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Dokufilm „Dads“ bei Apple TV+ : Vater sein dagegen sehr

Gruppenbild mit Vätern: Reece (links) und Rob Scheer mit ihren Kindern. Bild: Apple TV+

Die Schauspielerin Bryce Dallas Howard legt einen Film über Mannsbilder vor. In „Dads“ verraten Promis wie Will Smith oder Conan O’Brian, wie sie ihre Rolle verstehen. Und dann gibt es Väter, von deren Geschichte sich jeder eine Scheibe abschneiden kann.

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          Rob Scheer wusste schon mit sechs Jahren, was er einmal werden wollte: Vater. Das könnten wir ihm glauben oder nicht, sagt er in die Kamera von Bryce Dallas Howard, aber es ist so. Vater sein wollte er schon immer. Und sein Mann Reece wollte es auch. Von seinem eigenen Vater wurde Rob misshandelt, als Jugendlicher war er obdachlos. Heute ist er Vater von vier Kindern, die er und sein Partner adoptiert haben, lebt mit seiner Familie auf einem Bauernhof in Darnestown, Maryland, und sagt: „Ich habe das große Los gezogen.“

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Vater werden, Vater sein, Vaterschaft – was ist das, wie war das, früher und heute, worum geht es da? Ron Howard, der berühmte Regisseur, der seit mehr als vierzig Jahren erfolgreich Filme dreht und für „A Beautiful Mind“ zwei Oscars gewann, sagt seiner Tochter Bryce Dallas in ihrem heute bei Apple TV+ startenden Film „Dads“, auf drei Dinge komme es an: Liebe, Sicherheit und darauf, ein gutes Vorbild zu geben.

          Genauso sehen das auf die eine oder andere Art und Weise auch die anderen Väter, welche die Schauspielerin Bryce Dallas Howard („Black Mirror“, „Jurassic World“) vor die Kamera holt. Und weil die Herrschaften aus dem Showbusiness kommen, wissen sie, wie man das in Selbstzeugnissen unterhaltsam verpackt und sich selbst auf die Schippe nimmt. Wenn Judd Apatow, Jimmy Fallon, Neil Patrick Harris, Ron Howard, Ken Jeong, Jimmy Kimmel, Hasan Minhaj, Conan O‘Brien, Patton Oswalt, Will Smith und ein paar mehr vorsprechen, herrscht an Pointen kein Mangel.

          Eindrucksvoll wissen sie von Pleiten, Pech und Pannen zu berichten, vom Windelwechseln, Füttern, In-den-Schlaf-Wiegen und Vorlesen, als die Kinder klein und süß waren; und von dem zunehmend anspruchsvollen Konfliktmanagement, als die Kinder größer und zu sehr widerspenstigen Teenagern wurden.

          Die Geschichten der weniger prominenten Väter, von denen Bryce Dallas Howard in ihrer Dokumentation erzählt, sind nicht auf Pointe angelegt, sondern gehen ohne Umwege ans Herz. Robert Selby erzählt vom Leben seines Sohn Chace auf Instagram unter dem Titel „Thelifeofchaceelijah“. Chace hat einen seltenen Herzfehler, er muss über eine Magensonde ernährt werden. Vor dem Spiegel sehen wir beide beim Zähneputzen und mit Magensonde – der Vater hat sich eine auf den Bauch geklebt.

          Tochter und Vater: Bryce Dallas und Ron Howard.
          Tochter und Vater: Bryce Dallas und Ron Howard. : Bild: Apple TV+

          Thiago Queiroz aus Brasilien berichtet ebenfalls auf Instagram von seiner Familie, den Kindern, dem Leben als Vater und Hausmann. Seinen eigenen Vater habe er nie kennengelernt, erzählt er und dann – tauchte der plötzlich doch auf, als Queiroz im Internet und durch einen Väter-Podcast, den er mit Freunden betreibt, Aufmerksamkeit erregte.

          Der Japaner Shuishi Sakuma hat in seiner Rolle als Vater und ebenfalls „Hausmann“ (der Begriff beschreibt im Deutschen ebenso wie „Hausfrau“ die Position sehr unzureichend) mit allem gebrochen, was das traditionelle Männerbild – nicht nur – in Japan ausmacht, er hat die Hundertsechzigstundenwoche im Büro gegen ein anderes Leben eingetauscht und bereut es nicht. Glen „Beleaf“ Henry schließlich dokumentiert sein Familienvatersein von Beginn an, wie man bei Youtube oder Instagram nachsehen kann. Das beginnt mit der üblichen Überforderung beim ersten Kind – für nichts gibt es eine Anleitung, kein Drehbuch, nirgends, beschwert sich Will Smith; „Wipe my butt, Daddy“, befiehlt Henrys Töchterchen. Und führt schließlich zu einer Diskussion, in der die Henrys mit ihren Söhnen darüber sprechen, was es bedeutet, in den Vereinigten Staaten schwarz zu sein.

          In all dem erklärt sich, was es mit Vaterschaft auf sich hat. Die Promis reden darüber: Conan O‘Brien weiß von der heilsamen Erkenntnis, dass man selbst nicht der wichtigste Mensch auf der Welt ist und davon, dass er bei Gesprächen am Familientisch in Gedanken seinen Körper verlässt, von oben draufschaut und denkt: Genau das ist es! Ken Jeong verrät, dass er wohl ein „Honeybag Dad“ ist. „Love and Lemon“ wird uns als Erziehungsgrundsatz empfohlen. Wie man das alles macht, wissend, dass es nie perfekt wird, aber das einzig Wahre ist, zeigen vor allem die sechs nicht prominenten Väter.

          Für „Dads“ hat sich Bryce Dallas Howard selbstverständlich die Richtigen ausgesucht – keine abwesenden, Kinder und Familie vernachlässigenden, gar gewalttätigen Defizit-Figuren, wie sie oft genug auftauchen. Bryce Dallas Howard hat kein Problemstück mit geschlechterpolitischer Mission gedreht. Es ist auch kein seichter Männerwohlfühlfilm. Es ist eher eine Hommage, bei der schon herauskommt, was Kinder und Mütter von Vätern und diese von sich selbst erwarten dürfen. Und weil es dabei auch um ihren eigenen Vater geht, der eigentlich nicht vor die Kamera wollte, um ihren verstorbenen Großvater und ihren jüngeren Bruder, der gerade Vater geworden ist, ist es auch ein Familienfilm von Bryce Dallas Howard, und zwar von Beginn an. Denn da sehen wir in verwackelten Bildern, wie Cheryl und Ron Howard im März 1981 in einem Krankenhaus von Los Angeles Eltern einer Tochter werden, deren späterer Karriere als Schauspielerin sich ja vielleicht eine als erfolgreiche Regisseurin hinzugesellt. „Dads“ spräche dafür.

          Dads startet heute bei Apple TV+.

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