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„Maus“-Erfinder Gert Müntefering : Der Lach- und Sachgeschichten-Erzähler

Orange und gewieft wie kaum eine Maus: Für Gert Müntefering müssen Geschichten nicht zwingend lehrreich sein. Bild: WDR

Der Miterfinder der „Sendung mit der Maus“, Gert Müntefering, hat sein Leben lang daran geglaubt, dass Erzählen wichtiger ist als pädagogische Lehrsätze. So half er, Stoffe für die Ewigkeit zu schaffen und eine Erzähltradition zu begründen.

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          Das Erbe von Gert Müntefering ist lebendig. So lebendig, dass kaum einem deutschen Kind im sprechfähigen Alter die Maus erst vorgestellt werden muss. Sie selbst spricht nicht, kann sich aber ganz gut verständlich machen und versteht es, mit einfachen Tricks knifflige Situationen aufzulösen. Die einzigen Geräusche, die sie von sich gibt, sind die Trippelschritte ihrer Beinchen und ihr Augenklimpern. Gert Müntefering hat Anfang der siebziger Jahre das Konzept der „Sendung mit der Maus“ entworfen, das bis heute zwar immer weiterentwickelt wurde, aber im Kern weiter aus „Lach- und Sachgeschichten“ besteht. Doch die Lebensleistung des einstigen Familienprogrammchefs des Westdeutschen Rundfunks wäre damit unzureichend beschrieben. Eigentlich hat er das Kinderfernsehen in Deutschland aus dem Nichts erfunden, und er hat mit einigen unendlich kreativen Filmemachern aus der Tschechoslowakei unsterbliche Serienstoffe wie „Pan Tau“, „Die Märchenbraut“ oder „Der fliegende Ferdinand“ entwickelt – in einer Zeit, in der viel unklarer als heute war, wer frei, wer sozialistisch, wer privatwirtschaftlich und wer öffentlich-rechtlich war. Und Müntefering ist der größte denkbare Anwalt des Erzählerischen für Kinder, der eine gute Geschichte über die pädagogische Absicht stellt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Ein Besuch bei Gert Müntefering in Berlin-Wilmersdorf beginnt mit einer Erklärung: Es gebe vier Stücke Kuchen für zwei Personen, weil er vermeiden wollte, dass es um den einen Streit gibt. In der Wohnung mit Stuckdecke und Kronleuchterimitat aus Glas hat der 83 Jahre alte ehemalige Fernsehmacher und Hochschullehrer knapp sieben Jahre lang seine Frau gepflegt, bis sie 2017 starb. Die zwei großen Bücherregale im Wohnzimmer sind sehr voll und sehr gut sortiert. Da steht die Gesamtausgabe von Walter Kempowski, Gottfried Benns Gedichte sind genauso vorhanden wie historische Analysen von Herfried Münkler. Und was man nicht auf den ersten Blick erkennen kann, trägt Müntefering an passender Stelle während des Gesprächs herbei, um eine Aussage zu illustrieren. Mal ist es ein Faksimilé des „Bilderbuchs für Kinder“ des Verlegers Friedrich Justin Bertuch aus dem 18. Jahrhundert, mal ein Buch des Wiener Schriftstellers Alfred Polgar oder die Kindergeschichte „Die Regeln des Sommers“ des australischen Illustrators und Autors Shaun Tan.

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