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Obama und Springsteen : Wer war der größere Außenseiter?

  • -Aktualisiert am

Bruce Springsteen und Barack Obama im Gespräch Bild: obs

Barack Obama und Bruce Springsteen treffen sich zum Plausch und machen einen Podcast daraus. Sie beschwören amerikanische Werte und geben sich staatstragend. Etwas altväterlich ist das schon. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Es klingt sehr ruhig, manchmal großväterlich, in einem Wort: staatstragend, wenn Bruce Springsteen und Barack Obama sich in einem Podcast über amerikanische Werte und Probleme unterhalten. In einem weiteren Podcast, muss man wohl sagen, denn die Obamas haben ja 2019 einen Vertrag über mehrere Jahre mit dem Anbieter Spotify für verschiedene Formate abgeschlossen, und Michelle Obamas Podcast war bereits sehr erfolgreich.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Während die ehemalige First Lady demnächst bei Netflix auch noch die Kinder-Kochshow „Waffles + Mochi“ anrührt, geht ihr Ehemann in seinem für acht Folgen konzipierten Spotify-Podcast namens „Renegades: Born in the USA“ mit Springsteen zunächst mit dem Blick in die eigene Kindheit der Frage nach, wie sich Renegaten, also abtrünnige oder widerständige Menschen, gegen alle Wahrscheinlichkeit mit ihren Ideen durchsetzen. Mit ihren guten Ideen, wohlgemerkt, denn daran bemüht man sich nicht nur in Amerika zu glauben.

          Manchmal wirkt das in der ersten Folge „Outsiders“ wie ein kurioser Überbietungswettbewerb zwischen zwei weltberühmten Persönlichkeiten, wer irgendwann früher der größere Außenseiter war. Immerhin: Obama stichelt, er selbst wisse, warum er einer war, aber Springsteen als „nice Jersey boy“ habe doch keiner sein müssen. Daraufhin Springsteen: Er komme aus einem kleinen Kaff und habe es auch nicht ganz leicht gehabt, zudem wähle man das Außenseitertum ja manchmal auch einfach.

          Springsteens Gedanken zum Zusammenleben von Menschen verschiedener Hautfarben, auch in der zweiten Folge über „Race“, wirken manchmal etwas unausgegoren, aber stets gut gemeint. Etwas überraschend ist, dass er nun für die Dekonstruktion des „Mythos vom Melting Pot“ plädiert.

          Ein Nebeneffekt, den verquasselte Podcasts öfter haben: Man spürt, das alles könne auch sehr viel knapper auf den Punkt gebracht werden. Aber hier geht es wohl eher darum, wie man sich dabei fühlt: die Sprecher eben staatstragend, die Zuhörer geborgen. Insofern ist auch dieser Podcast, so wie die Inaugurationszeremonie Joe Bidens und die Halbzeitshow beim Super Bowl, als weitere Beschwörung der Anständigkeit und der edlen amerikanischen Ziele zu verstehen, nachdem diese unter Trump verlorengegangen schienen.

          Das kann nicht verkehrt sein. Nur wenn die Telekom, die diesen Podcast zusätzlich bewirbt als Aushängeschild einer Kampagne gegen Hass im Netz, im Werbespot suggestiv fragt: „Wäre es nicht schön, wenn jeder Podcast so wäre wie dieser?“, möchte man großväterlich widersprechen und für etwas mehr Form und vor allem Schärfe nicht nur im Schulfunk werben. Ohnehin ist es nicht nur effizienter, sondern auch angenehmer, sich einen Springsteen-Song oder eine Obama-Rede anzuhören als deren Nacherzählungen und Exegesen in acht Stunden Podcast.

          „Wir teilen den Glauben an die amerikanische Idee“

          Barack Obama denkt künftig öffentlich und mit Bruce Springsteen über die Zukunft der Vereinigten Staaten nach. Der frühere Präsident und der Rockmusiker stellten am Montag den Podcast „Renegades: Born in the USA“ („Abtrünnige: Geboren in Amerika“) vor, bei dem sie sich acht Episoden lang über Musik, Gleichstellung und die gemeinsame „Liebe zu den Vereinigten Staaten“ unterhalten. Obama hatte Springsteen vor 13 Jahren während des Wahlkampfs kennengelernt. In einem Trailer, den der Streamingdienst Spotify jetzt vorstellte, verwies der Demokrat auf die gemeinsamen Werte der beiden: „Wir teilen den Glauben an die amerikanische Idee. Nicht als Akt der Nostalgie, sondern als Kompass für die harte Arbeit, die vor uns liegt.“ Obama und Ehefrau Michelle hatten 2019 einen Vertrag mit Spotify für die Produktion mehrerer Podcasts unterzeichnet. Den „Michelle Obama Podcast“ hatten im vergangenen Sommer mehr Hörer gehört als jede andere Sendung des Streamingdienstes. (ceh.)

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