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„Der Postillon“ geht ins Fernsehen : Mitternachtsspitzen im NDR

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Traditionell im Erscheinungsbild, multimedial im Einsatz: Blick auf die Website des „Postillon“ Bild: Archiv

Der Nachrichtensatire „Der Postillon“ sind im Internet schon einige hübsche Coups gelungen. Der NDR gibt ihr jetzt eine neue Bühne, im Fernsehen und im Radio.

          Einen kurzen Moment hält man inne und überlegt, ob diese Meldung nur der nächste Streich eines Satiremagazins ist, das sich darauf verlegt hat, die Seriösitätanmutung des Nachrichtenformats für bizarre Falschmeldungen zu nutzen. Aber nach allem Anschein ist sie wahr: Die  Satire-Website „Der Postillon“ geht ins Fernsehen und wird von Ende April an jeden Freitag Punkt Mitternacht im NDR zu sehen sein, weshalb man das Format „Postillon24“ benannte, und nicht etwa, weil man den 24-Stunden-Onlinerhythmus ins Fernsehen mitnehmen möchte. 

          Mit einer Viertelstunde ist das Zeitbudget für die Moderatoren Anne Rothäuser und Thieß Neubert eher knapp. Man will sich, wie in der Onlineausgabe, auf satirische Meldungen im Stil von Nachrichtenagenturen konzentrieren. Sechs Ausgaben sind geplant. Daneben wird der NDR-Jugendsender N-Joy eine Radioausgabe des „Postillon24“ senden.

          Der Wahnsinn des Realen

          Die Satireseite, die täglich rund fünfzigtausend Besucher zählt,  hat in ihrem sechsjährigen Bestehen schon einige Meriten gesammelt. Ihr Gründer Stefan Sichermann erhielt bereits zweimal den Grimme-Online-Award. Das Video „Mutter bei der Geburt in Krankenhaus“ wurde beim Deutschen Webvideopreis im vergangenen Jahr zum Sieger gekürt.

          Der größte Coup gelang dem „Postillon“ aber zu Jahresbeginn, als er den Wechsel von Ronald Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn meldete, die Meldung jedoch um einen Tag vordatierte. Nicht wenige Leser hielten die Nachricht für eine Ente, auf Twitter brach der übliche Empörungssturm gegen die etablierten Medien los, denen man vorhielt, sich von einer Satireseite genarrt haben zu lassen. Dem war natürlich nicht so, der Wechsel war trotz seiner satirischen Qualität real. Es blieb eine schöne Leser-Medien-Posse und ein bizarrer Vertrauensbeweis für ein Satiremagazin, das nun selbst Teil eines etablierten Mediums wird.

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