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Anschlag auf Weihnachtsmarkt : Wo liegt Straßburg nochmal?

Polizeibeamte sichern einen Zugang zur Straßburger Altstadt am Abend des Attentats auf dem Weihnachtsmarkt. Bild: dpa

Die Nachricht vom Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg hat die großen deutschen Fernsehsender nicht aus den Konzept gebracht. Die Frage ist nur, was für ein Konzept das ist.

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          Von der Place Kléber bis zur deutschen Grenze dürften es sechseinhalb Kilometer Luftlinie sein. Vom Stadtteil Neudorf ist es ein Katzensprung. Und doch ist Straßburg am Dienstagabend weit weg, zumindest in den Hauptprogrammen des deutschen Fernsehens.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dort ist von dem, was sich zwischen acht und halb neun Uhr abends auf dem Weihnachtsmarkt ereignet, in den späten Nachrichtensendungen die Rede, im „heute-journal“ und den „Tagesthemen“. Sie berichten entsprechend der bei solchen Attentaten stets bruchstückhaften, sich verändernden und zumeist verschlimmernden Nachrichtenlage. Wenn von einer „Schießerei“ auf dem Weihnachtsmarkt die Rede ist, kann man sich nicht erst seit dem Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz vor zwei Jahren denken, was folgt.

          Die genannte Zahl der Opfer steigt, von einem, von zwei, dann vier Todesopfern ist die Rede und einem Dutzend Verletzten. Auf den Weihnachtsmarkt von Straßburg, werden wir erinnert, wollten Islamisten schon im Jahr 2000 ein Attentat verüben, es wurde im letzten Augenblick verhindert. Achtzehn Jahre später gelingt dies der Polizei nicht. Am Morgen, erfahren wir, hatte sie die Wohnung des mutmaßlichen Täters Cherif C. durchsucht und Granaten sichergestellt. Der Gesuchte entkam.

          Wie aber kann er dann am Abend auf den Weihnachtsmarkt gelangen und einen Menschen nach dem anderen niederschießen? Der Reporter des Senders „Welt“ meint, er müsse dies den Sicherheitsbehörden gleich zur Last legen. Im Studio von n-tv ist der Experte vorsichtig. Schließlich könne es doch sein, dass die Polizei auf der richtigen Spur war und nur einen Augenblick zu spät kam, um zu verhindern, was hundertprozentig nicht zu verhindern ist.

          Ein Attentäter müsse nur einmal Glück haben, um durch die Maschen zu rutschen, sagt die Terrorexpertin im französischen Nachrichtensender France 24, Polizei und Geheimdienste dürften, wenn es liefe, wie wir es uns wünschen, kein einziges Mal Pech haben. In den Twitter-Botschaften französischer Politiker von links- und rechtsaußen ist gleichwohl sofort die Frage nach einem möglichen Versagen der Polizei virulent. Trauer über die Opfer, Solidarität mit Hinterbliebenen und Verletzten und Kritik, die auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und seine Regierung zielt, gehen Hand in Hand.

          So etwas müssen und sollen Journalisten nicht mitmachen, solange man nichts Genaues weiß, stundenlanges Herumspekulieren macht nichts besser. Und doch ist die Zurückhaltung der großen hiesigen (öffentlich-rechtlichen) Fernsehkanäle erstaunlich, sie erstreckt sich auch auf Ablegersender wie tagesschau24, ZDFinfo und Phoenix. Der Privatsender n-tv bleibt, mit Unterbrechungen, kontinuierlich dran. Der Kontrast, den die anderen zum Programm in unserem Nachbarland abgeben, könnte nicht größer sein.

          Auch wenn wir mit dem – islamistischen – Terror leben müssen, wie der CDU-Europapolitiker Elmar Brok, der mit seinen Kolleginnen und Kollegen bis tief in die Nacht im Europaparlament in Straßburg festsaß, am nächsten Morgen im Deutschlandfunk sagt: Den Angriff auf den Weihnachtsmarkt so dezent zu berücksichtigen wirkt wie Verdrängung. Der Täter könnte längst über die Grenze geflüchtet sein und sich das weniger dichte Verfolgungsnetz in Deutschland zunutze machen. Das nächste Attentat könnte auf jeden anderen Weihnachtsmarkt verübt werden, hüben wie drüben. Der Terror kennt keine Grenzen, er sucht sich Ziele mit Symbolgehalt, den Weihnachtsfrieden zu zerstören und dabei möglichst viele Menschen zu töten ist das Ziel. Was könnte uns da an einem solchen Abend näher sein als Straßburg?

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