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„Playboy“ wieder im Original : Nacktheit ist kein Problem

Bild: dpa

Als der „Playboy“ beschloss, Frauen nur noch zugeknöpft zu zeigen, konnte man auf das baldige Ende der Zeitschrift wetten. Nun besinnt sie sich auf ihre Kernkompetenz.

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          Ein Traditionsunternehmen entdeckt die nackte Wahrheit wieder: „#nakedisnormal“ twittert Cooper Hefner, Sohn des „Playboy“-Seniors Hugh. Und damit jeder sieht, wie normal Nacktheit ist, wie kulturell verankert überdies, postet er dazu verfremdete Bilder schöner Frauen, die angezogen nur halb so schön sind: Botticellis Venus, angetan mit einem T-Shirt, Eva im Paradies, bedeckt von mehr als einem Feigenblatt; die Maja, die Goya nackt und neckisch bekleidet malte, im faden Nachtgewand, zuletzt Marylin Monroes berühmtes „Playboy“-Cover so verändert, dass es als Werbung für Feinripp herhalten könnte.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Was wäre, will Hefner junior uns sagen, die Bilderwelt ohne Hüllenlosigkeit? Und was ist der „Playboy“ ohne sie? Gut ein Jahr ist es her, dass die amerikanische Ausgabe des unter Auflagenschwund leidenden Bunny-Magazins in einem Anfall von Prüderie unbekleidete Frauen von seinen Seiten verbannte. Um sich als saubere Marke in amerikanischen Presseregalen nicht mehr unter Plastikhüllen verstecken zu müssen. Um moderner zu wirken und sich vom Internet mit seinen ubiquitären Sexdarstellungen abzusetzen. Und Leser durch maximale Konsensfähigkeit zu gewinnen, vielleicht sogar Feministinnen.

          Die gehörten allerdings noch nie zur Kernzielgruppe des Männermagazins, welche das Heft selbstverständlich vor allem wegen der Interviews schätzt. Zuhauf kündigten Abonnenten, als sie den neuen, vermeintlich sauberen „Playboy“ sahen: mit Aufnahmen blutjunger Frauen in weißer Wäsche, die sich in Selfie-Manier wie im eigenen Schlafzimmer räkelten. Das hatte, anders als die bewährten Hochglanz-Inszenierungen nackter Frauen, etwas von Cyberstalking Minderjähriger und offenbarte auf verstörende Weise: Wie zudringlich entblößend und zur Schau stellend etwas wirkt, hat nicht notwendig etwas mit der Textilmenge am Körper zu tun.

          Once Upon a Time in America: Wir schreiben das Jahr 1963, und Bunnies wie Elka Hellmann, Monica Schaller und Sabrina Scharf (von links) waren noch etwas Besonderes.
          Once Upon a Time in America: Wir schreiben das Jahr 1963, und Bunnies wie Elka Hellmann, Monica Schaller und Sabrina Scharf (von links) waren noch etwas Besonderes. : Bild: AP

          Als das Magazin der Kopftuch tragenden muslimischen Journalistin Noor Tagouri Platz einräumte, um sie als Renegatin der Schamhaftigkeit zu feiern, fragten viele, in welche Richtung das Heft wohl steuern würde. Nun wissen wir es: zurück zum Bewährten. Das aktuelle Cover zeigt das Model Elizabeth Elam nur bekleidet mit dem Schriftzug „Naked is normal“, was zugegeben etwas an Peta-Kampagnen erinnert. Zur Pin-up-Ästhetik früherer Tage wolle man nicht zurückkehren, schreibt Cooper Hefner, der seit Oktober Kreativchef des Magazins ist. Aber Nacktheit komplett zu verbannen sei ein Fehler gewesen. „Nacktheit war nie das Problem, weil Nacktheit kein Problem ist.“ Das wusste man freilich schon in der Antike.

           

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