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Karnevals-„Tatort“ aus Köln : Im Hexenkessel des Frohsinns

  • -Aktualisiert am

Platz da: Annika Lobinger (Natalia Rudziewicz, Mitte) tanzt im „Tatort“ in der ersten Reihe. Bild: WDR/Thomas Kost

Man muss den Karneval nicht mögen. Aber man muss ihn auch nicht so plump angreifen wie das der „Tatort“ aus Köln unternimmt. Da kriegt man wirklich einen Affen.

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          „Jo, jo, jo/ Mer sin immer noch do, do, do“, singen die Kölschrocker der Band Kasalla, und eine Begründung haben sie auch parat: „Weil man su schnell nit kapott jeht/ Und weil de Sonn immer widder opjeht“. Das sitzt. Auch wenn jeder Karnevalssong in Kölner Kneipen ein ohrenbetäubendes Echo findet, gibt es nur wenige, die mit feierlich ernster Inbrunst mitgesungen werden: die nostalgische Hymne „Superjeile Zick“ von Brings, der Bläck-Fööss-Klassiker „En unserem Veedel“, der die Kraft der Gemeinschaft beschwört, oder eben Kasallas Tribut an den Triumph des Durchhaltens. Dass genau diese Haltung auch ins Todtraurige umschlagen kann, will uns die Karnevalsepisode des „Tatort“ vorführen: eine so wohlfeile wie humorlose Karnevalskritik, die in der Regie von Thomas Jauch mit hartem Maximalkontrast von Frohsinn und Tragik arbeitet.

          Symbolisch überdeutlich und ästhetisch leicht ungelenk geht zu Beginn ein Todessprung von der Südbrücke in den einstudierten Fall eines Tanzmariechens auf der Bühne über, womit schon der halbe Film erzählt ist. Er handelt von einer leidenden Familie und von bösen Intrigen in einem Kölner Tanzcorps. Die kleinen Witzchen am Rande – Karnevalsmuffel Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) spricht hartnäckig von „Fasching“ und wird genauso hartnäckig gemaßregelt; sein jecker Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär) hat es nicht so mit küssenden Männern, gibt sich aber mit einem rosafarbenen Prinzessinnenkleid ab – können die Stimmung auch nicht mehr heben. Andere Witze sind eher wüst: „Eine Armlänge“ soll der Abstand zwischen den Tänzern betragen, womit der hilflose Ratschlag parodiert wird, den die Kölner Oberbürgermeisterin nach den Silvesterübergriffen vor einem Jahr Frauen im Kölner Karneval gegeben hatte.

          Günther Kowatsch (Herbert Knaup, Mitte) ist Präsident des Karnevalsvereins „Jecke Aape“. Und mit dem will er ganz groß rauskommen. Die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Schenk (Dietmar Bär) sind ganz Ohr.

          Der Vereinspräsident der „Jecke Aape“ (Herbert Knaup) hat Großes vor mit der von Tanzlehrerin Elke Schetter (Katja Heinrich) gedrillten Truppe: „Ich will, dass unsere Mitglieder erhobenen Hauptes durch Köln gehen können.“ Das kann nur eines bedeuten: ein Auftritt in der Kölnarena. Dafür geht man am Rhein über Leichen, beispielsweise die der Tanzlehrerin, die eines Morgens erschlagen in der Tiefgarage aufgefunden wird. Sie ist nach dem erst zwei Monate zurückliegenden Suizid Evelyns – die Tänzerin war von Schetter aus der Gruppe geworfen worden – die zweite Tote, die das Erreichen des hehren Ziels, bei den großen Sitzungen zu tanzen, gefährden könnte. Aber so schnell geht eine Tanzgarde in Köln nicht kaputt. Schon hüpfen die verrückten Äffchen wieder („Elke hätte gewollt, dass wir weitermachen“), und auch die Intrigen setzen sich fort, denn mit allen Mitteln konkurrieren zwei zickige junge Damen (Natalia Rudziewicz, Sinja Dieks) um die Position des ersten Funkemariechens.

          So albern und klischeehaft das klingen mag, zumal beiläufig auch Cybermobbing und Klüngel-Korruption angerissen werden, ist dies der glaubwürdigere Part des Drehbuchs von Altmeister Jürgen Werner. Nicht einmal in Köln dürfte es psychologisch plausibel erscheinen, dass ein Vater (Tristan Seith) den Selbstmord seiner als Tanzmariechen gescheiterten Tochter kompensiert, indem er sofort auf Ta-taaa-Karnevalslaune umschaltet, den völlig überforderten Sohn zu seinem Glück als Büttenredner zwingt und revoluzzerisch tönt: „Die Bonzen da oben aufm Festwagen, dat is nit der Kölner Karneval. Dat sin wir, die einfachen Leut auf der Straße.“ Hier sind Werner alle Maßstäbe verrutscht.

          Die Kommissare, die ihr zwanzigjähriges Dienstjubiläum feiern, trotten in Drink-doch-ene-met-Manier durch die triste Handlung, erklären in staubtrockenen Dialogen jede Wendung und jeden Gag. In Köln soll niemand abgehängt werden. Bebildert hat man das in aller Langweiligkeit: einfallslose Frontalaufnahmen in miefigen Umkleiden, im Präsidium, das ein Jalousien-Alptraum ist, und in einem deprimierenden Schulgebäude, das mit karnevaleskem Gerümpel zum Vereinsheim umstaffiert wurde. Eine superjeile Krimizick sieht anders aus. Auf ganzer Linie gescheitert ist Jauch aber vor allem damit, die Kölner Karnevalsatmosphäre, ob man sie nun ablehnt oder feiert, einzufangen. Dafür reichen zwei Tröten nicht aus. Auf Kölsch lässt sich das alles prägnanter sagen: „Da krisste en Aap.“

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