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Der Neue bei „Löwenzahn“ : Es soll ja schließlich den Kindern gefallen

  • -Aktualisiert am

Ein neuer Bewohner für den bekanntesten Bauwagen des Kinderfernsehens Bild: ddp

Für Erwachsene ist es der wichtigste Personalwechsel im deutschen Fernsehen, seit Thomas Gottschalk Frank Elstner ablöste, und für Kinder seit Michael Schanzes letztem „Plopp“: Nach Peter Lustig zieht Guido Hammesfahr in den „Löwenzahn“-Bauwagen.

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          Man muß schon genau hinschauen, um den Personalwechsel bei „Löwenzahn“ zu bemerken. Immerhin ist es für Erwachsene der wichtigste, seit Thomas Gottschalk Frank Elstner ablöste, und für Kinder seit Michael Schanzes letztem „Plopp“. Peter Lustig aber war für alle da, für Junge und Junggebliebene, für Kinder, Jugendliche und Thirtysomethings auf Nostalgiekurs. Ein Vierteljahrhundert bildete sein sanfter Bariton eine Konstante im Fernsehen. Jetzt ist er verstummt, ausgestiegen, im altersbedingten Ruhestand. Ein jüngerer, modernerer Alleswissenwoller bezieht den berühmten Bauwagen - und dann klingt er genau wie sein Vorgänger.

          „Die Stimme war natürlich ein Kriterium“, sagt die zuständige Redakteurin Margrit Lenssen auf die Frage, warum das ZDF auf Guido Hammesfahr gekommen ist. Am Sonntag erlebt die nach „Sandmännchen“, „Maus“ und „Sesamstraße“ ausdauerndste Kindersendung ihren Generationentausch. Ein Paradigmenwechsel ist es nicht. Warum auch, das Alte hat sich bewährt. Und ist zeitgemäßer denn je.

          „Löwenzahn“: das Statement zu einer Epoche

          Man muß nur kurz zurückblicken ins Jahr 1981, als ein Latzhosenträger mit Nickelbrille sein rollendes Domizil auf einer umwucherten Grünfläche im fiktiven Bärstadt am Rande Berlins dauerparkte. Zuvor hieß „Löwenzahn“ zwei Jahre lang „Pusteblume“, und Peter Lustig bewohnte dort eine Art Gartenlaube, aus der ihn eine geplante Einflugschneise vertrieb. Kann es Zufall sein, daß zu dieser Zeit der Kampf um die Startbahn West tobte und allerorten Häuser besetzt wurden?

          Liest sich ein: Guido Hammesfahr
          Liest sich ein: Guido Hammesfahr : Bild: AP

          „Löwenzahn“ erschien als Statement zu einer Epoche. Ein Spiegelbild der wachsenden Ökobewegung, ein zivilisationskritischer, aber ganz und gar nicht zivilisations- und schon gar nicht technikfeindlicher Weckruf. Der Serienursprung fiel in die Spätphase der „roten Zoras“, „Luzies“ und „Rappelkisten“. Und doch war die Sendung nie jenes televisionäre Schlachtfeld, das man ihr unterstellte, sowenig wie Peter Lustig ein müslikauender Aussteiger war, den die Generation Kinderladen in ihm sehen wollte. Im Gegenteil.

          Casting statt Zufallsfund

          „Es mag ja sein, daß ,Löwenzahn' ein alternatives, fast linkes Image hat, weil es mit der grünen Bewegung aufkam“, sagt Guido Hammesfahr. Letztlich stecke aber „kein politisches Konzept“ dahinter. Und das wäre ihm auch zu eng gefaßt, zu dogmatisch und nicht kindgerecht.

          Der krimierfahrene Komödiant ist gelernter Schauspieler und muß jene Rolle, die Peter Lustig durch sein Wesen schuf, auf seine Art interpretieren. 1979, fast im gleichen Alter wie sein Nachfolger jetzt, war der heute 68 Jahre alte Peter Lustig noch per Zufall entdeckt worden - als Techniker am Set von „Pusteblume“. Hammesfahr dagegen wurde unter 700 Bewerbern ausgewählt, auch dank seiner Referenzen aus „Ladykracher“, „Tatort“ oder „Cobra 11“.

