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Fernsehfilm „Der Fall Barschel“ : Es kann nur Mord gewesen sein

Was hat das zu bedeuten? David Burger (Alexander Fehling, links) und Olaf Nissen (Fabian Hinrichs) recherchieren für die „Neue Hamburger Zeitung“. Bild: ARD Degeto/Stephan Rabold

Am 11. Oktober 1987 wurde in Genf die Leiche des Politikers Uwe Barschel gefunden. Sein Tod ist bis heute ungeklärt. „Der Fall Barschel“ rollt den größten Polit-Skandal im Nachkriegsdeutschland auf. Etwa Besseres als diesen Film bekommt man so schnell nicht im Fernsehen geboten.

          An das Bild erinnert sich jeder, der in den achtziger Jahren das politische Geschehen verfolgte: der tote Uwe Barschel in der Badewanne des Zimmers 317 des Genfer Hotels Beau Rivage. Ein Fotograf des „Stern“ schoss das skandalöse Bild am 11. Oktober 1987. Die Zeitschrift hob es auf den Titel und dokumentierte damit scheinbar das Ende einer Affäre, die bis heute unter dem Rubrum „Barschel-Skandal“ läuft.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Damals schien alles klar, es schien alles zusammenzupassen: Der ehemalige CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein war kurz zuvor mit Schimpf und Schande aus dem Amt geschieden, weil er angeblich seinen Konkurrenten Björn Engholm von der SPD bespitzeln und denunzieren ließ. Barschel hatte in seiner berühmten „Ehrenwort“-Pressekonferenz beteuert, von den Aktionen seines Medienreferenten Reiner Pfeiffer nichts gewusst zu haben. Da war Barschel noch im Amt. Als er sich hernach bei verschiedenen Angaben in Widersprüche verstrickte und Mitarbeiter zu falschen eidesstattlichen Erklärungen anstiftete - die Presse bombardierte ihn mit Anfragen -, trat er am 2. Oktober zurück. Der „Spiegel“, der die Affäre einen Tag vor der Landtagswahl im September losgetreten hatte, schien zu triumphieren.

          Er überlebt den Absturz als einziger

          Am 31. Mai 1987, bevor sich die Ereignisse überschlugen, hatte Uwe Barschel wie durch ein Wunder als Einziger einen Flugzeugabsturz überlebt. Nun, in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober desselben Jahres, hatte er sich das Leben genommen: So wurde es hingenommen und von vielen Journalisten, die an der Jagd auf Barschel beteiligt waren, geschluckt. Und so könnte es gewesen sein. Doch es spricht sehr wenig dafür, dass es so war.

          Heute weiß man, dass Barschel von Pfeiffers Aktionen (anonyme Steueranzeige gegen Engholm, Überwachung durch Detektive, Telefonterror) höchstwahrscheinlich nichts wusste. Heute weiß man, dass sich Pfeiffer der SPD andiente und er den Sozialdemokraten von den Aktionen, mit denen ihn Barschel angeblich beauftragt hatte, erzählte, dafür 40.000 Mark bekam, weshalb der SPD-Minister Jansen und später, 1993, der SPD-Ministerpräsident Björn Engholm im Zuge der „Schubladenaffäre“ zurücktreten mussten. Der vermeintliche „Barschel-Skandal“ wurde zum „Pfeiffer-“ und „Engholm-Skandal“. Aber wie starb Barschel? Dass er sich umbrachte, erscheint unwahrscheinlich. Es spricht vielmehr alles dafür, dass alles unternommen wurde, die Dinge so erscheinen zu lassen, wie das Zeitschriftencover es nahelegte: Suizid. Doch wenn Barschel ermordet wurde, von wem? Haben wir es mit einem Staatskomplott zu tun?

          An diesem Punkt setzt der Film „Der Fall Barschel“ des Regisseurs Kilian Riedhof ein, der – um es vorweg zu sagen – zum Besten gehört, was das deutsche Fernsehen seit Jahren hervorgebracht hat. Riedhof und mit ihm die hartnäckige Produzentin Ariane Krampe haben die Geschichte des Uwe Barschel zu so etwas wie ihrer Mission gemacht. Das konnte man beim Besuch am Set erleben. Der Regisseur Riedhof, von dem Schauspieler begeistert sind, weil er sie spielen lässt, ist vom Fall Barschel „kontaminiert“, wie er sagt. Er glaubt keine Sekunde an die Theorie vom Suizid, und das nicht, weil ein Mord als Erklärung nun einmal schlicht „spannender“ ist.

          War es etwa Sterbehilfe?

          Zur persönlichen Mission wird der Fall Barschel in Riedhofs Film auch dem Journalisten David Burger (Alexander Fehling), der mit seinem Kollegen Olaf Nissen (Fabian Hinrichs) die Geschichte recherchiert, sich aber eben nicht damit zufrieden gibt, dass Barschel sich aus Verzweiflung umgebracht habe oder habe umbringen lassen. Während Nissen die Theorie von der Sterbehilfe als Wahrheit ausgibt und auf den Titel hebt, trifft Burger auf den Detektiv Lombard (Patrick Hastert), der unter mysteriösen Umständen stirbt, besucht den südafrikanischen Waffenhändler Steenkamp (Rolf Lassgard) in Beirut, lässt sich von seiner vermeintlichen Kollegin Giselle Neumayer (Antje Traue) düpieren, die, wie auch sein Kollege Nissen, über so erstaunlich gute Kontakte zum BND verfügt, dass sich Burger nur noch wundern kann. Alles scheint mit allem zusammenzuhängen. Es geht um Waffengeschäfte, die über die Bundesrepublik, die DDR, Südafrika und Israel abgewickelt wurden, um die Iran-Contra-Affäre, den BND, den Mossad, den südafrikanischen Geheimdienst, die CIA. Und mitten in diesem Szenario, das am 10. Oktober 1987 eine Reiher dubioser Gestalten in Genf zusammenführte, steht Uwe Barschel (Matthias Matschke), der bei dem anstehenden Untersuchungsausschuss in Kiel zu all dem angeblich auspacken will und auf seinen Kontaktmann „Roloff“ wartet. Und dann ist Barschel tot.

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