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Der Journalist Claus Strunz : Das wär’ doch geil, oder?

  • -Aktualisiert am

Es ist schon alles gesagt worden, aber das meiste eben nicht so früh am Tag wie von Claus Strunz Bild: ullstein bild

Mit ihm kann man über alles reden: Über Neymar und den ADAC. Die Meinung von Claus Strunz hat Gewicht – zumindest im Frühstücksfernsehen von Sat.1. Das hat mehrere Gründe.

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          Es ist immer gut, einen Freund zu haben, mit dem man über alles reden kann. Für das Sat.1-Frühstücksfernsehen ist Claus Strunz so ein Freund.

          Seit Anfang des Jahres schaut er immer wieder mal vorbei, um zu irgendwelchen aktuellen Dingen irgendwas zu sagen. Die Moderatorinnen und Moderatoren sprechen mit ihm über Nazi-Hooligans und den Streit zwischen Heino und Jan Delay, über Christian Wulff und Uli Hoeneß, über den ADAC und Fußball. Es ist nie ganz klar, warum sie das tun, denn ein besonderer Experte für all diese Themen ist er nicht - damit wäre er für die Sendung auch überqualifiziert. Und so viel zitierfähigen Unfug wie sein Alleskommentatorenkollege Hajo Schumacher, der gerade Sepp Blatter als „Google des Fußballs“ bezeichnet hat, sagt er auch nicht.

          Ein Riesenjackpot

          Claus Strunz ist der Haus-„Journalist“ des Sat.1-Frühstücksfernsehens. Es ist einfach da, wenn einer der beiden Moderatoren mal mit jemand anderes über das Thema des Tages reden soll als mit dem anderen der beiden Moderatoren. Mal wird er vorgestellt als „unser Kommentator für alle Fälle“, mal wird er anmoderiert mit den Worten: „Was der ADAC jetzt tun sollte, weiß Claus Strunz.“ In der Einblendung steht: „Claus Strunz, Journalist“.

          In dieser Funktion sitzt er am Tag nach dem 7:1-Sieg dem Modemacher Michael Michalsky gegenüber, und sie reden über Thomas Müller, und Michalsky sagt, ohne den „wär’s auch nur halb so schön“, und Strunz sagt: „Bezaubernd, ein Hammer-Typ“, und hinter ihnen rascheln fünf Cheerleader in schwarzrotgoldenen Höschen mit ihren Puscheln.

          „Wir wollen mal kurz drüber reden“, sagt der Moderator später, „was ich gewonnen hätte, wenn ich hundert Euro auf ein 7:1 getippt hätte“, und Strunz antwortet: „Na ja, das wär ein Riesenjackpot. Vielleicht hat das ja einer gemacht.“ Der Moderator startet einen Aufruf an die Zuschauer, sich zu melden, wenn sie so getippt haben. „Morgen sitzen Sie dann mit Claus Strunz und mir hier am Tisch, das wär doch geil, oder, Claus?“ Und Claus lacht: „Dann wär mal Sachverstand da, ne?“ Am nächsten Tag ist allerdings weder ein Jackpotgewinner da noch Claus Strunz.

          Neymar wird man das vergessen

          Er ist gut darin, Sachen zu sagen, die alle sagen. Das tun in diesen WM-Tagen schon alle, aber Strunz steht sehr früh auf, um es im Sat.1-Morgenmagazin zu tun. „Diese WM wird darüber entscheiden“, sagte er Anfang der Woche, „wie Jogi Löw uns allen in Erinnerung bleibt: als großer Trainer oder nur als halbgroßer Trainer.“ Wer wollte dem widersprechen?

          Er findet es falsch, dass die WM 2022 in Qatar stattfinden soll, „was schon wie eine Krankheit klingt“, und eigentlich fand er es auch falsch, dass sie in Brasilien stattfindet, wegen der Proteste und allem. „Schon die Vorstellung, dass man Angst haben muss, wenn man da abends noch auf ein Bier geht!“ Wenn es vernünftige Standards gäbe für so ein Turnier, würde die WM nur in Europa stattfinden. Und die Milliarden, die die jetzt gekostet hat, hätte man lieber in Krankenhäuser und Schulen investieren sollen.

          Manchmal lässt er sich von der Pflichtlockerheit im Frühstücksfernsehambiente zu Witzigkeitsversuchen verleiten. Über das Brasilien-Spiel sagt er: „Nie mehr wird man das vergessen, oder: Neymar wird man das vergessen“, und das gequälte „Hahahaha, Claus Strunz“ des Moderators muss der beste Moment im Sat.1-Programm dieses Tages gewesen sein.

          Weil er als Chefredakteur von „Bild am Sonntag“ und „Hamburger Abendblatt“ einfach zu erfolgreich war, hat Strunz seit zweieinhalb Jahren eher unauffällig als Geschäftsführer des Bereiches TV- und Videoproduktionen bei Axel Springer gewirkt, was aber offenbar keine tagesfüllende Tätigkeit ist. Insofern war es für ihn ein Glück, dass Springer N24 gekauft hat und damit auch Maz & More, die Firma, die das Frühstücksfernsehen für Sat.1 produziert und die nun Strunz, wie es hieß, „gewinnen konnte“, in die Geschäftsführung einzutreten und das Programm zu verantworten.

          Er wird in der Sendung aber vorerst weiter als „Journalist“ vorgestellt und nicht als „Chef“.

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