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Film über Colin Kaepernick : Niederknien, um aufzustehen

Kontroverse Demonstration gegen Rassismus: Der Football-Spieler Colin Kaepernick (Mitte) kniet 2016 zwischen seinem Kollegen Eric Reid (links) und dem Veteranen Nate Boyer (rechts) im Stadion, während die Nationalhymne gespielt wird. Bild: © Broadview TV/Arte

Er setzte das Zeichen der Stunde zuerst: Arte zeigt einen Film über Colin Kaepernick, der in die Knie ging, um gegen Gewalt und Rassismus zu demonstrieren. Das kostete ihn seine Karriere. Woher rührte seine Stärke?

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          Zu Abertausenden beugen sie die Knie, nicht nur in Amerika: Menschen, die gegen Rassismus, Polizeigewalt und ihre tödliche Verbindung in den Vereinigten Staaten aufbegehren. Das grausame Ende des Afroamerikaners George Floyd – erstickt nach fast neun Minuten mit dem Nacken unter dem Knie eines Polizisten – treibt sie auf die Straßen. Mancherorts eskalieren die Proteste in blinde Aggression. Doch jenseits von Gewalt und Gegengewalt gehen vor allem Bilder von niederknienden Demonstranten um die Welt; von Polizisten, die es ihnen gleichtun, um sich solidarisch zu zeigen; von Politikern, die kniend ihren Standort bestimmen, wie Joe Biden.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Der wahrscheinliche Herausforderer Donald Trumps beim kommenden Wahlkampf um das Weiße Haus ließ sich am Montag auf Knien in der Bethel African Methodist Episcopal Church in Wilmington im Bundesstaat Delaware fotografieren. Gemeindemitglieder mit dunkler Hautfarbe stärken dem Demokraten hinter ihm stehend den Rücken.

          Es ist das Gegenbild zu Trumps Kampfansage vom selben Tag als „Law and Order“-Präsident mit den Mitteln der politischen Ikonographie: Allein, mit halb drohend, halb wie zum Schwur hochgereckter Bibel in der rechten Hand stellt er sich den Fotografen auf dem zuvor rigoros geräumten Platz vor der St. John’s Church in Washington D.C., der Hauskirche der Präsidenten, die von Demonstranten beschädigt wurde. Trumps Geste wirkte wie die feindliche Spiegelung der erhobenen Faust der in den sechziger Jahren geborenen „Black Power“-Bewegung, die man nun ebenfalls auf den Straßen sieht.

          Das beherrschende Zeichen aber der jungen, globalen Bewegung „Black Lives Matter“, die von drei amerikanischen Aktivistinnen 2013 per Hashtag als Reaktion darauf lanciert wurde, dass der afroamerikanische Teenager Trayvon Martin von einem Polizisten erschossen worden war, ist das Niederknien. Es hat das Sich-auf-den-Rücken-Legen, den symbolischen „Die-in“ abgelöst – weil ein Spieler der National Football League 2016 auf Knien ein noch stärkeres Zeichen gesetzt und damit einen Sturm der Entrüstung, ja Abscheu, aber auch der Solidarität entfacht hat: Colin Kaepernick.

          Kniefall: Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden in der Bethel African Methodist Episcopal Church in Wilmington, Delaware am 1. Juni dieses Jahres.
          Kniefall: Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden in der Bethel African Methodist Episcopal Church in Wilmington, Delaware am 1. Juni dieses Jahres. : Bild: AFP

          Mit dem schon im vorigen Jahr fertiggestellten Dokumentarfilm „Ein amerikanischer Held“, der die Geschichte dieses inzwischen ikonischen Sportlers und Aktivisten erzählt, hat Arte einen hochaktuellen und aufschlussreichen Beitrag zu den Geschehnissen dieser Tage im Programm. Es geht um einen Mann, der ins Herz des amerikanischen Nationalstolzes traf, weil er sich dem Verhaltenskodex für die säkular-patriotische Messe innerhalb des Millionen-Dollar-Business NFL verweigerte. Statt sich stehend mit der Hand auf dem Herzen und der Nationalhymne auf den Lippen dem Sternenbanner zuzuwenden, wie es Spieler und Zuschauer vor jedem Spiel in der Liga tun – was besonders seit dem 11. September 2001 als Respektsbezeugung gegenüber den Truppen und Veteranen des Landes gilt –, blieb Kaepernick erst sitzen, später kniete er.

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