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Der neue „Alte“ im ZDF : Unter Dienstältesten

Tja, Chef, was nun? Gerd Heymann (Michael Ande, links) kann sich mit dem neuen „Alten“ Richard Voss (Jan-Gregor Kremp) durchaus anfreunden. Und wie das mit der Weißwurst geht, erklärt der Münchner dem Mann aus dem Ruhrpott auch Bild: Michael Marhoffer/ZDF

Jan-Gregor Kremp ist der neue „Alte“. Er ist unter den bisherigen Darstellern der Jüngste. Wenn man bedenkt, wie lange die Serie im ZDF schon läuft, hat er eine lange Karriere vor sich. Wieso auch nicht?

          Gerd Heymann ist nicht zu beneiden. An Erfahrung, Spürsinn und Dienstjahren mangelt es ihm nicht. Und doch kommt er über die Rolle des Assistenten nicht hinaus. Michael Ande, der diesen Kommissar spielt, ist - nach Zählung des ZDF - der dienstälteste Fernsehermittler überhaupt. Doch er ist der ewige Zweite. „Der Posten ist nicht mehr wichtig“, sagt sein Heymann zum neuen Chef, der, kaum dass er aus dem Zug steigt, die erste Festnahme tätigt und sagt: „Ich bin der neue Sheriff hier in der Stadt.“ Für Münchner Verhältnisse ist das eine recht gewagte Feststellung.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Als den neuen Chef, den neuen „Alten“, sehen wir Jan-Gregor Kremp. Er tritt ein Erbe an, das größer nicht sein könnte. Denn nicht „Derrick“ (281 Folgen) oder „Der Kommissar“ (97) sind Rekordhalter im Serienkrimikosmos des ZDF. Es sind - das wird niemanden wundern - „Ein Fall für zwei“ mit dem unverwüstlichen Claus Theo Gärtner (die dreihundertste und letzte Folge läuft im nächsten Jahr) und „Der Alte“, im Oktober wird die 375. Folge gedreht - das ist das wahre Fernsehen. Hundert Folgen lang spielte Siegfried Lowitz den Chef des Kommissariats, auf 222 Einsätze brachte es Rolf Schimpf, im Frühjahr 2008 übernahm Walter Kreye, der die Rolle wegen einer Erkrankung aufgeben musste. Und nun ist Jan-Gregor Kremp am Zug.

          Weißbier heißt nicht „Weizenbier“

          Ihn haben wir in ungezählten Einzelstücken und zwischen 2005 und 2007 vier Folgen lang, also viel zu kurz, als Kommissar Keller im „Polizeiruf“ des Hessischen Rundfunks gesehen. Seinen Hauptkommissar Richard Voss begrüßt das Drehbuch (Robert Hummel) als Neuankömmling routiniert, aber nicht allzu einfallsreich. Kaum hat er sich bei der zweiten Begrüßung ein „Grüß Gott“ zurechtgelegt, retourniert der Kollege Richter (Pierre Sanoussi-Bliss) mit einem trockenen „Morgen“.

          Heymanns Namen merkt sich der Neue dafür auch erst bei zweiten Mal, gibt dafür aber Riedmann (Markus Böttcher) von der Spurensicherung Tipps, die der nicht braucht. Dass man Weißwurst nicht am Abend ist, muss der neue „Alte“ erst lernen, und dass Weißbier nicht „Weizenbier“ heißt. Mehr Eskapaden aber gibt es nicht.

          Der „Alte“ ist zwar nun ein anderer, aber ansonsten bleibt beim „Alten“ alles, wie es schon immer war. Die Regie (Ulrich Zrenner) dirigiert die Ermittler durch einen ganz und gar konventionellen Fall: Die junge Sharleen Neubauer (Lena Meckel) ist vom Hochhausdach gestürzt, und das war kein Unfall

          Der ewige Assistent

          Der alte und der neue Freund machen sich verdächtig, der Vater des Letzteren und der Stiefvater der Ermordeten gleich mit. Eine Aussage nach der anderen erweist sich als falsch, ein Indiz fügt sich zum nächsten, schließlich hilft Sharleens Tagebuch weiter, das der Tippelbruder „Radler-Sepp“ (Konstantin Wecker) gefunden hat. Ihn besticht Kommissar Voss mit ein paar Dosen Bier - alkoholfreiem, wie der Zeuge zu spät bemerkt.

          Für ihn, sagt Heymann, der ewige Assistent, gegen den Derricks Harry ein Aufsteiger war, zähle vor allem „eine gute Arbeitsatmosphäre“. Bei jeder anderen Serie würde man - „Stromberg“-gestählt - losprusten. Beim „Alten“, wo alles mählich seinen Gang geht, in all den Jahren noch keine Veränderung eine revolutionäre war und selbst ein Showdown glimpflich abgeht, nicht.

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