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„Death in Paradise“ auf ZDFneo : Ein Ermittler kommt ins Schwitzen

Anderen ist es das Paradies, doch Richard Poole (Ben Miller) hasst den Strand Bild: Denis Guyenon/ZDF

Von der Themse in die Karibik kann man auch strafversetzt werden: ZDFneo zeigt die Serie „Death in Paradise“, die für Liebhaber der klassischen englischen Kriminalfilme ein Muss ist.

          Ein britischer Polizist wird von London auf eine kleine Karibikinsel versetzt, um einen Mord aufzuklären. Von Beginn an kämpft er mit seinem Schicksal - der hellen Sonne, dem heißen Klima, der mangelhaften Ausstattung der Polizeistation auf der fiktiven Insel Saint Marie, der karibischen Lässigkeit der Inselbewohner und zu allem Überfluss hat die Fluggesellschaft auch noch seinen Koffer verlegt. So ist es verständlich, dass Detective Inspector Richard Poole alles daran setzt, den Fall so schnell wie möglich zu lösen und nach London zurückzukehren.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Ben Miller spielt den kühlen, immer korrekten Polizisten Richard Poole als Typen, der stets seine „stiff upper lip“ bewahrt. Sein distanziertes Verhalten und der Gecko, der in seinem Haus wohnt, sind wohl gewollte Anklänge an seine Rolle als James Lester in der Serie „Primeval“. Die anderen Figuren sind allesamt nach bekanntem Muster angelegt - die übergangene Stellvertreterin, mit der sich dann aber eine Romanze anzubahnen scheint, der clevere Vorgesetzte, der ehrgeizige Nachwuchspolizist, der erfahrene Haudegen und nicht zuletzt die schöne Unbekannte.

          Coralie Audret spielt Sarah Lavender in der Detektivserie, die in der britischen „Whodunit“-Tradition steht

          “Death in Paradise“ steht in der großen Tradition des britischen „Whodunit“, in dem ein mehr oder weniger exzentrischer Detektiv auf die Suche nach einem Mörder geht. In einem Plot mit mehreren Verwicklungen ist nichts, wie es scheint, die anfänglich Verdächtigen erweisen sich als unschuldig und nach einer Epiphanie versammelt der Ermittler die Beteiligten in einem Raum, um die überraschende Lösung des Falles zu verkünden, die in Rückblenden erzählt wird. Das hielt schon Hercule Poirot nicht anders.

          Eine treffende Synchronisation

          Auch „Death in Paradise“ verläuft nach diesem Muster, ist deswegen aber keineswegs langweilig oder vorhersehbar. Die Serie lebt von dem Kulturschock, den Poole in der Karibik erlebt. Der Gegensatz zwischen der als typisch britisch angesehenen Steifheit und der entspannten Lebens- und Arbeitsweise der Insulaner sorgt für mehr als nur ein paar nette Szenen. Der Drehbuchautor Robert Thorogood hat für seine erste Serie die Verschiedenartigkeiten so unterhaltsam herausgearbeitet, dass sie die acht Folgen der ersten Staffel tragen. Pooles Bemühungen, alle Arbeitsvorgänge so einzurichten, wie er es aus London gewohnt ist, irritieren die Kollegen und sind von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Am Ende hat er es dann sogar noch mit einer Verschwörung zu tun, gegen die er aber machtlos ist.

          Die deutsche Synchronisation hat das Singsang-Englisch der BBC-Vorlage weggebügelt und auch die Sprechweise der Stellvertreterin Lily Thomson (Lenora Chrichlow) wirkt etwas überakzentuiert, ansonsten ist die Übersetzung aber treffend. Auch die Bilder der Traumstrände von Guadeloupe, wo die englisch-französische Koproduktion gedreht wurde, tragen zum Charme der Serie bei und lassen den Zuschauer in Fernweh schwelgen. Für Liebhaber der klassischen englischen Kriminalfilme ist „Death in Paradise“ fast schon Pflichtprogramm. Für diejenigen, die von dem viel zu verregneten Sommer genug haben, sich in exotische Gefilde träumen und dabei noch gut unterhalten werden wollen, kommt die erste Folge „Willkommen im Paradies“ genau zur rechten Zeit. Was die Plazierung der Erstausstrahlung im frei empfangbaren Fernsehen angeht, so hätte die Serie es sicher verdient, dass die Programmplaner von ZDFneo noch zwei Wochen gewartet hätten, um sie nicht gegen die übermächtigen Olympischen Spiele antreten zu lassen.

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