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Früherer NDR-Chef Jobst Plog : Unabhängig und frei

Einstiger Intendant des NDR und ARD-Vorsitzender: Jobst Plog. Bild: SvenSimon

Jobst Plog war Intendant des NDR und Vorsitzender der ARD. Er war Freiheitskämpfer und Chefunterhändler. Er rettete Arte, holte Beckmann, Schmidt und Jauch ins Erste. Was noch? Heute wird Jobst Plog achtzig.

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          Jobst Plog sah immer mehr als die anderen. Und er handelte danach. Mutig, unerschrocken, mit großem Verhandlungsgeschick, wenn es sein musste, aber auch knallhart, vertrat er seinen Standpunkt und holte in seiner Zeit als Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Vorsitzender der ARD und Präsident des deutsch-französischen Kultursenders Arte das Beste für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk heraus.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So erkannte er, als er 1991 sein Amt beim NDR antrat, dass der Sender am parteipolitischen Geschacher in den Aufsichtsgremien zugrunde zu gehen drohte. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk“, sagte er dieser Zeitung einmal, „wird pervers, wenn die Politik die Macht übernimmt.“ Also begrenzte er diese Macht. Das gelang ihm vorbildlich, wie er es nach der deutschen Einheit auch vermochte, den NDR zur Vierländeranstalt zu machen. Mecklenburg-Vorpommern, das von Berlin und Brandenburg umworben worden war, schloss sich dem NDR an. Plog begriff als Erster und lange Einziger hierzulande, was geschehen wäre, hätte der französische Staat den Kultursender Arte 1999 in die geplante Holding France Télévision integriert: Mit der Unabhängigkeit des deutsch-französischen Kulturkanals wäre es vorbei gewesen. Dagegen stand Plog auf und sicherte sich so einen Platz in der jüngeren europäischen Rundfunkgeschichte.

          Gegen scheinbar übermächtige Gegner anzutreten bereitete dem die geschliffene Rede pflegenden Juristen Vergnügen. Reformen anzuregen ebenfalls – im Programm des NDR, beim Finanzausgleich der ARD, in der Konkurrenz zu den Privatsendern. Und er steuerte das Seine zu spektakulären Zugängen fürs erste Programm bei: Reinhold Beckmann (inklusive Fußballbundesliga), Harald Schmidt und schließlich Günther Jauch. Das Credo von Jobst Plog, der am 26. Februar 1941 in Hannover geboren wurde und in Hamburg, Göttingen und Paris Jura studierte, lautete bei all dem, wie er einmal sagte: „Liberalität, Weltoffenheit, Neugier, Tabuverletzung“. Unabhängigkeit war sein Stichwort. Auf seine Weise wirkte Jobst Plog als Intendant (bis 2008) als Freiheitskämpfer und Chefunterhändler der Demokratie. Mit Stil, Charme, Klugheit und taktischem Gespür. Heute wird er achtzig.

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