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ARD-Film „Tödliches Comeback“ : Junge, jetzt kommen wir ganz groß raus

Singe, wem Gesang gegeben: Martin Brambach (links) und Ben Münchow haben einen Auftritt. Bild: NDR/Alexander Fischerkoesen

Wenn Vater und Sohn nichts mehr zu verlieren haben: „Tödliches Comeback“ von Hermine Huntgeburth ist eine große Komödie ohne jeden falschen Ton. Ben Münchow und Martin Brambach spielen ganz groß auf.

          „Wir bringen die Band wieder zusammen“: Was für die legendären „Blues Brothers“ Jake und Elwood der große Plan ist, um Geld für das Waisenhaus einzusammeln, in dem sie aufgewachsen sind, ist für Roy Singer das Ticket für das Leben, das er nie hatte. Mit seinem Kumpel Siggi tourt er im Siebziger-Jahre-Outfit und mit Mottenfiffi auf dem Hinterkopf durch Altenheime und verdient Kleingeld. Vor zwanzig Jahren hatte es für die beiden mit „Roy’s Four“ noch vielversprechend begonnen, wären sie nicht um ihr Honorar betrogen worden. Über Wasser halten sie sich mit dem, was sie als räuberische Panzerknacker erbeuten. In der Comeback-Show im Musikclub „Fusion“ soll sich nun alles zum Guten wenden. Doch dafür braucht es den Leadsänger von damals, der sich bei der Kriminalpolizei gerade anschickt, in die Mordkommission aufgenommen zu werden. Abgesehen davon will Bruno, der Kinderstar von einst, mit seinem Alten, von dem er zehn Jahre nichts gehört hat, ohnehin nichts zu tun haben. Vater Singer klebt nicht nur das Pech an den Füßen, er verursacht es.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ein paar Un- und Zufälle später sitzen Roy (Martin Brambach) und Siggi (Matthias Bundschuh) dann doch bei Bruno (Ben Münchow) auf dem Sofa, Mutter Loni (Margarita Broich) liegt auf der Intensivstation, und alles nimmt genau so seinen Lauf, wie der junge Kommissar in spe es befürchtet hat. Ausgerechnet er soll mit seiner Kollegin Kyra Sperling (Elisa Schlott) den Einbruch aufklären, durch den sich die ihm bekannten beiden Barden bei dem Clubgeschäftsführer Roman Seidel (Roeland Wiesnekker) für entgangene Tantiemen revanchieren. Und dann geht es plötzlich um Mord und Brunos Kollegin Kyra, die er unbeholfen anhimmelt, ahnt, wo der Hase im Pfeffer liegt. Da erscheint die Rückkehr auf die Bühne mit einem Mal auch für Bruno als letzter Ausweg. Fehlt mit Inga Schallström (Jeanette Hain) nur die Vierte im Bunde, die viel tiefer in die Sache verstrickt ist, als alle anderen ahnen.

          „Es geht um Verlierer, die man ins Herz geschlossen hat“

          So vertrackt und verpeilt wie das klingt, ist der Plot auch und sind auch die Figuren, die uns die Regisseurin Hermine Huntgeburth und die Drehbuchautoren Volker Einrauch und Lothar Kurzawa mit dem Film „Tödliches Comeback“ bescheren – allerdings im besten Sinne. Sie liefern eine Komödie ab, die nicht auf Brüller-Pointen baut, sondern bei der die eben nicht nur lächerlichen existentiellen Nöte aller hier Scheiternden aufscheinen. Dialoge und Szenen (Kamera Alexander Fischerkoesen, Musik Biber Gullatz und Andreas Schäfer) sind von lakonischer Komik, ohne jeden falschen Ton. Das gilt von der ersten Szene an, in welcher der tapsige Bruno und die coole Kyra aushandeln, ob sie eine – private – Beziehung haben oder eben nicht. Später kommt sie gerade nicht dazu, sein Gedicht zu lesen, sie muss zum nächsten Date mit einem andern. Aufmerksamer wird Kyra erst, als Bruno, der einstige Kinderstar, im Musikclub beim Karaoke auftritt und sie feststellt: Der Mann hat Stimme.

          Die hat der Schauspieler Ben Münchow tatsächlich, und zwar derart, dass man, so man noch nicht eines der Musikvideos im Internet mit ihm gesehen hat, an das Playback eines Soul-Profis denkt; Jeanette Hain würde man eine solche Zweitkarriere auch zutrauen. Dass Martin Brambach, der mit Ben Münchow nebenbei eine anrührende, aber nicht rührselige Vater-Sohn-Geschichte aufführt, bei der die Gegensätze aufeinanderprallen, sich in diesem Ensemble und bei dieser Regisseurin bestens aufgehoben fühlte („eine der schönsten Arbeiten in meinem Leben“), glaubt man gern und man meint es beim Zuschauen zu spüren.

          „Es geht um Verlierer, die man ins Herz geschlossen hat. Es geht nicht nur um äußerliche Gags, sondern auch um Dinge, die einen menschlich berühren“, sagt die Regisseurin Hermine Huntgeburth und führt Jack Lemmon als beispielgebend an für das, was sie mit großer Könnerschaft macht: Komödie, nicht Comedy. Und so bringt sie die Band wieder zusammen. Allerdings nicht ganz.

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