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Zum Tod von Hannelore Elsner : Unendliche Liebe

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Im Alter von 76 Jahren verstorben: Die Schauspielerin Hannelore Elsner in ihrer Rolle als Künstlerin Ruth Bild: obs

Sie begeisterte die Menschen um sie herum und strahlte auf eine uneitle Art und Weise grenzenlose Liebe und Ehrlichkeit aus: Der Produzent Nico Hofmann zum Tod von Hannelore Elsner.

          Es sind die wichtigsten Bezugspersonen, die so plötzlich in den letzten Jahren in meinem Leben verschwinden – Bernd Eichinger, Frank Schirrmacher, Götz George und jetzt, ganz plötzlich, Hannelore Elsner. Eines aber haben sie alle gemeinsam: diese große Angstfreiheit, dieses Unbeugsame, Eigenwillige, dieses totale Commitment zu Leben und Beruf, jeden Tag, jede Minute.

          Leben und Privates, Privates und Beruf, das kann man aber alles niemals trennen, hat Hannelore mir einmal nachts um drei in einer Bar in München sehr plausibel erklärt. Wir bereiteten damals, vor 26 Jahren – es war unsere erste Begegnung – die ZDF Verfilmung eines Krimis von Bernhard Schlink mit der wunderbaren Detektivfigur Selb vor, die der große Münchener Schauspieler Martin Benrath spielte. Benrath war von Hannelores Spiel später so berührt, dass er ihr täglich eine rote Rose vor die Hotelzimmertür legte.

          Hannelore konnte Menschen für sich begeistern, es war ihre schnörkellose Direktheit, das Körperliche, das Sinnliche, diese wunderbare Stimme. Hannelore war auf sehr uneitle Weise ehrlich, und zwar auf sehr grundsätzliche Weise immer ehrlich – wenn der Streit einmal eskalierte, nahm sie das Gegenüber einfach in den Arm. Es ging ihr immer um die Sache.

          Es gab keine Mittelwege

          Und diese Grundsätzlichkeit in der Debatte hörte bei Hannelore im Beruflichen nicht auf, sie lebte ihre Beziehungen zu Freunden und Geliebten genauso rigoros, sie war ein durch und durch politischer Mensch. Und es gab grundsätzlich keine Grenzen, keine Limits. Die ganze Welt war Hannelores Bühne, ihre Begeisterung für andere Kulturen, für komplett andere Lebensweisen, als wir sie in durchkommerzialisierten Industrieländern kennen, es gab auch keine Definition von Alter oder Älterwerden (für mich war Hannelore der jüngste Mensch in meinem Umfeld), und nach diesem Credo lebte Hannelore auch die Liebe. Vielleicht war dies das größte Geschenk: diese unendliche Liebe, die sie Menschen entgegenbringen konnte, den Teams, ihren Mitspielern, ihren engen Freunden, den Film- und Theaterprojekten.

          Hannelore Elsner 1972 in Berlin Bilderstrecke

          Die Auswahl von Rollen wurde grundsätzlich moralisch beleuchtet, es gab keine Mittelwege, selbst für eine Schmonzette in Chile, zu der ich sie lange überreden musste, gab sie nur die Zusage, wenn weitere Texte von Pablo Neruda ins Drehbuch eingebaut würden und der ganze politische Kontext ihrer Figur recherchiert würde. So geschah es denn auch.

          All das wird es nie wieder geben

          Wie aber Privates und Berufliches, Rolle und Haltung, der ganze Mensch Hannelore Elsner mit all den Verwundungen, den großen Einsamkeiten, die ein so radikal liebender Mensch erfahren musste, wie all das in Hannelores Spiel mit einfloss, diese Blicke, diese Zärtlichkeit.

          All das wird es nie wieder geben. Wenige Menschen wissen, dass Sohn Dominik das eigentliche Kraft- und Liebeszentrum dieser großen Schauspielerin war: Hannelore war die Löwenmutter, die das Erwachsenwerden ihres Sohnes in einer offenen, abgrundtief verlässlichen Hingabe förderte und schützte, wie ich es bei keinem anderen Menschen erlebt habe. Bei allen Männern und Liebschaften, die kamen und gingen, ihr Sohn war das Zentrum ihrer Kraft, ihrer Hingabe. Zu sehen, wie Dominik heute als erfolgreicher Fotograf arbeitet, sein großartiges Wesen, dass er einer Mutter verdankt, die für ihn wie für niemanden anderen gekämpft hat, das mag das versöhnliche Bild sein, mit dem Hannelore am Wochenende, für alle ihre Freunde viel zu früh, eingeschlafen ist. Ihre große Kraft, ihre ganz wunderbare Anarchie, diese Hymne aufs Leben, das wird für uns bleiben.

          Nico Hofmann ist Regisseur und Produzent. Er ist Vorstandsvorsitzender der Ufa-Gruppe. Mit Hannelore Elsner drehte er unter anderem „Der Tod kam als Freund“, „Ein Herz in Chile“ und „Ende der Saison“.

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