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Franz-Xaver Bogner zum 70. : Der Kaiser von Pliening

Umrahmt: Franz-Xaver Bogner (Mitte) mit Andreas Giebel und Florian Karlheim, den Hauptdarstellern seiner Serie „München 7“. Bild: ARD/munichpress.de/Guenther Reis

Romantisch in die Landschaft geglotzt hat in seinen Fernsehstücken noch nie jemand. Dafür weiß er wie kein Zweiter, wie man das Lebensgefühl und die Identität Bayerns abbildet. Dem Regisseur Franz-Xaver Bogner zum Siebzigsten.

          Was er auf den Tod nicht leiden könne, hat er der „Süddeutschen“ anvertraut, seien Klischees über Bayern, die „bis zu den Knien in der Erde stecken und betont langsam sprechen“. Ein Bauer, der aus seinem Hof hinaustrete und die Landschaft betrachte, sei „ein Schmarrn“, weil er die Landschaft in- und auswendig kenne und nicht romantisch glotzen müsse. Auf wie vielen Traumschiffen, Fincas und Pilchereien wird zur Hauptsendezeit romantisch geglotzt?

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Allein die Auflistung seiner größten Erfolge erzeugt das Gefühl, als wäre Franz Xaver Bogner allein auf weiter Flur – „Familie Meier“ (1981 ff.), „Irgendwie und sowieso“ (1986), „Zur Freiheit“ (von 1987 an in 44 Folgen), „Café Meineid“ (von 1990 an 147 Folgen), „München 7“ (von 2004 an in 51 Folgen) und „Der Kaiser von Schexing“ (von 2008 an in 22 Folgen). Für den Bayerischen Rundfunk ist Bogner seit Jahrzehnten ein tragender Pfeiler, wenn es um den Transport von Lebensgefühl geht. Der Sender hat ihm immer wieder lange Leine gelassen, zu Recht darauf vertrauend, das Bogner den richtigen Riecher haben würde.

          Neues Fernsehleben rund um den Viktualienmarkt

          Denn Bogner hat das, was man gern ein feines Gespür für die kleinen Leute nennt, vor allem in den Etagen, die es nicht haben. In „Zur Freiheit“ führte etwa Ruth Drexel als Paula mit straffen Zügeln das Wirtshaus im Schlachthof, und der Mikrokosmos, den Bogner dort auffaltete, dokumentiert bei aller Fiktionalität ein Stück anderes, altes München. Mit Toni Berger, Robert Giggenbach, Monika Baumgartner, Ernst Hannawald, Hans Brenner, Michaela May sind authentische Akteure am Werk, die wie Karl Obermayr, Ottfried Fischer oder Olivia Pascal zum Kernbestand der Bognerschen Schauspielerfamilie gehören – nicht wenige von ihnen verdanken ihm den Durchbruch. Die meisten Filmmusiken schrieb Hans-Jürgen Bucher alias Haindling. Mit „Café Meineid“ gelang dem Regisseur und Drehbuchautor die Fortsetzung von Georg Lohmeiers „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ (1968–1972), Erich Hallhuber verkörperte als Richter eine Justiz, die mit einem gelegentlichen Seufzer zur Milde begabt war. Und die Krimikomödie „München 7“ schaffte das eigentlich Unmögliche. Auf der von Helmut Dietl mit „Münchner Geschichten“ gemähten Wiese erblühte neues Fernsehleben rund um den Viktualienmarkt, wo Andreas Giebel als Polizeihauptmeister Bartl als Revierfuchs sein Territorium einhegt.

          Bogner kommt aus Pliening, aufgewachsen ist er in Markt Schwaben, Gymnasium in Erding, Studium in München. Sein früh verstorbener Vater war Eisenbahner am Münchner Ostbahnhof. Diese Erdung im flachen Osten der Großstadt, wo Schotterebene und Ebersberger Forst kein lüftlgemaltes Biotop offerieren, hat ihn geprägt. Er ist überzeugt davon, dass die Bayern ein besonders starkes Gefühl für Wurzeln und Zugehörigkeit besitzen. Diesem Charakteristikum bayerischer Identität hat er mit seiner Fernsehunterhaltung Ausdruck verliehen, die aufgrund ihrer feinen sprachlichen Witterung selbst identitätsstiftend wirkte. Heute wird Franz Xaver Bogner siebzig Jahre alt.

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