          Endlich kein Einzelgänger mehr

          Da vermutet man eine Professionalisierung, zumal „Löwenzahn“ im 16:9-Format nun sogar ins Kino kommt. Doch weit gefehlt: Bis auf seine Person, so Hammesfahr, ändere sich wenig. Peter Lustig heißt jetzt eben Fritz Fuchs, aber wer weiß schon, daß sein Vorläufer mitnichten einen Künstlernamen trug? Ansonsten bleibt der blaue Bauwagen erhalten, wenngleich generalüberholt und ohne sprechende Gitarre. Nachbar Paschulke gibt weiter den bürgerlichen Antipoden des nonkonformen Hauptdarstellers, und Helmut Krauss darf in diesem Part weiter seiner privaten Neigung zu quietschbunten XXL-Hemden nachgehen. Vor allem eines aber bleibt erhalten: das Tempo, die Bereitschaft zur Sprechpause, zum Beobachten und Verharren.

          Ein wenig mehr Action darf es bei Guido Hammesfahr zwar schon sein; schließlich ist er 38, nicht 68, blond statt grauhaarig, latzhosen- wie bartlos, Handy- und Hundebesitzer, vor allem aber endlich kein Einzelgänger mehr, er darf sich für die Kioskbesitzerin Yasemin alias Sanam Afrashteh interessieren. Das Grundkonzept aber hat Bestand: ein Erwachsener, der sich ohne Besserwisserei zum Grund seiner Interessen durchbohrt, bis jedes Fragezeichen zum Ausrufezeichen wird. Ein Begriffsstutziger fast, der den Großen ihren Nimbus des Allwissenden nimmt, um den Kleinen die Neugier zu erhalten.

          Hand anlegen ans neue Heim

          Diese Sollbruchstelle herkömmlicher Fernsehdidaktik ist ein Verdienst von „Löwenzahn“ und findet längst eigenständige Nachahmer. Der ARD-Klugscheißer Ralph Caspers liefert in „Wissen macht Ah!“ Lösungen mit maximalem Unernst. Beim gleichen Sender portioniert Willi Weitzel in „Willi wills wissen“ auch noch so erwachsene Themen kindgerecht zwischen Ulk und Analytik. Und in dem famosen amerikanischen Magazin „MythBusters“ bei RTL II erproben ein paar Stuntmen im Crashtest ungewöhnliche Antworten auf ungewöhnliche Fragen.

          Biedere Fernsehpädagogik, wie sie zu Lustigs Einstieg noch weiter verbreitet war, sieht anders aus. So gesehen, geht seine Ablösung zwar krankheitsbedingt, aber keineswegs zu früh vonstatten: Inzwischen sind, das sagt selbst Peter Lustig, „unsere größten Fans deutlich über dreißig“.

          Wie Guido Hammesfahr eben, der als „Landei aus dem Westerwald“ in Onkel Heinis Uhlenbusch groß wurde und bald darauf nach Bärstadt zog. Der sich als Pendler zwischen Berlin und Köln, mehr aber noch als passionierter Segler - im Gegensatz zum Bonvivant Lustig - ein Leben im Bauwagen vorstellen kann und in der Pilotfolge tatsächlich viel Hand anlegte an sein neues Heim. Schließlich könnte es von Dauer sein. Aber gleich fünfundzwanzig Jahre? „Erst mal muß es den Kindern gefallen“, sagt Guido Hammesfahr. Der Fritz Fuchs in ihm fügt hinzu: „Ich habe einen langen Atem.“

          Mit Peter Lustig tritt eine Ikone des Kinderfernsehens ab. Sein Nachfolger Guido Hammesfahr ist dreißig Jahre jünger, trotzdem soll sich bei „Löwenzahn“ wenig ändern. Hammesfahr, geboren 1968 in einem Dorf im Westerwald, kommt vom Theater. Nach seiner Ausbildung in Mainz spielte er an vielen Bühnen. Fürs Fernsehen trat er in Serien wie „Soko“, „Ein Fall für zwei“, „Tatort“ und „Alarm für Cobra 11“ auf. Bekannt wurde er durch Rollen in Anke Engelkes „Ladykracher“, für die er 2002 und 2003 den deutschen Comedypreis erhielt. Von Sonntag an ist er im ZDF als Fritz Fuchs bei „Löwenzahn“ zu sehen.

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