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„Zweimal lebenslänglich“ im ZDF : Eine Frau kettet sich an

  • -Aktualisiert am

Halten zusammen: Felix Klare und Julia Koschitz als Paar in Bedrängnis Bild: ZDF und Marion von der Mehden

Er sei gleich wieder da, sagt er noch, als er abgeführt wird. „Zweimal lebenslänglich“ erzählt die Geschichte eines Urteils und seiner Folgen. Julia Koschitz trägt sie in ganz einzigartiger Weise.

          „Menschen tragen manchmal Masken“, heißt es. Was ist, wenn ein Mensch immer eine Maske trägt? Wie gut kennen wir diejenigen wirklich, die uns vermeintlich vertraut sind? Mit dieser Frage sieht sich Franziska Dreyer (Julia Koschitz) auf existentielle Weise konfrontiert. Ihren liebevollen, fürsorglichen Freund zu kennen, davon war sie überzeugt. Mit seiner Verhaftung hat sie nicht gerechnet. „Mach dir keine Sorgen, ich bin gleich wieder da“, sagt Sebastian (Felix Klare), als er in Handschellen abgeführt wird. Acht Monate später sitzt der wegen Mordes Angeklagte noch immer in Untersuchungshaft. Bei der Verlesung des Urteils wird um Franziska alles still, nur gedämpft hört sie die Stimme des Richters, dann sinkt sie ohnmächtig zu Boden. 23 Jahre Haft soll Sebastian verbüßen. Alle Beweise sprechen für seine Schuld. Könnte er in Wahrheit nicht der sein, für den Franziska ihn hält?

          Benommen kehrt sie in ihre Wohnung zurück. Allein geht sie ins Schlafzimmer, in dem sie Rosenblätter verstreut hatte. Sie hatte fest mit einem Freispruch gerechnet. Nun kann sie ihren Geliebten nicht einmal sehen. Franziska erfährt, dass Sebastian eine Affäre mit dem Mordopfer hatte, doch das erschüttert ihren Beistand nicht. Obwohl er sie hintergangen und während des Prozesses gelogen hat. Sie glaubt an seine Unschuld, will ihn heiraten. Im weißen Brautkleid betritt sie das Gefängnis, die Trauung findet in einem tristen, kalten Raum statt. „Mal was anderes“, sagt Franziskas Freundin Melanie (Ellen Schlootz), mit der sie in der Erinnerung an glückliche Zeiten schwelgt. Ihr Hochzeitsgeschenk wird die Revision des Urteils sein, weiß Franziska.

          Eine Figur mit vielen Schichten

          Doch das ist nur eine vage Hoffnung. Je länger Sebastian in Haft ist, desto größer werden Franziskas Zweifel. Gleichwohl hängt ihr Leben von demjenigen ihres inhaftierten Mannes ab. Sie gerät selbst in Einzelhaft. Freunde reagieren gleichgültig oder wenden sich von ihr ab. Florian (Godehard Giese), ein Freund Sebastians, erkennt, was mit Franziska geschieht: „Sie ist mitverurteilt. Wenn sie bei dir bleibt, dann kriegt sie auch lebenslänglich.“

          Hochzeit hinter Gittern: Franzi und Sebastian heiraten im Gefängnis.

          Was ist das für eine Frau – die ihr Leben so sehr an das eines anderen kettet, dass nichts davon übrig zu bleiben droht? Die Drehbuchautorin Katrin Bühlig hat die Figur mit vielen Schichten angelegt, die als Stärken oder Schwächen ausgelegt werden können und die Julia Koschitz allesamt darzustellen weiß. „Zweimal lebenslänglich“, bei dem der für Seelen-Kammerspiele bekannte Regisseur Johannes Fabrick die Fäden zieht, ist zwar ein Film mit zwei Hauptrollen, aber auch, ohne den Part von Felix Klare abwerten zu wollen, ein Solo für Julia Koschitz, welche die Geschichte über neunzig Minuten in ganz einzigartiger Weise trägt.

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