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Zum Tod von Sieghardt Rupp : Der lässige Zollfahnder

Sieghardt Rupp 1931- 2015 Bild: mauritius images

Als Zollfahnder Kressin war der österreichische Schauspieler Sieghardt Rupp eine Art James Bond und Held des „Tatorts“. Hart und verschwiegen, bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr, von dem die Öffentlichkeit erst jetzt erfährt.

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          Er war ein cooler Ermittler, politisch vollkommen unkorrekt, ein Dandy und Frauenheld, lässig die Kippe in der Hand, fuhr schnelle Schlitten, verlieh Argumenten mit der Faust Nachdruck, und mit den Dienstvorschriften hatte er es auch nicht so. Dafür war er in ganz Deutschland und dem angrenzenden Europa unterwegs, stets auf sich gestellt und zugleich auf immer neue Kollegen angewiesen. Mit anderen Worten: Der Zollfahnder Kressin war eine Art James Bond. Er war auf der Höhe seiner Zeit – der Siebziger –, und er war der Zeit voraus. Erst zu Anfang der achtziger Jahre sollte in der „Tatort“-Reihe der ARD wieder jemand auftauchen, der genauso wie dieser Kressin auf Konventionen pfiff und sein Ding machte: Götz George als Horst Schimanski. Und Kressin?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dessen Gastspiel als „Tatort“-Ermittler war beim produzierenden WDR mit internen Querelen verbunden – dem Autor Wolfgang Menge schien niemand für die Hauptrolle zu gefallen – und dauerte nur zwei Jahre, von 1971 bis 1973. Das Auf und Ab passte zu Sieghardt Rupp, der die Rolle spielte. Denn er ließ sich als Schauspieler in kein Raster pressen. Er trat in Heimatfilmen auf, gab den Liebhaber und spielte den Schurken in Karl-May-Verfilmungen („Unter Geiern“) oder im Italowestern („Für eine Handvoll Dollar“). Seine Engagements fürs Kino und Fernsehen reichten von „Mädchen für die Mambo-Bar“ (1959) bis „Steiner – Das Eiserne Kreuz II“ (1979).

          Schleier über seinen Tod

          Seine Ausbildung hatte der geborene Bregenzer Rupp am Max-Reinhardt-Seminar in Wien erhalten, er spielte an verschiedenen Häusern, nach seiner Filmzeit wirkte er bis 1985 am Theater in der Josefstadt, am Max-Reinhardt-Seminar unterrichtete er schließlich selbst. Für seine Darstellung des Dirigenten Wilhelm Furtwängler erhielt er die von der Stadt Wien gestiftete Kainz-Medaille.

          Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Rupp zurückgezogen in seiner Wohnung im 18. Wiener Bezirk. Seiner Betreuerin von der Caritas nahm er das Versprechen ab, bei seinem Tod mit der Nachricht nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. So blieb bis jetzt nur einem kleinen Kreis bekannt, dass Sieghardt Rupp schon vor knapp einem Jahr, am 20. Juli 2015, im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Publik wurde das nun, weil das Filmarchiv Austria eine Retrospektive zu Rupps Wirken zeigt. Sie hat heute, am Mittwoch, begonnen. Am Samstag, 4. Juni, zeigt das WDR-Fernsehen um 0.15 Uhr die „Tatort“-Folge „Kressin stoppt den Nordexpress“.

          So war das in den Siebzigern: Als Zollfahnder Kressin durfte Sieghardt Rupp im „Tatort“ den Frauenschwarm geben. Im WDR-Fernsehen ist er als solcher Samstagnacht noch einmal im Programm.

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