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Arte-Doku über Rupert Murdoch : Der große Manipulator

Unter Freunden: Donald Trump golft im Sommer 2016 mit Rupert Murdoch und dessen dritter Ehefrau Jerry Hall. Bild: Reuters

Eine dreiteilige Dokumentation bei Arte will erklären, wie Rupert Murdoch der mächtige Fürst der Medien wurde, der er ist. Oder war?

          3 Min.

          Die Kurzfassung der Saga vom Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg des Medienmoguls Rupert Murdoch geht so: Ein junger Mann aus Australien hat nach dem Tod des Vaters in den fünfziger Jahren nur ein Provinzblatt aus dessen Zeitungsimperium geerbt. Also zieht er aus, es allen zu zeigen. Er kauft Boulevardzeitungen, seriöse Blätter und greift nach dem Fernsehen, erst in Adelaide, dann in Sydney, London, New York, Los Angeles und anderswo, bis er als anglophoner Medienmagnat Politiker tanzen lassen kann wie ein Marionettenspieler die Puppen. Mit einer Yellow Press, die so ziemlich jedes Mittel der illegalen Informationsbeschaffung nutzt, kann er das Erpressungspotential der Sensationsblätter einsetzen – bis ihm und seiner Mediengruppe News Corporation alles im Abhörskandal um die britische Zeitung „News of the World“ um die Ohren fliegt.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dass das Boulevardblatt nicht nur die Handys von Prominenten, sondern auch das Telefon eines entführten und ermordeten Mädchens angezapft hat, scheint Murdoch für immer zu erledigen. Er opfert „News of the World“, zahlt Abermillionen in außergerichtlichen Einigungen – und ist bald wieder da. Der Brexit und die Wahl Trumps markieren sein Comeback, die Wirkmacht des Revolverblattes „The Sun“ in der Alten und des Senders Fox News in der Neuen Welt. Mögen zwei seiner Kinder von der Fahne gegangen sein, er reitet mit seinem ältesten Sohn und designierten Nachfolger Lachlan Murdoch in den Sonnenuntergang, geschmäht als „Mistkerl“ von den einen, gefürchtet wie bewundert als erfolgreicher Medienunternehmer von den anderen.

          Gegeneinander ausgespielt: Rupert Murdoch 2014 mit seinen Söhnen Lachlan (links), der inzwischen der neue starke Mann im Konzern ist, und James
          Gegeneinander ausgespielt: Rupert Murdoch 2014 mit seinen Söhnen Lachlan (links), der inzwischen der neue starke Mann im Konzern ist, und James : Bild: AP

          „Einen Mythos“ nennt Rupert Murdoch selbst den Teil der Geschichte, der sich auf die Nähe zwischen Politik, Polizei und Medien bezieht. So sagt er 2012 vor der Leveson-Kommission, die im Vereinigten Königreich Licht in die dubiosen Praktiken bringen sollte. Murdoch präsentiert sich weitgehend ahnungslos – wie sein Sohn James, der damals an der Seite von Rebekah Brooks das Großbritannien-Geschäft verantwortet.

          Das britische Establishment und der Abhörskandal

          In der dreiteiligen Dokumentation „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ von Owen Philipps bildet der Abhörskandal nicht ohne Grund den dramatischen Höhepunkt. Wer ist davon nicht alles betroffen, wer sagt nicht alles aus, wer zieht nicht alles vor Gericht: Das britische Establishment ist versammelt, darunter die ehemaligen Premierminister John Major, Tony Blair, Gordon Brown und James Cameron, dessen Regierungssprecher wegen des Skandals gehen muss. In Philipps’ Dreiteiler schnurrt das komplizierte Geflecht um Murdoch, halb Familienstammbaum, halb Soziogramm, auf den Showdown zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Lüge zusammen. Auf der einen Seite stehen der Journalist Nick Davies, der „Guardian“, die „New York Times“, der Sportfunktionär Max Mosley und der Schauspieler Hugh Grant. Auf der anderen Murdoch und seine Getreuen, von denen mit Neil Wallis, dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der „News of the World“, und Les Hinton, der mehr als fünfzig Jahre für Murdoch arbeitete, zwei besonders ergebene vor die Kamera treten. Es folgt der Blick nach Amerika auf den Sturz von Robert Ailes in einem Sex-Skandal bei Fox News. Auf ihn folgt – Rupert Murdoch selbst.

          Geht inzwischen eigene Wege: Rupert Murdochs Tochter Elisabeth, hier 1997, als sie noch als heiße Kandidatin auf die Nachfolge ihres Vaters gehandelt wurde.
          Geht inzwischen eigene Wege: Rupert Murdochs Tochter Elisabeth, hier 1997, als sie noch als heiße Kandidatin auf die Nachfolge ihres Vaters gehandelt wurde. : Bild: © Shutterstock

          Selten sind so viele zwielichtige Charaktere in so kurzer Folge im Bild wie in dieser Mediendokumentation. Piers Morgan, früher bei „Sun“ und „News of the World“, heute ITV-Moderator und „Daily Mail“-Kommentator, gehört noch zu den Harmloseren. Der ehrliche Makler, als der er sich bei der Beurteilung Murdochs gibt, ist er sicher nicht. Brexit-Populist Nigel Farage hat einen Auftritt, Trump-Berater Steven Bannon auch. Die Dokumentation entfaltet das Familiendrama Murdochs mit drei Ehefrauen, fünf Kindern, der Konkurrenz um die Nachfolge. Alles ausgehend vom Jahr 1996 und die Annäherung an Tony Blair rasant kolportiert, wie bei einem Detektivspiel zusammengesetzt, bis die Struktur eines Imperiums sichtbar wird.

          Doch etwas Entscheidendes fehlt: das Internet. Philipps’ Dokumentation wirkt, als berichte sie aus einer Parallelwelt, in der es das Silicon Valley nicht gibt. In der Barack Obama nicht die sozialen Medien bespielte im Wahlkampf, in der niemand fragend Richtung Moskau schaute nach dem Brexit-Referendum, in der Donald Trump nicht Twitter zu seinem Lieblingsmedium machte, in der Netflix nicht Meinungsmacht aufbaut, indem es ehemalige Politiker wie Obama an sich bindet. Rupert Murdoch, steht am Ende des Dreiteilers als Erkenntnis fest, ist der große Manipulator, ohne den die Briten vielleicht nicht in den Golfkrieg gezogen wären, nicht der EU den Rücken gekehrt hätten und die Amerikaner nicht „Make America Great Again“ gewählt hätten. Das ist mit Sicherheit ein wichtiger Teil der Wahrheit. Aber nicht die ganze.

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