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Dokumentarfilm im Ersten : Gerechtigkeit für Hannelore Kohl

Feuer geben: Hannelore Kohl bei einer Reise in den Vereinigten Staaten. Bild: NDR/Helmut R. Schulze - Edition

Wer war sie, „die erste Frau“ des Kanzlers der Einheit? Ein Dokumentarfilm der ARD findet manches heraus, aber nicht alles. Verändert sich unser Bild?

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          Vielleicht verraten die bildlichen Vergleiche, die sie und ihre Nächsten wählen, auf indirekte Weise dann doch am meisten über diese Frau. Darüber, wie sie sich selbst sah und die Beziehung zu ihm, der ihr Leben mit in den Dienst seiner Ziele stellte und es zu dem einer Person der Zeitgeschichte machte: Hannelore Kohl. 1987 sagt sie in einem Fernsehinterview, von dem wir nun einen Ausschnitt sehen, über die frühen Jahre mit ihrem späteren Ehemann: „Er war wie ein Fels“, ein Halt in der Brandung oder im „Treibsand“. Ihr Sohn Walter Kohl ergänzt, aufgenommen in jüngerer Vergangenheit: Der Vater sei „ein Baum“ gewesen, ihr „Beschützer“.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Beide sprechen da mit Wohlwollen über den Beginn einer Liebe in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als die 1933 in Berlin geborene und in Leipzig aufgewachsene Johanna Klara Eleonore Renner nach einer traumatischen Flucht in der Pfalz ihren Helmut kennenlernte. Doch unter Felsen kann man auch begraben liegen, und unter übermächtigen Bäumen gedeiht nichts anderes mehr.

          Wer also war die Frau im Schatten Helmut Kohls, des ewigen Kanzlers? Stimmen gängige Zuschreibungen? Er, der Riese aus Oggersheim, Machtmensch, Maximalpolitiker und Mann der Einheit, als „Birne“ geschmähte Reizfigur der Linken in der Bonner Republik, seiner politischen Überzeugungen, seiner Aussitzstrategie wegen und um dessen willen, was man heute wohl Lifestyle nennen würde – womit Hannelore wieder ins Bild kommt. Sie, die Zierliche mit dem kräftigen Kiefer, die noch lächelnd am Wolfgangsee die Zähne zusammenzubeißen schien, zuständig fürs heimische „Nest“, wie sie es nannte, Familie, Haus und loyalen Rückhalt, ob auf dem Weg ins Kanzleramt oder nach der Abwahl im Sumpf der Spendenaffäre. Die Eingebunkerte im Bungalow, die eigene Ambitionen wie viele Frauen ihrer Generation (aber eben nicht alle) bereitwillig hinter denjenigen des Mannes zurückstellte, dafür mit dem einsamen Erdulden öffentlicher Schmähungen zahlte und schließlich ihr eigenes Leben beendete, das einer „Lichtallergie“ wegen, wie es immer hieß, zur Qual geworden war.

          Hannelore und Helmut Kohl bei ihrer Hochzeit im Juni 1960.

          Trailer : „Hannelore Kohl – Die erste Frau“

          Fast zwanzig Jahre ist das her. Der Mythos Kohl zerfiel danach weiter unter den Händen seiner zweiten Frau und im Zerwürfnis mit den Söhnen. Über den Tod des Altkanzlers 2017 hinaus sah man sich vor Gericht im Streit um eine Kohl-Biographie. All das ist schwer auszublenden, selbst wenn es um „die erste Frau“ geht. So lautet der nicht nur Assoziationen zu dem informellen Amt der First Lady zulassende Untertitel der NDR-Dokumentation „Hannelore Kohl“, die Stefan Aust, Daniel Bäumler und Raymond Ley vorlegen. Sie erzählen darin, geleitet von den Kohl-Söhnen Walter und Peter, „ein Leben als deutsche Geschichte“. Eigentlich hatte eine Doku-Fiction entstehen sollen, eine mit Spielfilmszenen unterfütterte Annäherung, geschrieben und inszeniert von Ley, produziert von Nico Hofmann, dem Primetime-Spezialisten für Einfühlung in die deutsche Zeitgeschichte. Doch Walter Kohl schmetterte das Projekt 2015 als „auf dem Qualitätsniveau einer Soap“ liegend ab.

          Dieses Zerwürfnis immerhin ließ sich heilen, indem das vorhandene Material in einen rein dokumentarischen Film einfloss, der souverän einen biographischen roten Faden durch Interviews mit den Brüdern Kohl, Zeitzeugengespräche und Archivmaterial hindurchspinnt. Erfahren wir grundlegend Neues? Nein, aber Ansatz, Perspektiven und Intention sind andere als etwa in Heribert Schwans Buch „Die Frau an seiner Seite“ (2011). Nicht das Porträt einer duldenden und leidenden Frau, sondern einer tätigen, kompetenten, aber auch selbstlos pragmatischen Partnerin und Mutter wird hier gezeichnet, über deren Lebensmodell sich selbst Alice Schwarzer trotz aller Kritik nicht erheben will. Gerechtigkeit für Hannelore Kohl, hätte man diesen Film auch überschreiben können.

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