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TV-Krimi „Solo für Weiss“ : An der Ostsee verschwinden die Mädchen

  • -Aktualisiert am

Rettungsanker: Nora Weiss (Anna Maria Mühe) und ihre Patentochter Daina (Grace Serrano Zameza). Bild: ZDF und Simon Vogler

Anna Maria Mühe könnte als Ermittlerin groß rauskommen, doch dafür ist der ZDF-Krimi „Solo für Weiss“ zu matt. Eine derartige Vorlage haben die sehr guten Schauspieler nicht verdient.

          Der nächste Krimi, die nächste Ermittlerin, die nächste Variation des Genres, welches das Fernsehen beherrscht: Heute beginnt im ZDF das „Solo für Weiss“ mit Anna Maria Mühe. Darin spielt sie die LKA-Zielfahnderin Nora Weiss, die gleich persönlich in einen Fall gezogen wird. Ein verurteilter Kindsmörder ist auf der Flucht, ein Mädchen wird entführt. Es ist die Patentochter von Nora Weiss.

          Das ist die Ausgangslage der zweiteiligen Kriminalgeschichte, die das Zweite am Tag vor und nach der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten ausstrahlt. Aus der Story hätte, um es vorwegzunehmen, etwas werden können, wird aber nicht. Der Auftakt der Doppelfolge, „Das verschwundene Mädchen“ (Buch Thomas Berger, Mathias Klaschka), wirkt vielmehr denkbar ungelenk. Erst mit Teil zwei, „Die Wahrheit hat viele Gesichter“ (Buch Sören Hüper, Christian Prettin, Mathias Klaschka), als Handlung und Personal ein wenig sortiert sind, wird die Produktion interessanter.

          An den Schauspielern liegt es nicht

          An den Schauspielern liegt es nicht. Dem Regisseur Thomas Berger steht vielmehr eine beachtliche Darsteller-Riege zur Verfügung: Anna Maria Mühe sehen wir als arbeitsame, innerlich angespannte Polizistin. Zuletzt, im NSU-Dreiteiler „Mitten in Deutschland“, ging die Schauspielerin in schon unheimlicher Weise in der Rolle als Beate Zschäpe auf. Ähnlich ernsthaft scheint sich Anna Maria Mühe auf das „Solo für Weiss“ vorbereitet zu haben. Neben ihr sehen wir Peter Jordan in der Rolle des Vorgesetzten Jan Geissler und Jan Krauter als Kollegen Simon Brandt. Rainer Bock mimt einen Pfarrer, der aus dem Osten stammt, Bernhard Schütz spielt einen traumatisierten Bäckermeister, den nur noch das Kuchenblech mit dem Leben verbindet.

          Und was ist zu sagen über die Pfarrerstochter Nora Weiss, die zum LKA ging? Sie wohnt in einem schmalen, stilvoll eingerichteten weißen Häuschen am Meer. Sie hat weder einen Lebensgefährten noch Kinder. Sie hat ihre Arbeit. Das Verhältnis zum Vater ist schwierig. Immerhin hat sie ein Patenkind: die neunjährige Daina, Tochter einer Freundin aus Estland. Wenn Nora Weiss mit ihrem Vorgesetzten Jan Geissler spricht, hält sie wenig Distanz. Auch ihr Verhältnis zu dem Kollegen Simon Brandt ist mehrdeutig.

          Drei auf einen Streich: Nora Weiss (Anna Maria Mühe), Simon Brandt (Jan Krauter) und Jan Geissler (Peter Jordan, rechts) bilden ein Team.

          Ambivalent erscheinen die beiden Ermittler ohnehin: Geissler und Brandt hatten mit dem Fall zu tun, den eine Gerichtsverhandlung zu Filmbeginn zusammenfasst: In einem Prozess ohne Leiche, der so intensiv von der Öffentlichkeit verfolgt wurde, dass der Richter seine Unabhängigkeit unterstreichen muss, wird der Angeklagte zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er soll ein Mädchen entführt und getötet haben - die Tochter des Bäckers. Der Verurteilte entkommt, als er aus dem Gerichtssaal abgeführt wird. Der mutmaßliche Kindsmörder flieht, ein weiteres Mädchen wird entführt - die Patentochter von Nora Weiss, wie gesagt. Sie verschwindet auf der Fähre aus Riga.

          Da kann man sich den Gang der Handlung schon fast vorstellen. Die Kulissen, in denen sich die Figuren bewegen, sind zu aufgeblasen, um authentisch zu wirken. Es wird viel Auto gefahren und ständig geredet. Es gibt schöne Einstellungen, aber Kamera und Figuren sind so viel in Bewegung, dass man sich fragt, weshalb es die Geschichte nicht ist.

          Diese Geschichte, bei der auch noch ein toter Busfahrer vor dem Haus am Meer geparkt werden wird, streift uns daher nur, anstatt uns so zu packen, wie uns ein Krimi mit dieser Besetzung, die ja ein Versprechen ist, packen sollte. So aber ist das „Solo für Weiss“ der Ostsee nur ein laues Lüftchen.

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