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Corona und die Kreativen : Der Rest ist Schweigen

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Und da saßen sie, weit auseinander, wie es der Virenschutz gebietet: Markus Lanz und seine Gäste am vergangenen Mittwoch. Bild: ZDF

Was dürfen wir hoffen, als Kreative, die in der Corona-Krise um ihre Existenz bangen? Kurz vor Ostern glaubte ich fast, die Lage verbessere sich. Aber dann. Ein Gastbeitrag.

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          Vor ziemlich genau zwanzig Jahren habe ich einen reißerischen Thriller über den Ausbruch einer Seuche in einer deutschen Großstadt gedreht, Köln. – Die Behörden reagierten schnell und riegelten ab. – Vor zwei Monaten, Ende Januar dieses Jahres, war ich in China und erlebte genau das, was zwar schon vor zwanzig Jahren in den Seuchen-Präventionsplänen deutscher Gesundheitsämter vorgesehen, aber eigentlich unvorstellbar war: Eine Millionenstadt wurde abgeriegelt, Ausgangssperren verhängt. – In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durfte ich ihnen davon berichten: etwas larmoyant, ein staunender Berichterstatter, der durchaus fasziniert durch einen Themenpark der Leere fuhr. Ich war nur Besucher, die Darsteller waren die Bürger von Peking, von Schanghai. Dass uns die Seuche einholen würde, war mir klar. Aber wie sie uns träfe, mit welcher Wucht, mit Symptomen, die nichts mit den in Wuhan beschriebenen zu tun hatten, überstieg meine Phantasie.

          Mittwoch, 8. April, mein 18. Tag in Quarantäne: Wieder ein sonniger Tag. Ich bin ausgeschlafen, bestens gelaunt. Heute werde ich ein Drehbuch abschließen, einen Post-Corona-„Tatort“, in dem nicht einmal das Wort „Virus“ fällt, aber die Menschen das, was wir alle jetzt erleben, hinter sich haben. Es geht um Schuld, das Nicht-Annehmen von Schuld. „There are things that have to be forgotten if you want to go on living“ schrieb der großartige Jim Thompson als Prämisse vor seinen Roman The Killer Inside Me.

          Ich gehe zum Bäcker, immer zum gleichen seit drei Wochen, mit immer der gleichen Bestellung: vier Paarweck, zwei Croissants. Unsere Kinder (19 und 23) sind da, haben Unterschlupf gesucht in Seuchenzeiten. Ich genieße die Abstandsregeln, es wird „gequeued“, wie an englischen Bushaltestellen, wie hatte ich das immer vermisst, wenn ich aus London zurückkam ins ruppige Deutschland: Kein „Guten Morgen“, nichts. Jetzt steht man allein im Geschäft, ein kurzes, aufmunterndes Wort, Solidarität. Es geht zum Zeitungsstand, drei Euro abgezählt und griffbereit. Noch kurz schauen, ob der dm wieder Klopapier hat. Nein, wieder hat mir jemand das letzte Paket vor der Nase weggekauft, kein Problem! Zur Not hat man die Zeitung. Aber die wird erst mal gelesen!

          Auch der Mathematiker, den er dabei hat, hilft mir nicht

          Die Zahlen gehen zurück. Schon fast haben wir das neue „Kanzlerinnenziel“ erreicht, vierzehn Tage bis zur Verdopplung der Infektionszahlen, Resistenzfaktor gegen „0“ noch nicht ganz. Kurz hineingeschaut in die Pressekonferenz des RKI und diesen Veterinär, der es leitet, wieder nicht verstanden, wie der R-Faktor sich berechnet. Auch der Mathematiker, den er dabei hat, hilft mir nicht. Mein Sohn, Mathematikstudent, erklärt es mir: Es wird die Wahrscheinlichkeit berechnet, dass eine Annahme, die man aufstellt (Ansteckung gegen 0), eintrifft. „Annahme, im Teich sind 100 Fische! Zwei Möglichkeiten: Wasser ablassen, zählen (Nebeneffekt: Fische tot), oder fünf Fische rausziehen, markieren, wieder reinschmeißen, gut durchmischen und immer wieder fünf angeln. Aus der Häufigkeit der markierten (infizierten) Fische, die man jeweils herauszieht, berechnet sich der R-Faktor ... logisch!“

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