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Französische Komödie im Ersten : Der alte Mann und die WG

  • -Aktualisiert am

Das sind die Konditionen: Constance (Noémie Schmidt) und Henri (Claude Brasseur) schließen einen Mietvertrag. Bild: ARD Degeto/Neue Visionen Filmver

Henri bekommt von seinem Sohn eine junge Untermieterin verpasst. Das behagt dem alten Grantler gar nicht. Doch dann ändert sich alles. „Frühstück bei Monsieur Henri“ ist eine sehr französische Sommerkomödie.

          Grummeliger alter Mann trifft chaotische junge Frau. Sie wirbelt sein Leben durcheinander, er gibt ihr Selbstvertrauen und ein Quentchen Weisheit mit auf den Weg. Ein bewährtes Erzählrezept, besonders in französischen Komödien, die in den letzten Jahren auch in Deutschland sehr erfolgreich waren, vor allem, wenn sich die alten Herren arg politisch unkorrekt gaben, wie aktuell im Kino zu sehen in „Die brillante Mademoiselle Neïla“.

          Darauf verzichtet „Frühstück bei Monsieur Henri“ allerdings, hier bleiben die Konflikte weitgehend privat. Einzige Ausnahme: das Problem der astronomischen Pariser Mietpreise, die Menschen mit niedrigen Einkommen das Leben in der Stadt nahezu unmöglich machen. Darunter leidet auch die Studentin Constance (Noémie Schmidt), die ihren Augen nicht traut, als sie ein Zimmerangebot in einer schicken Altbauwohnung für 250 Euro monatlich entdeckt. Dort wäre sie die Mitbewohnerin von Henri (Claude Brasseur), einem Steuerberater in Rente, dem der Gedanke, sein Heim nach mehreren Jahrzehnten plötzlich mit jemandem teilen zu müssen, überhaupt nicht behagt. Doch sein Sohn Paul (Guillaume de Tonquedec) besteht darauf, weil er sich jemanden wünscht, der rund um die Uhr ein Auge auf seinen gesundheitlich angeschlagenen Vater hat.

          IQ eines Goldfisches

          Trotz mehrerer Versuche Henris, Constance die Wohnung madig zu machen, zieht sie also ein und verabschiedet sich erleichtert von ihrem Vater, der eigentlich wollte, dass sie seinen Gemüsestand weiterführt, und jede andere Ambition seiner Tochter stets im Keim zu ersticken suchte. Und während sie ihren eigenen elterlichen Konflikten damit vorerst entkommt, warten in Paris schon neue. Denn auch das Verhältnis von Henri und Paul ist angespannt, was vor allem daran liegt, dass Henri seine Schwiegertochter Valérie (Frédérique Bel) verabscheut und befürchtet, sein potentielles Enkelkind könne bei dieser Mutter höchstens den IQ eines Goldfisches ausbilden.

          Als Henri bemerkt, wie sehr Constance mit dem Geld knapsen muss, wittert er die Chance für einen letzten Versuch, das Leben seines Sohnes zum Besseren zu wenden. Im Gegenzug für sechs Monate Mietfreiheit soll Constance Paul den Kopf verdrehen. Keine Affäre beginnen, das sei gar nicht nötig, aber ihm so viel Selbstsicherheit geben, dass er sich endlich zutraut, eine bessere Partie als Valérie finden zu können. Constance weigert sich zunächst, doch als Henri mit dem Rauswurf droht, sieht sie keinen anderen Ausweg und wirft Paul schon bald mit ihren Avancen völlig aus der Bahn.

          Auch diese Handlungsidee ist nicht eben neu, doch schickt der Regisseur und Autor Ivan Calbérac seine Darsteller mit viel Schwung auf die ausgetretenen Pfade und eröffnet regelmäßig unerwartete Abzweigungen. Er nimmt die Entwicklung seiner Figuren ernst und lässt sie, mit Ausnahme der als Karikatur angelegten Valérie, schnell ihren Genre-Schablonen entwachsen. Bei der Besetzung der Hauptrollen hat Calbérac mit dem französischen Filmstar Claude Brasseur und der Schweizerin Noémie Schmidt, hier in ihrer ersten Kinorolle zu sehen, einen Glücksgriff getan. Der Film lebt vom Spiel der beiden, ihrem pointierten Schlagabtausch im Dialog und von allem, was sie so miteinander aufführen, etwa wenn Valérie irgendwann wie selbstverständlich in Henris Pantoffeln steigt oder ihm etwas zu essen an den Wohnzimmertisch bringt, das er dann umgehend in die Küche zurückstellt.

          Die besten Szenen spielen sich in der Wohnung ab, was nicht überrascht angesichts der Tatsache, dass Calbérac mit dem Film sein eigenes Theaterstück adaptiert hat. Das komödiantische Gerüst der romantischen Intrige ist mitunter nicht ganz überzeugend, bleibt aber doch dezent genug, um den melancholischen Momenten zwischen Vermieter und Untermieterin nichts an Wirkung zu nehmen. Es verschwindet dann rechtzeitig ganz in den Hintergrund, um die Träume und Ängste der beiden auszuleuchten und aufrichtig die Frage zu stellen, was sich zwei Menschen mit ähnlichen Temperamenten zu geben haben, von denen einer am Anfang und einer am Ende seines Lebens steht.

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