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TV-Film: „Die vermisste Frau“ : Für eine Million kann man das machen

  • -Aktualisiert am

Karen (Corinna Harfouch) geht auf Tauchstation. Aber nicht lange. Bild: ARD Degeto/Conny Klein

Hier betrügt jeder jeden: In der schwarzen Komödie „Die vermisste Frau“ wird eine Versicherungsfirma geprellt.

          Die Vorteile einer Risikolebensversicherung liegen auf der Hand: Wenn den Ehepartner das Zeitliche segnet, kann man das Haus abbezahlen und Dinge regeln, die ohne Versicherung schnell in eine Katastrophe mündeten, weil das gewohnte Einkommen von Jetzt auf Gleich fehlt. Über den Nachteil der Wette auf den Tod wird eher selten gesprochen: Die Police kann für denjenigen, auf dessen Namen sie läuft, eine erhebliche Lebenszeitverkürzung bedeuten.

          Karen (Corinna Harfouch) erfährt das auf schmerzhafte Weise. Ihr war nicht entgangen, dass Ehemann Georg (Jörg Hartmann) in finanzielle Nöte gerutscht war. Sie verfiel sogar auf den Gedanken, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Aus Liebe macht man die unglaublichsten Sachen. Das Vorhaben, mit dem die schwarze Komödie „Die vermisste Frau“ einsetzt, erweist sich allerdings schon beim Abfassen des Abschiedsbriefs als schwer durchführbar. Karen verlässt der Mut, die Pistole drückt sie nicht ab. Sie verbringt die Nacht stattdessen mit einer Flasche Rotwein im Freien. Auch der Versuch, beschwipst ins Wasser zu gehen, endet mit einem klatschnassen Häuflein Elend am Ufer des Sees. Bedröppelt stiehlt sie sich davon. Ihr Gatte findet den Abschiedsbrief fand und alarmiert die Polizei.

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          Schmerzhafter ist die Erkenntnis, die Karen danach im Versteck einer Pension schrittweise kommt: Der gute Georg hat weder ein Menschenopfer noch die Million von der Versicherung verdient. Nicht nur ist seine Trauer über ihr Verschwinden ziemlich schwach ausgeprägt. Was sich zeigt, als sie ihn wieder aufsucht: „Ich dachte, Du bist tot“, „Bin ich nicht“, „Das ist ja ... schön.“. Er hatte ihre Abwesenheit auch falsch interpretiert – weil er einen Killer auf Karen angesetzt hatte.

          Eine groteske Geschichte, streng wie ein Avantgarde-Thriller gefilmt von Hagen Bogdanski, der bekanntlich für Filme wie „Das Leben der Anderen“ oder Madonnas „W.E.“ hinter der Kamera stand und aktuell zum Erfolg der amerikanischen Agentenserie „Berlin Station“ beiträgt. Bei der „vermissten Frau“ hat er vor allem an Leuchtreklamen von Tankstellen und Bars einen Narren gefressen und am Gesicht von Ulrich Matthes in der Rolle des angeheuerten Killers. Atmosphärisch macht das was her.

          Allerdings verliert der Film rasch die innere Spannung. Jörg Hartmann kippt bei der Verkörperung des skrupellosen, ungeniert nach dem Geld schielenden Ehemanns zusehends Richtung Klamauk. Nebenfiguren wie die Kraftmeier, die Georg zeigen, wo der Spaten hängt, oder die dunkelhäutige, zum Tragen einer blonden Perrücke genötigte Nachtclubschönheit Mona (Lorna Ishema) werden wie komödiantische Knallerbsen in die Story geworfen. Außerdem bekommt die verrückte Handlung, geschrieben von Horst Sczerba, der auch Regie geführt hat, gerade zum Schluss hin einige Drehungen zu viel.

          Wenn man „Die vermisste Frau“ einschalten mag, dann wegen Corinna Harfouch als Karen: eine melancholische, zu Beginn recht warmherzige Frau jenseits des Nervenzusammenbruchs. Die Figur ist aber, wie die des Counterparts Georg, zu naiv angelegt. Wie sich diese Karen von einer liebenden, aufopferungswilligen Ehefrau in einen Racheengel verwandelt, der weiß, was es heißt, jemandem den kleinen Finger zu reichen: Das ist dank Corinna Harfouch denn doch ein gehöriger Spaß.

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