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Mein Name ist Bond, Jane Bond : Bond-Boy

  • -Aktualisiert am

Zeit für einen Rollenwechsel: Macht bald eine Frau wie (Noch-)Bond-Girl Monica Bellucci Daniel Craig den Posten als Superagent streitig? Bild: AFP

James Bond in weiblich? Unvorstellbar! Aber die Gleichberechtigung der Frau sollte endlich auch in DEM Männerfilm schlechthin ankommen. Zumindest sieht das der britische Politiker Ed Miliband so. Daniel Craig bliebe dann nur noch die Rolle des Bond-Boys.

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          Was zeichnet einen Staatsmann aus? Richtig, dass er ein geradezu seismographisches Gespür dafür besitzt, was die Nation wirklich bewegt. Steuern? Sozialausgaben? Europa? Mit solchen Wahlkampfthemen wird man nicht mal Premier der Herzen, hat sich David Camerons Herausforderer Ed Miliband gedacht, und recht hat er. Deshalb prescht der britische Labour-Chef nun mit einem revolutionären Vorschlag zur einzig wirklich wichtigen Personalie im Vereinigten Königreich vor: James Bond soll endlich von einer Frau gespielt werden. Auch 007 müsse mit der Zeit gehen, sagt Miliband, und die Zeit sei definitiv reif für eine Agentin in dieser Spitzenposition.

          Da können wir anerkennend nicken und sagen: Sieh her, liebe SPD, so schärft man sozialdemokratisches Profil, so reißt man eine Debatte an sich, die vorher mit Gerüchten darüber, dass der Schauspieler Idris Elba den ersten schwarzen Bond spielen könnte, weit unter ihrem Innovationspotential vor sich hindümpelte. Dass M. auch eine Frau sein kann und Monica Bellucci als erstes Ü-50-Bond-Girl einen Auftritt haben wird, wirkt mit einem Mal wie kalter Kaffee. Miliband, der Mann mit Weitblick, hat erkannt: Erst wenn es heißt „Mein Name ist Bond, Jane Bond“ – denn darauf wird es hinauslaufen –, wird wirklich alles anders. Gleich, ob gerührt oder geschüttelt. Dass Miliband mit Rosamunde Pike ein ehemaliges Bond-Girl besetzen würde, zeigt zwar sensibles Gespür für Frauen, die es selbst als Doppelagentinnen nicht schaffen, die gläserne Decke zu durchbrechen, wirkt aber doch fad.

          In den Augen des Labour-Chefs und Cameron-Herausforderers Ed Miliband die Favoritin für eine Jane Bond: Rosamund Pike. Bilderstrecke
          In den Augen des Labour-Chefs und Cameron-Herausforderers Ed Miliband die Favoritin für eine Jane Bond: Rosamund Pike. :

          Britisch, blond, hübsch, jung – das reicht nicht mehr. Tilda Swinton etwa könnte ihr Geschlecht in der Rolle mehrfach wechseln. Oder wie wäre es mit Uma Thurman? Die ist zwar Amerikanerin, würde in Kampfszenen aber garantiert eine bessere Figur abgeben als, sagen wir, Kate Winslet. Und wenn schon eine frühere Bond-Gespielin, dann lieber Sophie Marceau, man könnte sich mit gemeinsamen historischen Wurzeln von Frankreich und England herausreden. Wirklich innovativ, gendergerecht und dazu noch ein Statement gegen Altersdiskriminierung wäre aber nur eine Wahl: Ursula Andress würde in der Rolle der Superagentin mit der Lizenz zum Töten den Briten die deutschsprachige Welt näherbringen. Oder? Nach einem frischgezapften Bier und Fondue statt Martini könnte sich die Schweizerin mit deutschen Wurzeln all den schönen Männern widmen, auf die glamouröse Kurzauftritte mit finalem Abgang warten: Ashton Kutcher, Ryan Gosling, Jake Gyllenhaal, Robert Pattinson oder Colin Firth kämen da in Frage, und vielleicht könnte sich auch Daniel Craig mit einer neuen Rolle anfreunden: als Bond-Boy.

          Kinotrailer : „James Bond 007 - Spectre“

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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