtern der Mädchen

          In seiner Rolle als Juror agiert er wie eine Art Puppenspieler. Wie jemand, der es versteht, im richtigen Moment die richtigen Fäden zu bedienen, damit der Arm endlich aufhört, ungelenk am Körper zu hängen, oder die langen Beine die großen Schritte gehen können, für die sie gemacht sind. Und während man Joop so beobachtet, erinnert man sich plötzlich an ein früheres Ereignis: Damals, als er mit dem Sänger Bill Kaulitz (von Tokio Hotel) für Arte durch die Nacht von Paris streifte, war man auch schon überrascht - über ihn und sein Interesse an dem viel, viel, viel jüngeren Kaulitz, seine Fragen und die Wachsamkeit.

          „Great face!““ sagte Joop (Zweiter von rechts) zum siebzehnjährigen Nachwuchsmodel Anna (rechts). Wir glauben es ihm.

          Und auch jetzt kritisiert Joop nicht einfach, sondern gibt eher kluge Ratschläge. Er guckt hin, hört zu, verweilt in den Gesichtern der Mädchen. Wo Heidi Klum grell und reißerisch ist, erhellt Joop vor allem mit Gediegenheit.

          Zu Beginn des Castings hatte er einige Mädchen mit schnellen Strichen porträtiert - und in ebensolcher Sekundenschnelle ihre Charakteristika erfasst. Das war nicht nur blitzschnell, sondern auch blitzgescheit. „Beschaffungsintelligenz“ nennt er das, fix das Wesentliche vom Unwichtigen trennen. So redet er ständig. Er redet geschliffen und direkt wie die wirklich guten Kritiker. Die neuen hellrot-goldenen Haare der Kandidatin Samantha beschrieb er als etwas Giftiges, das sie vom Braven befreit. Das ist schon fast so was wie Poesie. Er ist aber kein Snob.

          Ach, dieser strahlend blaue Leinenanzug!

          Wolfgang Joop hat „Germany’s Next Topmodel“ zur Ernsthaftigkeit verholfen - auch, weil er der erste und bisher einzige Juror in der Geschichte der Casting-Sendung ist, der offenbar wirklich weiß, wie das Modegeschäft funktioniert. Und nicht nur das: Wenn Heidi Klum und Thomas Hayo sich fragen, warum Joop während der Sendung so oft seine Kleider wechselt, dann offenbaren sie dem Zuschauer, dass sie da wohl etwas ganz Grundsätzliches nicht verstanden haben. Für Joop ist Mode eine Haltung zum Leben. Wie er da neulich saß, gebrochen-geschmackvoll, unter der Sonne von Los Angeles, in diesem strahlend blauen Leinenanzug!

          Jahrelang gab es da offenbar ein unbemerktes Fernseh-Wunderkind, das uns wieder einschalten lässt zu Sendungen, die uns das Fremdschämen und den abtrünnigen Voyeurismus beigebracht haben. Da trifft plötzlich deutscher Scharfsinn auf amerikanische Übertriebenheit und beweist, was wir schon lange nicht mehr glauben wollten: Dass deutsches Fernsehen doch noch charmant und lustig und da und wach und toll sein kann.

          In Joop steckt ein Entertainer, ein gewitzter, anständiger, überlegter. Er ist in der Lage, ein angenehmes Gefühl mit sich selbst zu entwickeln: Das ist sein Geheimnis. „Mit allen Dingen, die ich tue“, hat er einmal gesagt, „versuche ich, das Glück so zu unterhalten, dass es einen Moment länger bleibt.“ Erst mal hat er die anderthalb Stunden von „Germany’s Next Topmodel“ von ihrer zynischen Leere und ihrer Gehässigkeit befreit, so gut es geht.

          Und er hat sogar Heidi Klum ein bisschen weicher gemacht (wobei die Frage ist, wie lange die sich eine solche Konkurrenz noch gefallen lässt). Der Verlierer ist Thomas Hayo, von dem man gern wüsste, was er eigentlich außerhalb der Show so treibt. Bei Joop wiederum macht es auch nichts, wenn er mal nicht dabei ist, wie in der Folge vom vergangenen Donnerstag. Er hat ja sicher auch noch andere Sachen zu tun - malen, entwerfen, anziehen. Denken.

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