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Michael Jürgs zum Siebzigsten : Der Ruhelose

Michael Jürgs (1945 - 2019). Bild: picture-alliance/ ZB

Michael Jürgs war schon alles. Er war Reporter, Redakteur, Kolumnist, Feuilletonchef und Chefredakteur. Und in allen seinen Jobs ging es ihm um eines: um Geschichte und Geschichten. Jetzt wird der Journalist siebzig.

          1 Min.

          Michael Jürgs übt seinen Beruf als Berufung aus. Einen Beruf, von dem man, je uferloser der Strom von Mitteilungen im digitalen Bewusstseinsrauschen ist, den Eindruck haben kann, ihm gingen immer weniger Leute nach, jedenfalls jener Art und jenem Verständnis nach, das Jürgs auszeichnet: Michael Jürgs ist Journalist.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Im Einzelnen heißt das: Er war Feuilletonchef (bei der „Abendzeitung“), er war Reporter und Redakteur, er war Chefredakteur (beim „Stern“, von 1986 bis 1990), er war Kolumnist (bei verschiedenen Zeitungen), er war Moderator, er schreibt Bücher, aus denen Bestseller und die fürs Fernsehen aufbereitet werden; und Berater (unter anderem des „Spiegel“-Verlags) war und ist er auch.

          Vorurteilsfrei neugierig

          Er beherrscht sämtliche Spielarten seines Metiers, weil ihm eine Grundqualifikation zu eigen ist: Jürgs ist vorurteilsfrei neugierig. Er kreist nicht um sich selbst, er ist erpicht auf die Geschichten anderer, auf die Geschichte selbst. Hat er jemanden oder etwas entdeckt, will er alles darüber wissen, gräbt sich ein, wird zum Experten, fördert Neues zutage, formuliert dabei auch eigene Standpunkte neu. Seine Publikationsliste ist die eines Ruhelosen, den ein Einzelschicksal genauso packen kann wie ein großes Thema oder ein Trend.

          An welches seiner Bücher man auch denkt - „Der Fall Romy Schneider (1991), „Der Fall Axel Springer“ (1995), „Die Treuhändler“ (1997), „Alzheimer - Spurensuche im Niemandsland“ (1999), „Bürger Grass. Biographie eines Dichters (2002), „BKA, Europol, Scotland Yard. Die Jäger des Bösen“ (2011), „Codename Hélène - Churchills Geheimagentin Nancy Wake und ihr Kampf gegen die Gestapo in Frankreich“ (2012) oder „Sklavenmarkt Europa. Das Milliardengeschäft mit der Ware Mensch“ (2014) -, um nur einige zu nennen, es ist keines dabei, mit dem Jürgs jemandem hinterhergeschrieben hätte. Er war vorneweg, er stößt andere auf Dinge, die man bis dato nicht beachtet hatte. Für Aufsehen sorgt er auch gerne mit pointierten Meinungsbeiträgen. Ab und an macht er das in der Rolle des zornigen Alten, welcher der Branche - vorzugsweise den Kollegen in Hamburg - die Leviten liest. Wobei der am 4. Mai 1945 in Ellwangen Geborene, der in Harburg und Krefeld aufwuchs, bis heute von einem jugendlichen Eifer beseelt ist, dass man eine Angabe im Fußnotenapparat für doch sehr unwahrscheinlich hält: Michael Jürgs wird heute siebzig.

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