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Lockdown geht an die Existenz : Hunde sind systemrelevant!

  • -Aktualisiert am

Sicherheitshalber wird dieser Hund auf den Philippinen mit Weihwasser gesegnet. Bild: dpa

Beim ersten Lockdown hatten wir, die wir in der Pandemie als nicht ganz so wichtig ausgewiesen werden, Verständnis. Doch nun geht es um unsere schiere Existenz. Ein Gastbeitrag.

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          Seit einiger Zeit schreibe ich für ein kleines Online-Magazin eine Kolumne über Hundehaltung. Rassen, Erziehung, solche Dinge. Als es mit der Pandemie losging, habe ich meine Hunde-Kolumne vorläufig eingestellt. Es erschien mir pietätlos, in Zeiten, in denen alle bangend daheimbleiben mussten, über Hundeauslastung oder Qualzucht zu schreiben. Wir haben jetzt weiß Gott wichtigere Themen. Es geht um die Existenz. Also bitte nur noch Existentielles, Substantielles, Wesentliches beitragen. Oder schweigen. Da nimmt man mit so einer Hunde-Kolumne natürlich Rücksicht und drängt sich nicht auch noch vor. Jetzt sollen Wichtigere zu Wort kommen. Und es war ja sofort einleuchtend, was (und wer) alles wesentlich ist. Und was (und wer) nicht.

          Das schöne Wort „systemrelevant“ geisterte herum, und wir ließen es uns aufs Brot schmieren wie Honig. Damit du es nur weißt, achtundsiebzigjährige Oma, das System ist mit dir fertig. Du liegst ihm nur noch auf der Tasche und wärst sowieso gestorben. Und du, siebenjähriger Junge, musst erst noch drauf warten, ins System eingespeist zu werden. Du, vierunddreißigjährige Mama, hast dich ja freiwillig aus dem System verabschiedet. Du, zweiundfünfzigjähriger Invalide, hättest dir das mit dem Unfall damals sparen sollen. Und was zum Teufel hast du, einundvierzigjährige Kulturschaffende, dir eigentlich dabei gedacht, als du unbedingt irgendwas mit Theater machen wolltest?

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