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ARD-Film „Käthe und ich“ : Können Hundeaugen lügen?

  • -Aktualisiert am

Hauptdarsteller: Christoph Schechinger als Psychologe Paul und die Therapiehündin Käthe, die im realen Leben auf den Namen „Hoonah“ hört. Bild: ARD Degeto/Britta Krehl

Herzigkeit kennt keine Grenzen: In der Filmfolge „Käthe und ich“ lässt die ARD in Sachen Rührseligkeit nichts aus. Gegen einen Psychologen mit Therapiehündin ist ja auch wirklich kein Kraut gewachsen.

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          Hund „Lassie“ und Delphin „Flipper“ mögen in Pension sein, die telegene Annahme der selbstlosen Empathiefähigkeit von Tieren ist es nicht. Schäferhunde („Kommissar Rex“) auf Verbrecherjagd scheinen allerdings aus der Mode gekommen zu sein. Wahrscheinlich haben sie als hochprofessionalisierte Großstadt-Polizeischnüffler zu wenig Ahnung vom „geheimen Leben der Bäume“ (Peter Wohlleben) auf dem Land, eignen sich auch kaum zur Unterstützung modischer Achtsamkeitstechniken.

          Der TV-Hund von heute wirkt durch natürliche Treuherzigkeit und ist gleichermaßen für Outdoorsport- und Waldbadenliebhaber kompatibel. Oder arbeitet als Spezialist für tiergestützte Psychotherapie, wie Käthe, ein „Aussie“ mit hellblauen Augen. In der ARD-Freitagsserie „Käthe und ich“ spielt die Hündin in vorerst vier Folgen eine von zwei Hauptrollen, mithin den vermutet idealen Begleiter, um sich mit einigen Humorhomöopathiekügelchen und einer guten Dosis Wohlfühlschmerz aus der Arbeitswoche heraus zu schleichen.

          Auch für den Psychotherapeuten Paul (Christoph Schechinger), den zweiten Hauptdarsteller der Serie, ist Käthe die fellgestützte Sorgenbremse schlechthin. Von der Züchterin einst grob beschimpft (wie man in der Folge „Das Findelkind“ in einer bestürzenden Rückblende zu sehen bekommt, Kindern unter sechs Jahren besser die Ohren zuhalten), sprang die schlaue Käthe einst aus dem Fenster einer Tierarztpraxis direkt in Pauls Arme. Liebe auf den ersten Blick, und der Beginn einer wunderbaren Berufsbeziehung. Zumal die Hunderasse Australian Shepherd in der Zuchtliteratur als freundlich, intelligent, anhänglich, aktiv und beschützend beschrieben wird. Wenn man ihm die richtigen Aufgaben gibt, dankt der Hund mit hoher Sozialkompetenz. Genau wie Paul, der mit seiner platonischen Kindheitsfreundin Jule (Mona Pirzad), ihrem Mann Aaron (Ben Braun), zwei Tierärzten, deren Kindern und zahmer Gans in einer Art Mehrgebäudehof-WG auf einem Seegrundstück in Traumlage an der Müritz lebt. Sprechstundenhilfe Jasmina (Anna Hausburg) schreibt einen schlüpfrigen Arztroman-Blog, Paul hat die russische Primaballerina Erina (Nadja Bobyleva) geheiratet, die ersten Teil ihre Kunst zu Herbert Grönemyer-Musik zeigt.

          Inzwischen liegt auch Erina im Wachkoma, wie die schließlich erwachende Maria Thalbach (anrührend: Muriel Baumeister, die man gern wieder mehr sehen würde) aus dem ersten Teil. Bei einem Autounfall mit der besten Freundin Natalya (Julia Hartmann), die als kapriziöse Wahlamerikanerin zu Besuch kam und sich mit Paul zoffte, hat die früher gefeierte Tänzerin ihres und Pauls Baby verloren. Pflegerin Hildegard (Mariele Millowitsch) kümmert sich mit Verve und Kalendersprüchen um Erina, nachdem sie sich mit den Oberen der Rehaklinik angelegt hatte und hinausgeflogen ist. Millowitsch spielt, wie auch kaum anders zu erwarten, ihre Rolle kompetent als humaner Rettungsring.

          Selbst vor Kierkegaard schrecken Brigitte Müller (Buch) und Philipp Osthus (Regie) nicht zurück: „Gib nie einen Menschen lieblos auf.“ Was Paul beweist, als ihm ein Baby im Moses-Körbchen auf den Gartentisch gestellt wird. Jule mutmaßt seine Vaterschaft, Paul erinnert sich an eine schwangere Patientin in Schwierigkeiten. Es wird Boule ohne Leistungsdruck gespielt und draußen mit Blick auf den mecklenburgischen See gemeinsam entspannt gegessen, daneben ein wenig über verschlossene Keller und nachlassende Lust in langjährigen Ehen sinniert. Alles findet seinen oder ihren Platz. Das Findelkind war in eine sonnenblumenverzierte Decke gehüllt, also, so Paul, kann die Mutter kein schlechter Mensch sein. „Käthe und ich“ ist selbst wie eine seriengewordene Sonnenblumenapplikation vor mecklenburgischer Seenplatte (Kamera Joachim Hasse). Aber der Hund, der ist schon sehr herzig.

          Käthe und ich – Das Findelkind läuft heute um 20.15 Uhr im Ersten.

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