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„Der Fall Mollath“ im Ersten : Von Schwarzgeld wollte niemand etwas wissen

  • -Aktualisiert am

Mollath war in der Zeit der Trennung von seiner Frau in einem Ausnahmezustand; es hätte dem Film nicht geschadet, das deutlicher herauszuarbeiten. In seiner Anzeige geißelte er eine „geldgeile Gesellschaft“, die ein weites Spektrum habe, „von der Haushaltshilfe über Beamte, zum Arzt oder Apotheker. Rentner, denen Sie ein gutes Werk tun wollten, Sie tod umfallen würden, wenn Sie wüssten wieviele Millionen die besitzen. Gealterte Blondinen, alles, was man sich vorstellen kann.“

Fehler in den schriftlichen Urteilsgründen

Die Erfahrung, dass auch aufgewühlte, verwirrte Anzeigeerstatter richtige Hinweise geben können, sollte der Justiz nicht fremd sein. Im Mollath-Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags ist die Staatsanwältin, der die Anzeige vorlag, als Zeugin gehört worden. Sie war damals in ihren beruflichen Anfangsjahren. War sie einfach überfordert, wie es ihre teilweise hilflosen Einlassungen nahelegen? Kamen im Fall Mollath gleich mehrere Überforderungen zusammen?

Der Ausschuss vernahm auch den Richter, der den Vorsitz in der Verhandlung führte, bei der sich Mollath wegen angeblicher Tätlichkeiten gegen seine Frau und Reifenstechereien verantworten musste. Ganz zum Schluss seiner Aussage sagte der Richter, er habe in dieser Zeit seine schwerkranke Frau gepflegt und nur wenige Stunden schlafen können - so erklärten sich auch Fehler in den schriftlichen Urteilsgründen.

Eine Fülle an Verschwörungstheorien 

Gleich im ersten Satz wird ein falsches Jahr als Tatzeit genannt; die Beweiswürdigung erschöpft sich darin, dass referiert wird, an der Glaubwürdigkeit von Petra Mollath gebe es „keinen Zweifel“. Im Film kommt ein früherer Schöffe zu Wort, der an der Hauptverhandlung beteiligt war; er schildert, dass der Vorsitzende Mollath immer das Wort abgeschnitten habe, wenn der Angeklagte auf Schwarzgeldtransaktionen zu sprechen kommen wollte.

Alles eine Überforderung eines übernächtigten, von Sorgen um seine Frau gepeinigten Richters, der als Einziger das Urteil unterschrieben hat? Wenig verwunderlich, dass Verschwörungstheorien ins Kraut schießen, zumal ein Aktenvermerk der Steuerfahndung bekanntgeworden ist, in dem mit Bezug auf Mollath „Spinner“ notiert wurde.

Vorausgegangen war ein Telefonat eines Steuerfahnders mit dem Richter, weit vor der Zeit der Hauptverhandlung. Im Landtag äußerte sich der Richter auch dazu, dass er den Mann kenne, den Petra Mollath nach ihrer Scheidung von Gustl geheiratet hat - aus einer gemeinsamen Zeit in einem Handballverein. Er sei Trainer gewesen, der Mann Spieler - das liege aber lange zurück. Im Film wollte er nichts dazu sagen. Petra Mollath, die jetzt einen anderen Nachnamen trägt, hat inzwischen eine „Ausbildung zur Geistheilung“ absolviert; sie bietet Hilfe an für „Menschen, die das Leben aus der Spur geworfen hat“.

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