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Friedrich Nowottny wird 90 : Seine verschmitzte Hartnäckigkeit ist unerreicht

Wird am Donnerstag 90.: Friedrich Nowottny Bild: dpa

Politredakteur, ehemaliger WDR-Intendant und wohl bekanntester Journalist der Bonner Republik: Friedrich Nowottny zum 90. Geburtstag.

          Als Friedrich Nowottny noch keine sechzehn war, musste er in den Krieg. Er lag, wie er später einmal in einem Interview erzählte, neben seinem Vater im Schützengraben. Sein Vater, der wie er zum Volkssturm eingezogen worden war, fiel in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Mit Mutter und Schwester floh Friedrich Nowottny aus dem schlesischen Hindenburg nach Westfalen. Als er sechsundzwanzig war, arbeitete er als Redakteur bei der „Freien Presse“ in Bielefeld und wurde Ressortchef. Nur zehn Jahre später war Nowottny schon stellvertretender Chefredakteur des Saarländischen Rundfunks. Von dort ging es zum WDR und an den Ort des politischen Geschehens, mit dem Friedrich Nowottny jeder verbindet, der die „Bonner Republik“ erlebt hat. Tausend Mal präsentierte er den „Bericht aus Bonn“, bevor er im Juni 1985 sein Amt als Intendant des Westdeutschen Rundfunks antrat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So machte Friedrich Nowottny eine paradigmatische journalistische Karriere im Nachkriegsdeutschland. In seiner Vita spiegeln sich die Grunderfahrungen seiner Generation. Das merkte man seiner Arbeit vor der Kamera an, und es bestimmte auch sein Wirken hinter den Kulissen der ARD, die mit der Fusion der Radiosender Deutschlandfunk, Rias und Deutschlandsender Kultur und dem Aufbau von MDR und ORB (der später im RBB aufging) ihren Teil zur deutschen Einheit beizutragen hatte. Dafür war die fördernde Mitwirkung des Intendanten des WDR, des größten und reichsten ARD-Senders, und zwischenzeitlichen Vorsitzenden der ARD, als welcher Nowottny Anfang der neunziger Jahre fungierte, unbedingt vonnöten.

          Zu spaßen war mit ihm nicht

          Vor der Kamera hatte er zwei Dekaden lang dem politischen Spitzenpersonal mit einer verschmitzten Hartnäckigkeit auf den Zahn gefühlt, wie wir sie von Kollegen, die nach ihm kamen oder heute den Ton angeben, kaum kennen. Den Bundeskanzler Willy Brandt brachte er mit seiner Bitte um kurze Antworten in einem nur eine Minute und dreißig Sekunden währenden Interview einmal dazu, die Sache noch kürzer zu gestalten. Brandt sagte auf Nowottnys schnell gesprochene Fragen nur „ja“, „doch“ und „nein“. Im Internet ist das Video noch heute ein Renner.

          Bei aller Witzigkeit zeigt es, dass Nowottny stets nach der Sache fragte, für die Aufgeregtheiten, die der Bonner Betrieb täglich produzierte (der Berliner Betrieb tut es dank digitaler Verstärkung noch mehr), hatte Nowottny das Lächeln des Wissenden übrig, der das Wichtige vom Banalen zu unterscheiden weiß. Und dann sagte er zum Schluss immer nur: „Das Wetter“.

          Auf diese Weise hatte er sich in der Politik einen Ruf erarbeitet, der fast verhindert hätte, dass er 1985 Intendant des WDR wurde. Als Parteiloser und Unberechenbarer vorgeschlagen von der CDU, wurde er nur knapp und gegen den Widerstand der SPD gewählt. Und dann – trat er den Posten erst an, nachdem die in NRW regierende SPD den Plan eines „Vorschaltgesetzes“ zum WDR-Gesetz zurückgenommen hatte, das ihn als Intendant zum Lakaien gemacht hätte. Auch wenn Nowottny bei all den Weltlagen, die er schilderte, stets den Eindruck fröhlicher Zuversicht verbreitete, zu spaßen war mit ihm nicht.

          Zu unterschätzen war er auch nicht. Es gelang ihm sogar, den von ihm favorisierten Fritz Pleitgen als Nachfolger im Intendantenamt des WDR zu lancieren. Mit den Mätzchen von heute, dem Anchormen- und Haltung-zeigen-Gehabe, in dem sich Journalisten gefallen, hätte man Nowottny nie kommen können. Dafür mit etwas mehr anteilnehmender Verve beim Aufzeigen historischer Bezüge, was Nowottny, wie er einmal sagte, bei der Bundeskanzlerin doch vermisst. „Ich glaube, die kann eine derartige Kühle ausstrahlen, dass ein Kölsch, das etwas warm ist, in drei Sekunden zu Eis gefriert“, wird er aktuell von der Deutschen Presse-Agentur zitiert. Das hätte aus dem „Bericht aus Bonn“ sein können. An diesem Donnerstag feiert der Jahrhundertzeuge Friedrich Nowottny seinen neunzigsten Geburtstag.

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