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Regisseur Stephen Frears : Das Ganze kommt mir sehr englisch vor

Da gehts lang: Regisseur Stephen Frears (rechts) mit seinem Hauptdarsteller Hugh Grant bei den Dreharbeiten zu „A Very English Scandal“. Bild: Kieron McCarron/BBC/Blueprint Television/Sony

Stephen Frears hat die Serie „A Very English Scandal“ gedreht. In ihr spielt Hugh Grant eine tragische Figur: einen liberalen Politiker, der seine Homosexualität geheim halten wollte. Es kommt zum Skandal. Was sagt uns das heute?

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          Sie haben eine Miniserie mit dem Titel „A Very English Scandal“ mit Hugh Grant und Ben Whishaw gedreht, nach der Buch-Vorlage von John Preston. Es geht um eine wahre Geschichte. Sie handelt von dem englischen Politiker Jeremy Thorpe, der von 1959 bis 1979 für die Liberale Partei Abgeordneter im Unterhaus und knapp zehn Jahre lang Parteivorsitzender war. Thorpe hat all die Zeit mit allen Mitteln und einer gehörigen Portion Doppelmoral versucht, seine Homosexualität vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Zum Skandal kommt es trotzdem. Warum ist das heute interessant?

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Frage haben Sie selbst schon beantwortet. Erst wusste ich nicht, was ich auf eine solche Frage antworten sollte, aber da Sie die Doppelmoral erwähnen: Das ist die Antwort. Es ist eine herrliche Geschichte über Heuchelei. Und urkomisch ist sie dazu.

          Wie kamen Sie zu dem Job?

          Ganz einfach: Ich traf eine Frau zum Abendessen, die für Sony arbeitet, die sich gerade die Filmrechte gesichert hatten. Ich sagte, das würde ich sehr gerne probieren. Und das ist die ganze Geschichte. Sie schickten mir das Buch von Preston und das Skript zur Serie.

          Warum ist das ein „sehr englischer Skandal“ und nicht ein sehr schwedischer, portugiesischer oder deutscher?

          Puh, ich weiß es wirklich nicht. Hat es mit dem Umgang mit Homosexualität zu tun, oder ist es die Art der Heuchelei? Das Ganze kommt mir einfach sehr englisch vor. Die Irrwitzigkeit des Ganzen ist sehr englisch. Ich erinnere mich noch gut an die Geschichte, und zu der Zeit war sie unfassbar grotesk. Reicht Ihnen das?

          Wenn man es sieht, wirkt die Aufmachung sehr englisch. Trotzdem spielt die Serie eindrucksvoll mit englischen Klischees, baut sie auf und bricht sie entzwei.

          Es ist ein Spiel mit der englischen Identität.

          Dazu Hugh Grant, wie man ihn bisher noch nie gesehen hat. In der Serie hat er die Aura eines Weißen Hais, er ist ein Raubtier. Wer hatte die Idee, ihn in der Rolle zu besetzen?

          Das war ich! Sogar noch bevor ich das Skript gelesen hatte. Ich glaube, ich hatte gerade John Prestons Buch gelesen und dachte sofort: „Das muss Hugh spielen.“ Ich sagte ihm: „Hugh, ich habe hier etwas, das wirst du mögen.“ Dann warteten wir gespannt auf das Skript vom großartigen englischen Autor Russell Davies, aber die Idee mit Hugh ist von mir, absolut!

          Und wie kamen Sie auf Hugh Grant, als Sie das Buch über Jeremy Thorpe lasen?

          Hugh ist ein begnadeter Komiker. Er kann auch die lustigen Stellen bewerkstelligen. Außerdem, finde ich, hat er ein sehr komplexes Innenleben. Ich hatte kurz vorher mit ihm zusammengearbeitet und wir kamen wunderbar zurecht. Und: Er ist sehr, sehr englisch. Ich habe nie an jemand anderes gedacht, auf meiner Liste war nur einer: er. Hugh kann gleichzeitig komisch, tragisch und äußerst unheimlich sein.

          Beide Charaktere, Hugh Grant als Thorpe und Ben Whishaw als sein Liebhaber Norman Scott, sind schwer zu mögen und schwer nicht zu mögen. Es gelingt der Serie, die Figuren als sehr vielschichtig auszuweisen. Wer hat eigentlich die meiste Kontrolle über die Figuren – der Autor, Sie, der Regisseur, oder die Schauspieler?

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