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Fernsehfilm „Killing Jesus“ : Der Heiland verkündet die frohe Botschaft der Tea Party

Es gibt für alles eine Erklärung: Haaz Sleiman spielt in „Killing Jesus“ den Heiland. Bild: National Geographic Channels/Kent Eanes

Zu Ostern präsentiert das amerikanische Fernsehen einen Film, der in 171 Ländern laufen soll: „Killing Jesus“. Was für einen Christus sehen wir da? Und was verkündet er uns?

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          Alle vier Evangelien berichten, dass Simon Petrus bei der Verhaftung Jesu einem Knecht des Hohen-Priesters ein Ohr abschlug. Nur Lukas erzählt, Jesus habe die Wunde berührt und das Ohr geheilt. In dem Film „Killing Jesus“, dessen Erstausstrahlung am Palmsonntag dem Fernsehsender der Zeitschrift „National Geographic“ die höchste Zuschauerzahl seiner Geschichte bescherte, kommt dieses Wunder nicht vor. Es bleibt offen, ob Jesus die Fähigkeit hatte und nutzte, die fatale Kausalität außer Kraft zu setzen, die alle Erdendinge regiert.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Die Interventionen in hoffnungsloser Lage, die dem Wanderprediger den Ruf eines Zauberers eintragen, scheinen für die Zuschauer einer natürlichen Erklärung zugänglich. Einen Jungen, in dem böse Geister Wohnung genommen hatten, holt er von den Toten zurück, aber mit dem Tod haben die Umstehenden wohl die Ruhe verwechselt, die über das Kind kam, als Jesus mit einer beherzten Umarmung die dämonischen Besatzer vertrieb. Und der wundersame Fischzug nach inständigem Gebet, der den Fischer Simon veranlasst, einem Unbekannten auf dem Landweg ins Ungewisse zu folgen, mag als Beispiel für die Kraft des positiven Denkens taugen.

          Im Gestus aufgeklärter Selbstdisziplin

          Auch in der Buchvorlage werden die Wunder Jesu durchgehend als Gerüchte behandelt. Die Verfasser, Bill O’Reilly, der populärste Abkanzelredner des rechten Talksenders Fox News, und sein Mitautor Martin Dugard, beweisen sich auf diese Weise ihre skeptische Gutgläubigkeit: Sie bekennen sich zur Mitgliedschaft in der katholischen Kirche, legen aber Wert darauf, dass sie an den Stoff von „Killing Jesus“ als Historiker und Investigativjournalisten herangetreten sind, mit den Methoden ihrer früheren, gleichfalls verfilmten Bestseller „Killing Kennedy“ und „Killing Lincoln“.

          Der von der Firma des Regisseurs Ridley Scott produzierte Jesusfilm, der über Ostern in 171 Ländern des Erdkreises im Fernsehen gesendet wird, nimmt sich gegenüber dem Buch die Lizenz zur Ausschmückung im Detail heraus, wahrt aber beflissen den Gestus aufgeklärter Selbstdisziplin. Der Part des Knechts, der bei Johannes Malchus heißt und hier namenlos ist, wird fortgeschrieben: Mit einem Kopfverband läuft der Scherge hinter Jesus auf dem Weg nach Golgatha her, um sich mit Spott für seine Verstümmelung zu rächen. Jesu Antwort ist eine Liebeserklärung an den Feind. Der Gewaltmensch ist entwaffnet, und man rechnet schon damit, dass aus dem Knecht noch vor Ende des Films ein Diener Christi und Waffenbruder Petri wird. Aber auch dieses Wunder wird nicht gezeigt.

          Produziert von der Firma des Regisseurs Ridley Scott, über Ostern in 171 Ländern des Erdkreises im Programm: Szene aus „Killing Jesus“.

          Diese Botschaft kommt auch so unten an

          Stattdessen enthält der Abspann den Hinweis auf eine mirakulöse Konversion. Einer der beiden Experten für die Umwelt des Neuen Testaments, denen gedankt wird, ist Robert Cargill von der University of Iowa, der als Blogger auf dem Standpunkt eines „agnostischen Humanisten“ für „soziale Gerechtigkeit“ kämpft. Vor vier Jahren hatte er einen Bannfluch gegen die Fox-Kommentatoren und namentlich gegen Bill O’Reilly geschleudert: Sie sollten endlich damit aufhören, sich als Theologen auszugeben, um Amerika „eine christliche Variante der Scharia“ aufzuzwingen. Jetzt erteilt Cargill dem Film sein „Nihil obstat“, obwohl das Drehbuch von Walon Green im bibelkritischen Eifer hinter die Thesen des Buches zurückfällt.

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